Wie andere Kommentare bereits betont haben, handelt es sich beim eTrex 30 sicherlich um ein Gerät mit besten Hardware-Voraussetzungen. Ein ganz anderer Punkt ist allerdings, dass bei allen Vorzügen der eTrex-Hardware die Software (in Garmin-Tradition), alles andere als ausgereift ist, was in den Testberichten gerne übersehen wird. Nach einer Vielzahl von neuen Firmware-Updates hat es Garmin noch nicht geschafft, die wesentlichen zusätzlichen Grundfunktionen des eTrex 30 in den Griff zu bekommen (Stand Firmware-Version 2.80). Gemeint sind Kompass und Höhenmesser (andere, meiner Meinung nach nicht ganz so entscheidende Fehler wurden teilweise bereits angesprochen). Der Kompass gibt nur nach ständiger Neukalibrierung für relativ kurze Zeit brauchbare Richtungsangaben. Der Höhenmesser schafft es nicht, sinnvolle Angaben über zurückgelegte Höhenmeter zu erstellen (ein Problem, welches auch von anderen Garmin-Outdoorgeräten berichtet wird). Stück für Stück müssen sich die Nutzer, die als Beta-Tester agieren, von einer Firmware zur anderen kämpfen, um einen Fehler nach dem anderen (hoffentlich) beseitigt zu sehen (Static-Navigation-Problem, Speicher-Voll-Problem, …). Zum Teil bringen neue Firmwares allerdings neben der Beseitigung bestimmter Fehler neue Fehler (z. B. Rotation der Bilddarstellung, …). Dies verleidet einem die Nutzung des eTrex 30 gründlich.
Leider werden solche Fehler in den wahrscheinlich über kürzere Zeiträume durchgeführten Erprobungen für Testberichte übersehen. Das mag entschuldbar sein, obwohl auch hier mehr möglich sein sollte. Was nicht entschuldbar ist, ist die Firmenstrategie. Es ist ja nicht nur das eTrex 30, welches von Garmin mit fehlerhafter Software auf den Markt geschmissen wird. Dass kleine “Bugs” auftreten können, die durch neue Firmware-Versionen ausgebügelt werden, oder die neue Software noch ein paar “Nice-to-have”-Optionen zufügt, ist in Ordnung. Dass aber Grundfunktionen, die in den Spezifikationslisten aufgeführt und in der Beschreibung des Gerätes angepriesen werden, nicht funktionieren und das nach mehr als ein Jahr nach Markteinführung, ist eigentlich ein Skandal. Man würde erwarten, dass so ein Gerät vor Markteinführung einer Reihe von Beta-Nutzern in die Hand gedrückt wird, die das Gerät in allen Einsatzbereichen (Radfahren, Bergsteigen, Geocaching, …) ausführlich testen. Offensichtlich geht es aber nur darum, möglichst schnell ein neues Gerät auf den Markt zu bringen, in der Hoffnung, damit möglichst viel Profit machen zu können. Bislang scheint dieses Konzept für Garmin aufzugehen, wie die neuesten Umsatzzahlen zeigen. Ob es daran liegt, dass manche Nutzer einfach resignieren und z. B. den Kompass eben immer wieder neu kalibrieren oder gar nicht verwenden, oder ob manche einfach den vollen (theoretischen) Funktionsumfang des Gerätes gar nicht nutzen, das kann ich nicht sagen. Eines weiß ich aber sicher, Garmin wird in dem Augenblick die Folgen dieser Politik zu spüren bekommen, in dem es echte Alternativen zu eTrex und Co. von anderen Firmen geben wird.
Im Augenblick würde ich einem Nutzer eines Vista HCx nicht empfehlen, schon jetzt auf das theoretisch bessere eTrex 30 umzusteigen. Generell sollte man wohl bei Garmin Geräte erst kaufen, wenn das Nachfolgegerät angekündigt wird. Wer gerne mehr zu den Problemen mit den verschiedenen Geräten erfahren will, der sei an das Garmin Forum verwiesen, welches erfreulicherweise (bislang) nicht zensiert wird und so den Unmut vieler Kunden und Details zu den Problemen recht gut widergibt.
Sobald mit einer weiteren Firmware die wesentlichen Probleme behoben wurden, kehre ich gerne hierher zurück, um die Bewertung von zwei auf fünf Sterne anzuheben (falls das möglich sein sollte). Bis dahin kann ich leider keine Kaufempfehlung aussprechen.