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Die Frage, wie es der Autor schafft, mit solch einer tödlichen Mischung aus Slapstick und Horror bei den Lesern durchzukommen, läßt sich nur folgendermaßen beantworten: das Buch spiegelt genau das wieder, was wir tagein tagaus erleben, mit dem Unterschied, daß Irving eine Kunst daraus macht. In den Worten von Garp ist das Leben "eine verbotene Seifenoper", und wer kann ihm da schon widersprechen? Wer Garp zwanzig Jahre nach dessen Erstveröffentlichung liest, ist verblüfft, auf welch elegante Weise Irving seine bizarre und komplexe Geschichte strukturiert. So z.B. die beiden bekanntesten Episoden des Buches, die vom "Under Toad" ("toad" bedeutet "Kröte" im Englischen und ähnlich klingt auch "tow" das soviel wie "Sog" oder auch "ziehen" bedeutet ) und Garps Geschichte von "The Pension Grillparzer", die wie ein bernsteinfarbenes kafkaeskes Insekt durch den Roman hindurchschimmert. Als Garp seinen Sohn vor dem "undertow", dem Unterstrom, des Meeres warnt, stellt sich sein Sohn ein Monster vor, den "Under Toad", eine Art Kröte, das unter den Wellen lauert um ihn in die Tiefe zu ziehen. Dieses eher erheiternde Mißverständnis wandelt sich bald in etwas Bedrohliches, sobald der Leser die Parallele zu einem Traum in "The Pension Grillparzer" erkennt, in dem der Tod prophezeit wird. Garps letzte Worte sind "Es ist wie ein Traum!" Und Irving, der in Wien studiert hat, machte sich die Ähnlichkeit des englischen "Toad" mit dem deutschen "Tod" zunutze. Bei so viel Tod ist Garp dennoch vor allem eine lebhafte Geschichte und gleichsam eine Bereicherung für die Literatur und für unser Leben. Wie Garps stottender Lehrer es ausdrückt: "voll von Wah-ah-Wahnsinn und Trauer". Das Buch ist nicht nur eine Bereicherung für die Literatur, sondern bereichert auch unser Leben. --Tim Appelo -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überragender, zeitloser Roman,
Von
Rezension bezieht sich auf: Garp und wie er die Welt sah (Taschenbuch)
Ein zeitloses Meisterwerk ist John Irving mit seinem vierten Roman aus dem Jahr 1978 gelungen. Im Prinzip befasst sich der Roman mit der bewegten Lebensgeschichte des (fiktiven) Schriftstellers T.S. Garp. Garp, Sohn einer Krankenschwester und späteren Frauenrechtlerin namens Jenny Fields, wächst ohne Vater auf, da dieser, ein schwerverletzter Soldat, selbst den Zeugungsakt in seinem Dämmerzustand zwischen Leben und Tod gar nicht wahrnimmt. So verbringt der Junge seine Kindheit und Jugend an einer Privatschule, an der seine Mutter als Schulschwester tätig ist. Während dieser Zeit entdeckt Garp seine drei Leidenschaften: ringen, laufen und die Literatur. So ist es kaum verwunderlich, dass er früh den Entschluss fasst, Schriftsteller zu werden. Nach seinem Schulabschluss geht er mit seiner Mutter für mehrere Monate nach Wien. Dort entstehen die Autobiographie von seiner Mutter, die Jenny Fields zu einer reichen und berühmten Frau und der ersten Feministin machen sowie eine erste Kurzgeschichte von Garp, die vor unbekümmerter Phantasie nur so sprüht.Später hat Garp, der eine Literaturprofessorin heiratet und drei Kinder bekommt, immer größere Probleme, sich erneut etwas so phantasievolles wie seine erste Geschichte zu ersinnen. Dazu hat er die Welt und ihre Randexistenzen zu gut kennengelernt. Auch seine Familie bleibt von Schicksalsschlägen nicht verschont. Schon bald bestimmt die quälende Sorge um seine Liebsten sein gesamtes Leben... Unterhaltsamer und bewegender kann ein Roman eigentlich nicht sein. "Garp und wie er die Welt sah" ist eine Art Vorreiter für eine Flut von Büchern und Filmen á la "Forrest Gump". Allerdings reicht keines dieser Imitate an die Qualität von Irvings Buch heran. Das liegt daran, dass Irving es brilliant meistert, traurige Szenen mit skurillem Humor anzureichern und so ad absurdum zu führen und kleine Dinge genau zu beobachten. Hinzu kommen natürlich noch die wunderbaren Figuren, die man schnell ins Herz schließt, so wie die Transsexuelle Roberta Muldoon (vormals Robert Muldoon und Footballprofi bei den Philadelphia Eagles) oder der böse, inkompetetnte Lehrer Stewart "Fat Stew" Percy. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Über Ängste und dass Vorsicht nicht ausreichend ist,
Von
Rezension bezieht sich auf: Garp und wie er die Welt sah (Taschenbuch)
Mit „Owen Meany", „Gottes Werk und Teufels Beitrag" und dem „Hotel New Hampshire" ist „Garp und wie er die Welt sah" einer meiner liebsten Irving Romane. Ein echter Irving, vollgestopft mit skurrilen Charakteren, die alle ein Stück von einem selbst enthalten. Sechs oder sieben Haupthandlungsorte und unendliche Nebenschauplätze, die man alle lieb gewinnt, an denen man sich selbst geborgen fühlt, die einem die zahlreichen Verluste und Schicksalsschläge, die Garp, dem Protagonisten widerfahren, schmerzlicher werden lassen. Es geht um die Angst vor dem Tod von Kindern - wenn man selbst Vater oder Mutter ist - bzw. im übertragenen Sinne um die Angst vor dem Tod von irgendjemanden, den man liebt, der plötzlich vom arglistigen „Sog" gepackt wird und für immer aus dem Leben verschwindet und man selber hatte so eine dunkle Vorahnung. Es geht um das Vorsichtigsein und darüber, dass das nicht genug ist.Die Fülle an Informationen und Inhalten hängt nicht nur an den 635 Seiten des Romans und Irvings Fähigkeit auf diesen Seiten eine neue kleine Welt zu erschaffen, sondern v.a. daran, dass man in fast jedem Satz unabhängig von der Handlung im Ganzen ruhen kann, ihn in Bezug auf Garp aber auch - wenn man ein wenig autobiographisch über Irving informiert ist - auf den Autor selbst beziehen kann oder die Satzinhalte in sein eigenes Leben einfügen kann. Ich habe „Garp und wie er die Welt sah" in 6 Tagen verschlungen und würde am liebsten sofort noch mal von vorne anfangen, denn es gibt auf diesen 635 Seiten noch so vieles zu entdecken. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
reine Geschmacksache,
Von tabula_rasa2605 (Rhein-Neckar) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Garp und wie er die Welt sah (Taschenbuch)
Dies war mein erstes John-Irving-Buch und ich finde seinen Erzählstil anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig. Schon allein aus dem Grund, weil man immer wieder darauf wartet, dass endlich mal etwas passiert. Wenn man jedoch von dem äußerst außergewöhnlichen Unfall absieht, ist die ganze Geschichte eine Aufeinanderreihung von teilweise skurrilen, aber keinesfalls weltbewegenden Geschehnissen. Im Grunde nicht mehr als eine etwas ungewöhnliche Familienbiografie.Der große Pluspunkt des Buches ist jedoch die sehr sympathische Darstellung der Protagonisten, deren Leben man von ihrer Kindheit an verfolgt und bei denen einem gar nichts anderes übrig bleibt, als aufgrund ihrer Schwächen oder absurden Details mitzufühlen. Leider werden hier auch mal wieder alle Männer als unterleibgesteuerte, mutmaßliche Ehebrecher usw. dargestellt, die Frauen umgekehrt natürlich zum Großteil als die bedauernswerten Opfer. Ein durchaus interessantes Buch, das mein Interesse allerdings nicht so sehr geweckt hat, um nun unbedingt noch mal etwas von John Irving zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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