Nach 5-jähriger Benutzung des eTrex Vista cx (Wandern, Geocaching und OSM-Mapping), fand ich dass es Zeit für ein neues Outdoor-Navi war - nicht zuletzt weil sich die Gummiumrandung des Vista gelöst hat (laut Foren ein Serienfehler). Außerdem hielt ich die Idee eines Touchscreens sehr reizvoll, weil er sich im Auto (Garmin nüvi 205) sehr bewährt hat und die Eingabe sehr vereinfacht. Der Mini-Joystick vom Vista machte Eingaben immer sehr langwierig. Außerdem suchte ich eine bessere Empfindlichkeit des GPS-Empfängers, wie sie bereits in der H-Serie (z.B. Vista Hcx) zum Einsatz kam. Außerdem wollte ich, nach eigenen Karten-Beiträgen, endlich von OSM-Karten profitieren. Ein weiterer Wunsch war Paperless-Geocaching.
Nachdem ich eigentlich seit fast zwei Jahren mit der Oregon-Serie liebäugelte, entschied ich mich nun innerhalb weniger Tage für das Dakota 20 mit zusätzlicher 8GB SDHC-Karte und ich bin nach einigen Tagen des Ausprobierens und Installierens nicht enttäuscht - vielmehr bin ich echt begeistert von dem kleinen Gerät, das (mittlerweile) preislich attraktiv und fast ein Alleskönner ist. Das Oregon scheint nach den Kritiken immer noch Display- und Batterielaufzeit-Probleme zu haben. Außerdem liegt die Preisklasse des Oregon DEUTLICH über dem Dakota 20. Bei einer Zufallsbegegnung beim Geocaching erzählte mir ein Geocacher auch von seinen negativen Erfahrungen mit einem Oregon.
Das Dakota hat praktisch die gleichen kompakten Abmessungen des Vista mit einem gleich großen Display von 2,6 Zoll. Das Display ist absolut in Ordnung: draußen braucht man tagsüber keine Beleuchtung (Transreflexiver Farb-TFT-Touchscreen), abends und nachts ist die Beleuchtung zwar weniger hell als beim Vista, aber auch absolut ausreichend. Eine entspiegelnde Schutzfolie ist hilfreich, muss aber nicht sein, da man beim Wandern das Gerät mit einem Handgriff so drehen kann, dass Spiegelungen nicht stören bzw. auftreten. Die Folie als Schutz vor Kratzern ist aber eine unbedingt sinnvolle Anschaffung. Also: Schutzfolie ist Pflicht, entspiegelnd oder glänzend ist Geschmacksache.
Wichtig zuerst das Update der Firmware mithilfe des Garmin-Updater-Programms (kostenloser Download) und die Registrierung bei Garmin und ein Backup der Systemdateien auf dem Computer.
Nach etwas Problemen (typischer Anfängerfehler: fehlende Entpackung der Download-Kartendaten) laufen OSM-Karten (immer auf Speicherkarte, nie im System installieren!) einwandfrei. Man muss ein bischen suchen bis man das Kartenmaterial gefunden hat, das einem von der Darstellung (Linien, Flächen und Farben!) gefällt und die für die angepeilte Nutzung passenden Details bietet. Beim Wandern sind mir z.B. Gatter/Tore als wichtige Orientierungshilfen wichtig. Karten mit allen OSM-Merkmalen sind häufig zu voll, zu groß und damit langsam. Auswahl gibt es auf den einschlägigen Seiten. Mir sagte openmtbmap am meisten zu und die Karten von raumbezug.
TIP: lieber einzelne kleinere Länderkarten installieren, als eine Europakarte mit allen Ländern. Bei Kartendateien über 1,5GB (pro Karten-Datei gmapsupp) geht der Prozessor deutlich in die Knie und das Hochfahren nach dem Einschalten, Scrollen und die Sucheingabe werden extrem verlangsamt! War deshalb zunächst frustiert, bis ich statt Europa-gesamt Einzelkarten der interessanten Länder installiert habe - da lief alles wieder super flott! Karten und Overlays (wie Höhenlinien) lassen sich im Menü auch einzeln aktivieren/deaktivieren.
Das Dakota akzeptiert beliebige Kartennamen (nicht nur gmapsupp!), was hilft die Übersicht zu behalten. Lithium-Batterien (Energizer Lithium) zeigen auch nach mehreren Tagen des Testens immer noch volle Leistung. Werde aber im Urlaub NiMH-Akkus mit 2700 mAh ausprobieren. (Garming empfiehlt mindestens 2500 mAh.)
Hilfreich beim Umgang mit Kartenmaterial sind die Garmin Programme "Mapsource" (liegt den Garmin-Kaufkarten bei und hatte ich noch vom Vista) und "Basecamp" (kostenloser Download bei Garmin). Aufpassen: manches Download-Kartenmaterial ist nur über den Umweg über Mapsource/Basecamp zu installieren. Nur die sogenannten gmapsupp.img-Dateien lassen sich direkt auf das Gerät aufspielen!
Neben den Karten kann man nun neuerdings Satellitenbilder/Luftaufnahmen auf das Dakota laden und den Karten unterlegen. Bei Garmin heißt das BirdsEye und kostet 25 Euro pro Jahr. Man kann aber testweise (größere) Bereiche kostenlos in Basecamp downloaden und auf Nützlichkeit (Auflösung/Wolkenabdeckung/Helligkeit/Schatten) untersuchen bevor man das Abo abschließt. Kleinere Bereiche lassen sich sogar kostenlos für Testzwecke downloaden. Nette Spielerei deren Nutzen stark von der Qualität der Aufnahmen abhängt. Nach ersten Eindrücken scheinen die Bilder in Städten hilfreicher zu sein als in der Wildnis. Die Auflösung in höchster Qualität ist aber so gut, dass man nicht-kartierte Trampelpfade in der Wildnis erkennen kann! Man kann vier verschiedene Auflösungsgrade auswählen. Die Größe der Download-Dateien vom BirdsEye-Server ist seit einiger Zeit auf 75MB begrenzt, da der Server wohl überlastet war. Das entsprach bei meinem Download in höchster Qualität ca. 90 Quadratkilometern.
In Foren wird aber auch von der kostenlosen Möglichkeit berichtet, mit GoogleEarth selbst diese Overlays zu erzeugen. Scheint aber im Augenblick zwar noch etwas umständlich, aber trotzdem gut machbar zu sein. Basecamp installiert die Bilder automatisch ohne Wahlmöglichkeit im System im Hauptordner "Garmin" im Unterverzeichnis "BirdsEye". Ich habe noch nicht versucht die Datei auf die Speicherkarte zu verschieben - müsste aber eigentlich möglich sein. Denn Garmin wirbt mit unbegrenzten Satellitenbildern - was bei 850MB Hauptspeicher des Dakota natürlich irgendwann an Grenzen stoßen muss. GoogleEarth offline immer dabei für eine Region - das ist doch was!
Für Paperless Geocaching braucht man zwar ein Premium-Abo bei Geocaching.com für 30 Dollar. Dafür kann man aber als sogenannte PocketQuery eine Sammelliste von Caches erstellen und sich per Email zuschicken lassen. Die gpx-Dateien zu einem vorher definierten Gebiet (bis 1000 Caches, Beschränkung PocketQuery) beinhalten dann ALLE Beschreibungen, aktive Trackables (z.B. Geocoins und Travelbugs) sowie die letzten Logs. In einer zweiten mitgeschickten Datei werden die hilfreichen Waypoints (z.B. Parkplätze) zu den Caches übermittelt. Diese beiden Dateien sollte man auf den Ordner "GPX" im Hauptordner "Garmin" der Speicherkarte installieren. Verzichten muss man nur auf die Bilder und Spoilerfotos mangels Bildbetrachter im Dakota. So lassen sich in EINEM Vorgang in nur wenigen Minuten bis zu 200 Caches (Beschränkung im Dakota als gpx) komplett installieren. Also eine enorme Zeitersparnis zum einzelnen loc-Dateien downloaden und dem Ausdrucken der Beschreibungen bei normaler Mitgliedschaft.
Die Bedienung des Touchscreens ist sehr angenehm und schnell. Die eingeblendete Tastatur ist auch für längere Texteingaben gut zu bedienen. Probleme könnten nur Menschen mit "Wurstfingern" bekommen, da das Display nun mal eher klein ist und vertieft im Gerät liegt. Über die weitere Ausstattung möchte ich nicht mehr viel sagen: wichtig für mich war der 3-Achsen-Kompass, der lageunabhängig auch im Stand funktioniert und der Luftdruck-/Höhen-Messer. Das Dakota 20 fährt sehr schnell hoch (wenn man nicht zu große Einzel-Kartendateien installiert, siehe oben!) und ist in ca. 10 Sekunden da. Eine Positionsbestimmung ist bei kürzerer Ausschaltzeit auch schon sofort nach diesen 10 Sekunden da, bei kompletter Neu-Ortung bleibt das Gerät deutlich unter einer Minute.
Als Zubehör bestellte ich die original Silikon-Hülle (Silicone Case, bei amazon: Garmin Schutztasche für Dakota 10, Dakota 20), welche auf 4 Seiten das Gerät rundum bei Abstürzen schützt. Das Gerät wird dadurch etwas bulliger, aber eine Bodenlandung kann das Gerät mit dieser Verpackung wohl sehr gut vertragen. Displayfolie sollte natürlich als Kratzschutz sein, aber eine Displaylandung auf einem spitzen Stein wäre wohl trotzdem das Ende. Da hilft aber vielleicht der vertiefte Einbau des Displays das Schlimmste zu verhindern. Das Tolle: mit dieser Hülle passt das Dakota 20 wieder perfekt in meine Rucksackhalterung vom Vista (bei amazon: Garmin Halterung für Rucksack, eTrex Familie), die sich für mich in den letzten Jahren als ideal herausgestellt hat. Man hat das Gerät griffbereit und mit Sicherheitsleine auf einer Klettverschlussfläche auf dem Rucksackträger. Diese Position auf der Schulter sichert auch besten GPS-Signalempfang, auch wenn dies beim Dakota nicht mehr so wichtig ist wie beim Vista cx.
Alles in allem - ein kleines Wundergerät und ein Riesenfortschritt zum eTrex Vista cx.