Der große Sportfreak war ich nie. Im Sommer ab und zu aufs Mountainbike, ganz selten mal eine Runde joggen und im Urlaub ein paar Meter schwimmen, mehr nicht. Die Vernunft gebietet jedoch gerade mit zunehmendem Alter, gezielt etwas für die persönliche Fitness zu unternehmen. Mit 40 wurde ich jetzt also Späteinsteiger in Sachen regelmäßiges Laufen.
Ein Fehler vieler Neulinge ist, übermotiviert zu viel zu wollen und dadurch ein ineffizientes weil zu heftiges, im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädliches Training anzugehen. Das hört und liest man zumindest immer wieder. Auch aus diesem Grund wollte ich mein Training mit einer Pulsuhr überwachen. Eine kaum benutze Polar Pulsuhr besitze ich seit Jahren - und die funktionierte natürlich nicht mehr, wahrscheinlich wegen leerer Batterie im Sendegurt. Was tun, zum Polar Service einsenden? (Der Sender lässt sich nicht vom Endkunden zwecks Batteriewechsel öffnen) Oder doch lieber den coolen Garmin Forerunner 305 zulegen, den ich schon länger auf dem Radar hatte?
Nach kurzer Bedenkzeit wurde es natürlich Letzteres. :-)
Der Forerunner ist schon eine Weile auf dem Markt, wurde zuletzt noch mal im Preis reduziert und bietet bei nun etwas über EUR 200,- eine unglaubliche Fülle von Funktionen. Dabei ist die Bedienung durchaus simpel, lesen des Schnellstart Blättchens (sehr löblich: Garmin legt allen Produkten eine gedruckte Doku in Englisch + Deutsch bei) und 15 Min. Beschäftigung mit dem Gerät genügen für den Einstieg. Nach Eingabe von ein paar persönlichen Daten wie Alter und Gewicht kann es losgehen.
Auf dem großzügigen Display lässt sich eine beliebige Auswahl der zahlreich verfügbaren Datenquellen zur Live Anzeige beim Training konfigurieren: Pulsfrequenz, Frequenzzone bzgl. Maximalpuls, Trainingsdauer, Rundenzeiten, Laufgeschwindigkeit, Kalorienverbrauch usw. Beim Laufen erkennt man die Darstellung prima und kann sich selbst entsprechend dirigieren. Es gibt wahlweise akustische Warnsignale etwa zur Laufgeschwindigkeit oder Einhaltung vorgegebener Pulsbereiche etc., was ich bisher allerdings noch nicht genutzt habe.
Der Clou ist die Integration von Positionsdaten per GPS, bei Geräten aus dem Hause Garmin -absolute Veteranen auf dem Gebiet der Navigation- natürlich eine Pflichtübung. Der Forerunner zeichnet während des Laufens den Puls und die aktuelle Position auf und nach Übertragung zum PC erhält man alles anschaulich in Tabellen und Charts dargestellt. Dabei kommt dann ein zusätzlicher Motivationsschub: Ich habe bisher gerade mal ein halbes Dutzend Läufe aufgezeichnet, immer auf derselben Rundkurs-Strecke, sehe aber schon eine Verbesserung z.B. im tendenziell niedriger bleibenden, gleichmäßiger werdenden Puls. Man wird richtig heiß darauf, mehr Daten zu sammeln, besser zu werden und eben noch mehr auf dem Lauftrack unterwegs zu sein! Diesen Umstand sollte man nicht unterschätzen, denn gerade die Dauermotivation ist ein Problem, weshalb viele -nach anfänglicher Übermotivation, siehe oben- ihr Training wieder einstellen.
Übrigens ist die Übertragung zum Rechner kein Muss. Alle Aufzeichnungen können auch am Forerunner selbst betrachtet werden, dort naturgemäß ohne den Komfort eines großen Monitors.
Ein paar Hinweise mit Bezug auf Details, die in anderen Rezensionen immer wieder auftauchen:
1. GPS Empfang: Ist im Stadtgebiet Darmstadt einwandfrei, im Altbau Wohnviertel genauso wie im Herrngarten (Stadtpark). Ich lege den Forerunner eingeschaltet auf den Balkon, während ich Sportsachen anziehe, kann dadurch 5 Min. später mit gefixten Satelliten loslegen und brauche nicht darauf zu warten.
2. Software: Die mitgelieferte Garmin Training Center Software funktioniert bestens und reicht für meine Ansprüche völlig aus. Man sieht seine Trainings als Kalendermarkierungen und in einem TreeView (Baumdarstellung), erhält Laufzeiten, Pulsdaten, Kalorienverbrauch usw. in Tabellenform/Graphen und in einer einfachen Grundkarte den gelaufenen Kurs dargestellt. Ich habe durch meinen Garmin iQue (ein PDA mit GPS) City Navigator Karten auf dem PC, die das Training Center automatisch einbindet, und damit eine detailliertere Darstellung; zusätzlich kann man seine Tracks nach Google Earth exportieren, wenn man eine Satellitenansicht haben möchte.
3. Alternative Software: Die umfangreiche und viel gepriesene SportTracks Anwendung befand ich nach kurzem Test weniger intuitiv zu bedienen als das Garmin Training Center. Wie sieht man dort z.B. die Werte einzelner Runden einer Trainingseinheit ein? Spontan nicht erkennbar. Bei Garmin einfach durch aufklappen der Knoten im TreeView! Ob SportTracks für anspruchsvollere Aufgaben der Trainingsplanung am PC und Upload zum Forerunner bessere Dienste leistet (das Garmin Training Center hat solche Features auch), kann ich mangels Erfahrung noch nicht sagen. Seine Laufschuhe und die Trainingsdaten von Freunden zu verwalten, was SportTracks kann, geht über meinen Bedarf auf jeden Fall hinaus.
4. Genauigkeit der Messungen: Die Pulsmessung ist zuverlässig, soweit ich das beurteilen kann, hat bei mir keine Aussetzer, unplausible Peaks nach oben oder dergleichen. Da war die Polar Pulsuhr definitiv launischer, das habe ich noch in "bester" Erinnerung. Auch die GPS-Aufzeichnung und Messung der Streckenlänge ist im Rahmen des technisch Möglichen (plusminus 5 Meter GPS Toleranz je Messpunkt) hinreichend genau. Der aufgezeichnete Rundkurs von 1,2 km beispielsweise entspricht bis auf wenige Meter der Streckenlänge, die ich auf einer Karte abgezirkelt habe!
5. Größe des Gerätes: Es ist schon recht klobig und ein ordentlicher "Klumpen" am Handgelenk, stört mich aber beim Laufen überhaupt nicht, da es überraschend leicht ist. Das Nachfolgegerät Forerunner 405 ist kleiner, eher wie eine normale Uhr, erscheint mir dadurch aber weniger komfortabel in der Bedienung und im Display (zumindest auf entsprechenden Videos z.B. bei YouTube).
Mein Fazit: Begeisterung pur! Ich bin seit Jahren Technik/Gadget-Freak und habe so manche negative Erfahrung gemacht. Der Garmin Forerunner 305 hingegen gehört ganz klar zu den Freudenbringern. Er ist leicht zu verstehen, erfüllt vom Start weg problemlos seinen Zweck und stellt eine ernst zu nehmende, zeitgemäße Trainingshilfe dar, selbst wenn man keinen Leistungssport betreibt.
[Nachtrag, Mai 2009] Knapp 1 Jahr, 509 gelaufene km und 47.658 verbrannte Kcal später bin ich noch immer dabei. Zwar habe ich als ausgemachter Schönwetter-Sportler im vergangenen Winter lange pausiert, doch inzwischen trabe ich wieder regelmäßig durch die Gegend und der Forerunner ist mein treuer und zuverlässiger Begleiter. "Nie mehr ohne!", kann ich nur sagen und wenn ich im Spätsommer endlich meinen Traum vom Gleitschirm-Fliegen angehe, wird die Garmin GPS-Uhr wohl so manche zusätzliche Route in luftiger Höhe aufzeichnen. :-)