Hans-Michael Holczer gibt in seinem Buch einen tiefen und sehr authentischen Einblick in den professionellen Radsport aus der bis dahin neuen Perspektive des Teammanagers. Sein Spagat zwischen dem Erfüllen der Ansprüche von Athleten, Sponsoren und Medien ist spitze. Dabei beschreibt er seinen eigenen Zugang und Werdegang unterhaltsam und fesselnd, doch durch die schlaglichtartigen Kurzkapitel bleiben mir immer wieder Dinge etwas zu oberflächlich. Eine Ursache dafür liegt allerdings sicherlich im juristischen Lektorat.
Holczers Einstellung und seine Denkweise sowie deren Verfechtung im Profiradsport wirken jederzeit plausibel und so zieht er konsequenterweise einen Schlussstrich unter dieses Kapitel.
Somit ergibt sich für den Radsportinteressierten wenig Neues, allerdings sind die Motive für Holczers Handeln so nachvollziehbar geworden. Dem sportlichen Laien werden sich durch die nüchterne Darstellung des Radsports und auch des professionellen Sports Abgründe auftun. Dies wird durch die Seriosität Holczers und sein geringes Interesse an Sensationsheischerei untermauert.
Insgesamt bekommen wir eine sehr menschelnde Perspektive in korrupte, verlogene und unbarmherzige Welt, vor der wir alltäglich die Augen verschließen. Dass ein Hans-Michael Holczer diesem Sport abgeschworen hat, macht die Sache nicht einfacher.
Ich durfte Herrn Holczer im Rahmen eines Anti-Doping Seminars des DOSB kurz kennenlernen. Das Buch knüpft nahtlos an sein Auftreten dort als Anti-Doping-Kämpfer an. Als Sportwissenschaftler und ehemaliger Triathlet hätte ich ihm allerdings schon 1995 sagen können, wie tief der Dopingsumpf wirklich ist.