Ich habe mir vor einigen Wochen ein Oregon 550t angeschafft. Der vorgesehene Einsatzzweck sind Radtouren und Bergtouren; für Geocaching und andere Zwecke wird es voraussichtlich nicht oder nur selten eingesetzt werden.
Nun zu meinen Erfahrungen nach dem ersten großen" Einsatz - einer viertägigen Radtour von Bozen nach Bologna.
Alles in allem kann ich sagen: es ist ein tolles Gerät und ich habe viele positive Erfahrungen damit gemacht.
Das Handling empfinde ich auch für mich GPS-Neuling als sehr bedienerfreundlich und intuitiv. Ebenso funktioniert das Erstellen von Tracks und Routen im Web und das Herunter- und Hinaufladen inzwischen sehr gut.
Das Gerät liegt gut in der Hand, ist einfach zu bedienen, macht in der ganzen Ausführung einen hochwertigen Eindruck und das Display scheint wirklich kratzfest zu sein.
Die vorinstallierte 100.000-er Karte hat eine hinreichend hohe Genauigkeit und einen Informationsgehalt, der mich immer wieder überrascht. Eine weitere Karte für unsere Radtouren (vor allem Ö, D, Italien) werde ich mir nach derzeitigem Kenntnisstand nicht anschaffen; sie ist nach derzeitigem Kenntnisstand einfach nicht nötig.
Unsicher bin ich hingegen noch für Bergtouren; da wird eine detailliertere Karte wohl nötig sein; das werde ich dann auf den Bergsommer hin erkunden und entscheiden.
Zur häufig gelesenen Kritik über die Lesbarkeit des Displays: nun, das ist tatsächlich ein etwas heikler Punkt. Bei strahlendem Sonnenschein unmittelbar auf das Display, da leidet die Sichtbarkeit tatsächlich. Das normale" Routenablesen bei üblichem Maßstab geht noch ganz gut, aber wenn man einmal eine weitere Information sucht, dann nimmt man das Gerät gerne aus der Halterung und dreht sich damit in den Körperschatten.
Ansonsten, also etwa bei Sonnenschein von hinten, da ist die Ablesbarkeit immer gut genug und problemlos. Ohne Beleuchtung sieht man zwar tatsächlich nichts, aber mit Beleuchtung sieht man "alles", auch bei Sonnenschein.
Auf unserer Radtour sind wir täglich um die 100 km gefahren, hatten das Gerät inklusive den Pausen also etwa sechs bis sieben Stunden im Einsatz. Meist hatte ich die Anzeige auf 1 Minute eingestellt und je nach Gelände und Straßenverlauf die Anzeige mehr oder weniger oft aktiviert. Damit bin ich immer sehr gut mit ausreichend Akkureserven über den Tag gekommen. Die Akkus waren neuwertig mit 2.600 mAh.
Die Kamera habe ich nur sehr selten verwendet. Meine richtige Digitalkamera begleitet mich ohnehin auf unseren Touren und so bleibt für die Kamera des Oregon nicht mehr viel zu tun. Das wusste ich im Vorhinein bereits, die paar Euro Mehrpreis in der Anschaffung war mir der Spaß aber wert und vielleicht gibt es auf Bergwanderungen einen größeren Bedarf.
Fazit nach ein paar Wochen im spielerischen Einsatz und nach der ersten mehrtägigen Radtour: Das wird eine schöne und lange Freundschaft zwischen dem Oregon und mir werden. Ich bin mit dem Gerät sehr zufrieden und vergebe gerne vier Punkte; den fünften Punkt halte ich wegen der Lesbarkeit bei Sonnenschein zurück.
Nachtrag nach sechs Monaten im Einsatz:
Ich habe das Gerät jetzt ein gutes halbes Jahr im Einsatz: ich benutze es eigentlich bei jeder Radtour, auch in bekannter Umgebung. Dann brauche ich es zwar nicht wirklich zur Orientierung, aber ich lasse die Strecke aufzeichnen und benutze die Tacho-Funktionen". Standardmäßig eingestellt habe ich oberhalb der Kartendarstellung Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, Höhenangabe und Tagesstrecke. Auf meinen richtigen Fahrradcomputer mag ich aber trotzdem nicht verzichten.
Im Sommer hatte ich es auch auf Bergtouren im Einsatz, unter anderem auf einer fünftägigen Hüttenwanderung im Gebiet der Hohen Tauern. Ich habe/hatte die Topo Österreich geladen und war begeistert und habe erst dort (auf dieser Tour) so manche Funktion des Gerätes durchschaut. Zwar hatte ich (für die Übersicht) noch eine (Papier-) Karte im Rucksack, aber das Oregon hat uns zuverlässig und sicher durch die fünf Tage geführt. Am praktischsten habe ich dort die Anzeige der Reststrecke Entfernung zum Ziel" erlebt. Zu wissen, dass man noch z.B. exakt 4,53 km zu gehen hat, ist tatsächlich ein großer Fortschritt und man kann einer geführten Gruppe immer zuverlässige Angaben machen.
Auch das Auto-Routing mit der Topo funktioniert hervorragend, zumindest überall dort, wo ich es probiert habe. Man wählt eine Hütte oder einen Gipfel an und hat wenige Sekunden später die Wegführung und alle Daten dazu. Ich habe das zwar bislang noch nicht wirklich gebraucht, weil ich die Tagesetappen sauber zu Hause am PC ausgearbeitet hatte, aber man weiß ja nicht, ob man nicht einmal einen zusätzlichen Gipfel mitnehmen will oder irgendwann einmal ein ungeplanten Abstieg ins Tal erforderlich ist.
Eigentlich idiotisch von mir, aber ich habe noch etwas gelernt: man kann das Display auch bei Sonnenlicht gut ablesen. Man muss nur in den Einstellungen der Anzeige den Energiesparmodus" auf Aus" setzen, dann hat man eine permanente (unbeleuchtete) Anzeige, die absolut schönwetter-tauglich ist. Damit relativiert sich meine Aussage in der Anfangsrezension über die schlechte Lesbarkeit bei Sonnenlicht. Nur, warum kann man das von Garmin-Seite nicht so nennen, dass unsereiner das sofort versteht.
Noch ein Wort zu meinen Tourenplanungen: ich mache alle Radtourenplanungen mit Gpsies und zwar meist mit der Karteneinstellung OSM-Fahrrad. Die Bergtouren lassen sich hingegen mit Mapsource besser planen; da ist das Kartenmaterial der Garmin-Topo einfach besser. Das Handling von Mapsource ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und nicht wirklich nutzerfreundlich. Aber man lernt damit zu leben.
Auch sonst hat Garmin die Benutzerfreundlichkeit nicht gerade erfunden. Die mitgelieferte Bedienungsanleitung auf pdf umfasst etwa 40 Mini-Seiten im Format von 10 x 10 cm. Schlichtweg ein Witz, der einen dazu zwingt, hinter den meisten Funktionen in Internetforen hinterher zu stöbern. Matte Sache für ein 400-Euro-Gerät.
Alles in allem nach einen halben Jahr: tolles Gerät, absolut praxistauglich, aber schade, dass man die Funktionen nicht vom Hersteller erklärt bekommt, sondern sich im Web zusammensuchen muss.