Überall dort, wo der Mensch zum ersten Mal auf unberührte Natur traf, hinterließ er seine Spuren - allzu oft in Form einer "Gap in Nature", also einer Lücke in der einstigen Vielfalt der Natur.
Dieses wunderschöne und zugleich traurige Buch zeigt am Beispiel von 103 ausgestorbenen Arten, welch verheerenden Einfluss der Mensch direkt oder indirekt auf die Artenvielfalt, besonders auf die der Inseln, hatte und wohl weiterhin haben wird.
Zu Beginn gibt Tim Flannery eine Einführung in der er auch erklärt, dass die genauen Umstände des Aussterbens sich oft nicht mehr rekonstruieren lassen.
Im Hauptteil werden dann die 103 "extinct animals" portraitiert. Flannery versucht, sämtliche Informationen zur Lebensweise der Tiere zusammenzutragen und ihren Niedergang nachzuzeichnen. Wirklich beeindruckend sind die hervorragenden Illustrationen von Peter Schouten, die so naturgetreu wie möglich nach ausgestopften Museumsexemplaren, Beschreibungen und anderen Abbildungen angefertigt wurden.
Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, der sich für das Schicksal der Tierwelt interessiert und auch vor englischer Literatur nicht zurückschreckt (leider ist das Buch nicht auf Deutsch erschienen).
Wer zusätzlich tiefer in die Materie einsteigen und erfahren möchte, warum ausgerechnet Inselarten stark vom Aussterben bedroht sind, sollte David Quammens "Der Gesang des Dodo" ("Song of the Dodo") lesen.
Darin bedauert Quammen einmal, es gebe vom Dodo nur Darstellungen, die ihn als hässlich, plump und unwirklich erscheinen ließen und nicht viel mehr als Karikaturen seien.
Auch der Dodo auf dem Titel von "A Gap in Nature" ist nur rekonstruiert, doch er wirkt nicht wie ein Tier, das plump und hässlich war. Es war einzigartig.