"Garage Inc." ist anders. Metallica covern ihre Lieblingssongs. Und das auf 2 CD's. Komischerweise ist sie doch akzeptiert bei den engstirnigen "alten" Fans, obwohl sie eine Metal Todsünde begehen und Lieder nachspielen. Wie sie es jedoch tun, ist grandios.
Die erste CD besteht aus 11 brandneuen Covers, die die 4 aus San Francisco innerhalb von nur 3 Wochen im Jahre 1997 eingespielt haben. Auf der Zweiten CD finden sich ältere Covers, die zuvor bereits als B-Seiten, EP's oder Bonustracks veröffentlicht wurden.
Aber der Reihe nach. CD 1 beginnt mit dem Punk-Klassiker "Free speech for the dumb", dessen Text nur aus 4 Zeilen besteht, die James Hetfield wütend in die Welt hinaus brüllt. Nach diesem 2.35 Min. kurzen Opener fliegen auch weiter die Fetzen. Metallica entdecken den Rock'n'Roll mit dem filigranen und geschmeidigen "It's electric" und mit der alten Black Sabbath-Hymne "Sabbra Cadabra", die gewaltig daherkommt. Vielleicht nicht allzu hart, aber die 4 Horsemen führen ihre Rock'n'Roll angehauchte und miut "Load" und "ReLoad" begonnene Ära weiter. Diese Versionen kommen an die Originale heran, übertreffen sie aber nicht. Bis "Turn the Page" kommt. Die erste Single des Albums ist eine Bob Seger Coverversion und die erste Ballade. Ein herzerreissender Song', der von James Hetfield derart überzeugend dargeboten wird, dass man sich fragt, ob nicht er der heimliche Komponist dieses Titels gewesen ist. Ein absoluter Volltreffer!
Mit dem Misfits Track "Die, die my darling", gleichzeitig die 3. Single, gibt's dann wieder mächtig auf die Ohren. 2.29 Min. voller Energie. Der härteste Track auf CD 1.
Dann "Loverman".
Ein Musikjournalist bezeichnete die Nik Cave Coverversion als die vielleicht beste Gesangsleistung von Hetfield überhaupt. Und dem kann man nur zustimmen. Er erzeugt während der Strophen Gänsehautatmopsphäre, da er relativ tief singt. Und dann der Vulkanartige Ausbruch im Refrain, der einem den Teufel persönlich vor Augen erscheinen lässt. Intensiv und böse. Absolut Weltklasse!
Der "Mercyful fate" Medley ist zwar mit über 11 Min. der längste je veröffentlichte und von Metallica gespielte Song, aber mich kann er nicht überzeugen. DIe Lyrics sind Satanistisch blutrünstig, auf dieses Niveau hätte sich die größte Heavy Band aller Zeiten nicht herabbegeben müssen. Auch wenn Mercyful fate ihre alten Heroes sind.
"Astronomy" wird von vielen unterschätzt und geht in der Masse der vielen guten Tracks unter. Tatsächlich ist jedoch der Refrain ein sehr intensives Stück Musik, das gesanglich voll überzeugt.
"Whiskey in the Jar" ist das wahrscheinlich bekannteste Lied der Platte. Das Irische Traditional darf auf keinem Grillfest fehlen und erzeugt immer wieder Partystimmung. Ungewöhnlich für eine Heavy Metal Band, aber trotzdem ein lohnenswertes Experiment. Lustig auch das Video, in dem die Band ein gesamtes Haus zerlegt.
"Tuesday's gone", ursprünglich von Lynyrd Skynyrd, ist eine weitere Humoreske Großtat. In den 9 Minuten geben sich James Hetfield (Vocals, Rhythmus Gitarre), Kirk Hammett (Lead Gitarre), Lars Ulrich (Drums) und Jason Newsted (Bass) einer gigantischen Southern-Rock Orgie hin, die nur mit Akustischen Gitarren begleitet wird und schon fast einem Sauflied gleicht. Der Refrain jedoch verleitet spätestens beim zweiten mal zum lauten Mitgröhlen.
"The more I see" bietet der insgesamt 65 Minütigen Hommage an alte Rock Veteranen einen guten Abschluss. Das Riff knallt richtig rein, die kompakte Spielzeit verstärlt den sehr druckvollen Eindruck, den dieser Abschlusstrack vermittelt.
CD 1 ist wieder ein Meisterwerk der 4 Amerikaner, von denen einer eigentlich keiner ist, und die Songs wirken fast, als hätten sie Metallica selbst geschrieben. Auf jeden Fall wurden sie würdig gecovert.
CD 2 beginnt mit der "Garage Days Re-Revisited" Ep aus dem Jahre 1987, die u.a. tolle Speed Granaten wie "Hepless" oder "Last Caress/Green Hell" enthält. Mein Highlight ist jedoch "The Wait" mit einem sehr geilen Riff. Es folgen Kracher wie "Am I evil?", einer DER Liveklassiker, "Blitzkrieg" oder das Queen - Cover "Stone cold crazy". Weitere Highlights sind das flotte "Killing time" und das obszön-dreckige "So what".
CD 2 wird durch die "Motörheadache-EP" abgeschlossen, auf der Metallica 4 Motörhead Klassiker covern.
Insgesamt lässt die Doppel-CD keine Wünsche offen: CD 1 bietet teilweise sehr melodiösen, gut gemachten Metal, CD 2 die eher brachialen Speed Metal-Granaten von 1984-1995. Rundum wieder ein gelungenes Album, das erneut die Vielseitiges des Quartettes beweist, das auch dem Covern exzellent gewachsen ist und wieder seinen absoluten Ausnahmestatus in der Metal-Szene unterstreicht!