Ich hatte mir den Garmin 310XT aus Panik einen Monat vor meinem geplanten 75km Crosslauf in Thueringen 2010 gekauft. Ich war mir sicher, mir nicht den klotzigen GPS Sensor meiner Polar Pulsuhr RS300x umzuhängen, da dieser mich im Wettkampf klar behindert. Zudem hat er maximale Ungenauigkeiten von 200m auf einen Kilometer sogar im April bei kahlen Bäumen produziert.
Ich habe also schon etwas Erfahrung mit derartigen Geräten und war auch erst mal skeptisch bezüglich des Gewichtes von 72g. Diese Bedenken zerschlugen sich nach dem ersten Tragen über 24km. Das Armband ist vom Material her sehr gut, nicht zu hart, die Befestigungslöcher sind gleichzeitig Schwitzlöcher. Die Knochenhaut wurde unter dem Armband bei mir durch über sieben Stunden Rennen überhaupt nicht gereizt. Meine Partnerin hat dasselbe Modell und meint aber, lieber ein Schweißband darunter zu tragen.
Nun warum brauchen wir das Gerät überhaupt? Bei besagtem Rennen und auf unseren Trainingsstrecken stehen keine Kilometertafeln und somit hat man keinen genauen Anhalt, welches Tempo man gerade läuft. Das momentane Tempo ist in der Tat beim Garmin wie beim Polar eine durch Satellitenempfang bedingte Fehlberechnung. Bei Garmin hat man den Umstand jedoch erkannt und man kann sich z. B. nach jedem Kilometer das Durchschnittstempo anzeigen lassen. Das ist dann wieder sehr genau. Nach 250 km Erfahrung mit dem 310XT hatten wir pro Kilometer, angezeigt im Display plus Vibrationssummton, maximal 20 m Abweichung. Diese Abweichung nivelliert sich im Laufe der Aktivität. Auf der Wettkampfstrecke, die amtlich mit 75,07 km vermessen war, zeigte der 310xt eine Distanz von 75,23 km auf der Ziellinie. Wenn man bedenkt, dass ich im Rennen nicht immer die Innenbahn nutzte, weil sie jemand anders hatte oder weil ich nicht unbedingt durch den gröbsten Schotter wollte, erscheint mir die Gesamtabweichung gegen null zu gehen, was ich nur als phänomenal ansehen kann. Derartige Präzision kennt der Polar GPS sensor bei weitem nicht.
Es ist während des Wettkampfes und im Training sehr wertvoll, zu wissen, wie weit man ist, wie schnell man war, ob man langsamer wurde etc. Dazu ist dieses Gerät hervorragend geeignet.
Eine Sorge war auch der Batterieverbrauch. Nachdem die Uhr etwa 8 Stunden eingeschaltet war und im GPS Modus ohne Herzfrequenz betrieben wurde bei Temperaturen im Schatten von bis zu 37 Grad Celsius hatte sie beim Aufladen noch 53% Ladung.
Gelegentlich setze ich(nur im Training) auch den Pulsmesser des 310XT ein, der schon kritisiert wurde. In der Bedienungsanleitung wird gesagt, dass es zu statischen Aufladungen mit der Funktionswäsche und fehlerhaften Anzeigen kommen kann. Das habe ich noch nicht bemerkt, bin allerdings ein Vielschwitzer und bei Nässe gibt es auch keine statischen Aufladungen. In diesem Bereich war der Polar RS300x über einen Zeitraum von 1 1/2 Jahren stets störungsfrei und dürfte sein einziger Vorzug gegenüber dem Garmin sein.
Unzählige Features wie Durchschnittsleistung, Kalorienverbrauch etc. nutze ich nicht, weil mir dazu meine Zeit zu schade ist. Man kann sie aus den vier zur Verfügung stehenden Displays ausklammern zu Gunsten von größeren Zahlen und mehr Übersichtlichkeit.
Die Auswertung des Rennens/Trainings kann man dann am PC machen und sieht hier schnell die Optimierungsmöglichkeiten. Der Forerunner zeichnet Zeit, Pace (min/km), Geschwindigkeit (km/h), Distanz, Höhe und wenn gemessen auch die Herzfrequenz auf. Man kann sich je nach dem einzelne Kurven übereinander legen.
Der Höhenmesser zeichnete eine Kurve auf, die dem im Internet veröffentlichten Streckenprofil sehr nahe kam.
Ich hatte die Streckenkarte aus dem Internet auch auf den Garmin heruntergeladen, habe sie aber nicht genutzt, da ich mich nicht verlaufen habe. Ich kann also nicht sagen, ob Garmin rechtzeitig mit dem gut wahrnehmbaren Summton gewarnt hätte.
Man bekommt im Lieferumfang Ladegerät, USB-Stick zur Datenübertragung, Handbuch auf DVD, welches einige Wünsche offen läßt, eine brauchbare Schnellstartanleitung als Heftchen und optional einen Herzfrequenzgurt. Für mich persönlich kommt wenn überhaupt nur der Textilgurt in Frage, aber das ist Ansichtssache.
Dieses Gerät hat mich wirklich glücklich gemacht, obwohl ich keine typische Spielratz bin wie so manch andere Läufer, die Rennen gegen ihre Freunde im Internet oder gegen den "virtual partner" laufen. Auch Triathleten dürften darauf abfahren. Ich müßte mich sicher überwinden, das gute Stück mit ins Salzwasser zu nehmen.
Davon abgesehen muß jedem klar sein: der Accu läßt sich nicht tauschen, wie in der ausführlichen Bedienungsanleitung beschrieben. Wenn der Accu am Ende ist, ist auch die Uhr am Ende. Aber so weit wollen wir jetzt noch nicht denken.