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5.0 von 5 Sternen
Austieg und Fall eines tragischen Genies, 24. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Garrincha. Titel, Tore und Tragödien (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch,erschienen 1995,erzählt auf 363 faszinierenden Seiten die Lebensgeschichte von Manuel dos Santos,genannt Garrincha,einer der größten Fußballspieler,die Brasilien je hervorgebracht hat und den man durchaus in einem Atemzug mit Pele nennen darf.
Sein Stern ging auf bei der WM 1958 in Schweden,als er und Pele die Superstars in einer brasiliansichen Mannschaft waren,die mit leichtfüßigem Fußball scheinbar mühelos jeden Gegner deklassierte und auf beeindruckende Weltmeister wurde,mit nur einem Unentschieden neben lauter Siegen.
1962 wurde der WM-Titel in Chile verteidigt,mit einem Garrincha in Bestform,der auch Torschützenkönig des Turniers war und dieses Mal,da Pele verletzungsbedingt nur zwei Spiele bestritt,der alleinige Superstar war.
Garrincha war ein Star,der zehntausende in die brasilianischen Fußballstadien zog,in einer Zeit,die heute wie eine Märchenwelt anmutet -kein Internet,wenig Radio und Fernsehen.
Und trotzdem - Fußball war noch ein Mythos,kein großes Geschäft wie heute,ein Mythos der noch echte Helden hervorbrachte,Legenden,die jedes Kind kannte.
Und so einer war Garrincha.Leider konnte er nicht viel außer Fußballspielen,und so wurde er abseits des großen Spiels zur tragischen Figur.
Er verpaßte den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören,spielte so lange,bis ihn kein Verein mehr haben wollte,und ging die letzten Jahre seines Lebens mit einer Fußballmannschaft genannten Zirkustruppe auf Tournee,um in den letzten Provinzkäffern für ein paar Groschen die Reste seiner Kunst vorzuführen,oft genug verspottet von den Zuschauern,die ihn wenige Jahre zuvor noch bejubelt hatten.
Sein einziger echter "Freund" war sein ganzes Leben lang der Alkohol,von dem er,trotz vieler,meist halbherziger Versuche,davon loszukommen,sich nie trennen konnte,und der ihn schließlich,Anfang 1983 mit 49 Jahren,das Leben kostete,beim letzten einer Reihe von Krankenhausaufenthalten,allesamt Warnschüsse seines Körpers,die er ignoriert hatte.
Er hatte ,für damalige Verhältnisse,Unsummen mit dem Fußball verdient,
starb aber als armer Mann,der am Schluß in einer verlotterten Hütte hauste und am Fußboden schlief .
Und so vieles erinnert an Maradona,genau wie Garrincha ein Fußball-Genie,das außerhalb des Platzes nicht mit seinem Leben zurecht kam und sich in den Rausch flüchtete,bei Maradona war es das Kokain,bei Garrincha der Alkohol.Und noch ein Unterschied :Maradona lebt noch,und man darf hoffen,daß er,seit er den Job als argentinischer Nationaltrainer hat,doch noch die Kurve kriegt .
Garrincha bestritt 60 Länderspiele für Brasilien,wobei er bei 52 Siegen und 7 Unentschieden nur einmal verlor,sein letztes Länderspiel beim 1:3 gegen Ungarn während der katastrophalen WM 1966.Eine heute kaum noch vorstellbare Bilanz.
Interessant auch die Parallele zu seinem einige Jahre jüngeren Freund und Sturmpartner Pele,die,wenn sie zusammen für Brasilien spielten,kein einziges Länderspiel verloren.
Tragisch,daß der Weg Garrinchas nach der großen Karriere stetig nach unten ging,während Pele alles richtig machte - er wählte den genau richtigen Zeitpunkt zum Aufhören und blieb auch nach der aktiven Karriere ein Superstar.
Der Autor Ruy Castro beschreibt das Leben Garrinchas von seiner Geburt im brasilianischen Urwald bis zu seinem letzten Lebenstag mit einer Genauigkeit,das man denken könnte,er wäre überall selbst dabei gewesen -und schließlich bekommt man als Leser auch das Gefühl,man wäre überall hautnah vor Ort.
Er schafft es ,eine Zeit,die heute wie aus einer anderen Welt wirkt,plastisch darzustellen,eine Zeit,in der es noch echte Legenden gab,nach der man beim Lesen unwillkürlich Sehnsucht bekommt,und die doch unrettbar verloren ist,
Es gibt nur noch wenige Autoren,die so schreiben können - Hut ab.
Das Buch ist spannend,tragisch,traurig und doch so voller Humor,den Garrincha war auch ein Clown,der seine Mitmenschen mit allen möglichen Streichen zum Lachen brachte und zur Verzweiflung trieb.
Und gerade diese humorvollen Aspekte in Garrinchas Leben kommen auf einzigartige Weise zutage,so zum Beispiel -schreiend komisch erzählt - daß Garrincha seine Unschuld angeblich mithilfe einer Ziege (!!!) verloren haben soll,eine damals im brasiliansichen Urwald wohl nicht unübliche Praxis.
Jeder,der sich für Fußball wirklich begeistert,wird dieses Buch verschlingen und es nicht vor der letzten Zeile aus der Hand legen,dafür kann der Autor dieser Rezension garantieren -weil er es selbst genauso erlebt hat.
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