Aus der Amazon.de Redaktion
Garden Ruin packt einen nicht sofort -- so der erste Eindruck. Aber das geht ja nun nicht, Calexico und ein schlappes Album, das passt nicht zusammen. Nicht nach
Feast Of Wire und schon gar nicht nach
Hot Rail. Also wieder und wieder reinhören, auf Detailsuche gehen, die Stimmungen aufsaugen, Texte analysieren und siehe da:
Garden Ruin ist wieder ein gutes Album von Joey Burns und John Convertino.
Die beiden Musiker aus Tucson / Arizona haben mittlerweile Giant Sand verlassen und die neuen zeitlichen Freiräume genutzt. Sie arbeiteten, spielten oder tourten mit Wilco, Iron & Wine, Nancy Sinatra, Nicolai Dunger, Neko Case oder dem Gotan Project, tauchen in Collateral, dem Film von Michael Mann, auf. Dann waren da immer wieder politische Gespräche mit Fans in Europa. So etwas hinterlässt Eindrücke wie Einflüsse. Gepaart mit der nicht neuen Erkenntnis, dass man ja älter und (hoffentlicht) erfahrener wird, dass eine Band im Stillstand bald eine tote Band ist, haben Calexico Justierungen vorgenommen.
Im welt- und genreumspannenden Klang-Cosmos mit seinen bekannten und immer wieder genannten Elementen aus Fado, Chansons, Italo-Western, Jazz, Gypsy-Musik, mexikanische Bläser, Folk oder Country war noch immer Platz für Neulinge und Erneuerungen. So gibt es jetzt mit JG Foster einen Produzenten, kein Track ist ein Instrumental, die Mariachis und Streicher mussten etwas Raum an Backing-Gesang abtreten. Durch mehr Pop-und Rock-Elemente sind viele Songs griffiger, melodiöser und flüssiger geworden. Für alle Stimmungslagen haben Calexico wieder etwas parat: Panic Open String oder Yours And Mine für die Melancholiker, Smash für die Träumer, Letter To Bowie Knife, Deep Down und das grandiose All Systems Red für die Liebhaber härterer Kost.
Parallel zur Veränderung in den Arrangements haben Calexico, die Re-Inkarnation der sensationellen Gruppe Love, auch inhaltlich zugelegt und die politischen Gedanken und Emotionen im Entstehungsprozess von Garden Ruin in die Texte einfließen lassen. So thematisiert Cruel Umweltzerstörung und in dem finalen All System Red attackieren Calexico mit so nicht gekannter Wut einen nicht gerade beliebten US-Präsidenten. Ohne ihn wäre die Welt zwar um einige Probleme ärmer, dafür ist die Pop-Kultur - welch schwacher Trost - um etliche Songs reicher geworden. Jetzt hat er schon Calexico gegen sich aufgebracht und sie zur Hochform getrieben. Der Mann versteht es, sich namhafte Feinde zu machen. --Sven Niechziol
Kurzbeschreibung
Expect the unexpected! CALEXICO haben es geschafft, den Fesseln der eigenen Erfolgsformel zu entkommen und mit GARDEN RUIN ein unglaublich facettenreiches Meisterwerk geschaffen. Die Detailverliebtheit dieser Platte ist einfach nur erstaunlich, zumal sie sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschliesst. Und ebenso imposant wie der riesige Melodienreichtum ist die Konsequenz mit der Joey Burns, John Convertino, Volker Zander, Martin Wenk, Paul Niehaus und Jacob Valenzuela ihren Weg beschreiten. Und ohne Frage ist GARDEN RUIN die bisher mutigste und aufregendste Weiterentwicklung in der langen Karriere dieser Ausnahmeband aus Arizona und es ist ein großartiges Gefühl, sie dabei begleiten zu dürfen.Die streng limitierte Digipackauflage enthält zwei Bonustracks und eine Making Of-DVD.
Natürlich stimmt es, was Dylan einst sagte: dass man die künstlerische Existenzberechtigung verliert, wenn man stehenbleibt. Doch ist es egal, wohin man geht? Calexicos Entwicklung führte zuletzt weg vom Mix der Border-Stile. Die Ex-Begleitband emanzipierte sich, doch die Insignien ihrer Einmaligkeit lieferten noch immer die Mariachitrompeten und die euphorische Melancholie des Schlurfens durch weiße Wüstenhitze. Und davon ist dank des Produzenten JD Foster nicht viel geblieben. Er glättet den Calexico-Sound, weicht ihn ein, die Akustikgitarren umschmeicheln Joey Burns Stimme. Plötzlich ist der Pop greifnah, und als wäre ihnen das ein wenig peinlich, fahren die Stromgitarren ihm manchmal entschuldigend in die Parade wie im großen Noisefinale von All Systems red". Oder bei Deep down", das immer intensiver, hymnischer wird, dessen Gitarren- und Streicherwogen immer höher schwappen - ein großer Moment auf diesem Album des Übergangs. Es wirkt manchmal wie ein Verrat an der eigenen Tradition, ohne dass der Weg zum Pop zuende gegangen wird. Doch sich zu bewegen ist gut. Ein Extrapunkt für den Mut. (mw)
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