Ein Paradebeispiel, dass man trotz zahlreicher, positiver Rezensionen doch mal einen Fehlgriff macht.
Auf den ersten Blick macht Christian Grüning hier einen sehr guten Eindruck. Er stellt innerhalb einem gut struktrierten und lesefreundlichen Buch Möglichkeiten vor, wie man in Zukunft leichter und erfolgreicher lernt, redet nicht viel drumherum, gibt gut umsetzbare Tips und motiviert durch seine Sprache. Als ich jedoch begann mich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen, machte sich der Eindruck breit, dass der hier gebotene Inhalt im Gegensatz zu dem doch sehr weitreichenden Thema der Lernpsychologie, äusserst dünn gesät ist.
Grünings Fokus liegt auf dem schnelleren Lesen, den Mindmaps und Memoriertechniken zum Abspeichern simpler Daten. Auch diese Themen werden nur oberflächlich behandelt, und gerade beim Thema Schnelllesen hat der Autor einige weitere sinnvolle Übungen, die ihn lediglich einige Seiten mehr gekosteten hätten, ausgelassen - welche er jedoch in seinem anderen Werk "Visual Reading" aufgreift und als die "wichtigsten Übungen" bezeichnet. Ich kann mir diesen Zustand nicht anders erklären, als dass hier jemand um die Verkaufszahlen des 2ten Buches gebangt hat, und etwas "Inhalt" dafür aufsparen wollte. Auch beim "Abspeichern" konzentriert sich der Autor lediglich auf simple Memoriertechniken, die das effiziente Einprägen von Daten ermöglichen. Funktioniert auch - gezielte Strategien bei komplexeren Themen fehlen hingegen völlig.
Statt dessen wird ein viertes Kapitel, dessen Inhalt das " gezielte Abrufen" sein soll, aufgenommen und mit lediglich einer Seite lapidar abgefrühstückt, wogegen andere Autoren sich sehr eindringlich mit dem Thema "Prüfungssituation" auseinander zu setzen wissen.
Letzlich bin zwar ich der Meinung, dass man mit diesem Buch durchaus seine Lese- und Lernfähigkeit steigern kann und mir ist auch positiv aufgefallen, dass der Leser mit klaren Trainingsanweisungen dazu bewegt wird das Wissen auch praktisch umzusetzen. Wer sich aber in ausreichendem Maße mit den Themen auseinander setzen möchte, kommt um weitere Literatur nicht herum.