Der Autor eröffnet mit diesem Band 1 eine Reihe "Theistische Mysterienschule". Armin Risi erweist sich in diesen Büchern immer mehr als der derzeit wichtigste zeitgenössische "Importeur" des uralten vedischen Gedankengutes in den deutschen Sprachraum, als der ebenso existentielle wie aktuelle Deuter der Gegenwart, von soliden Kenntnissen des vedischen Denkens und der Sanskrit-Sprache her. Er hat sie in langen Jahren des Studiums sowie der meditierenden Auseinandersetzung mit den Originaltexten gewonnen, im Kloster, nicht als eines der "Fächer" an Universitäten. Kein akademischer Indologe leistet m. W. heute solche Aktualisierung des vedischen Denkens für unsere Zeit. Man spürt, dass Risis Aussagen - bei allen Kenntnissen - überall zugleich durchmeditiert und durchbetet sind.
Als Philosoph kann man sich an Schopenhauers enthusiastische und mit Blut geschriebene Rezeption der Bagavadgita erinnert fühlen, auch wenn Schopenhauer einseitiger engagierter Denker, weniger zugleich ganzheitlich Meditierender blieb. Ich wundere mich übrigens, dass diese Sammlung von 15 Vorträgen und Interviews einen sehr mutigen, wohlwollenden Aufsatz "Nietzsche: Atheist, Antichrist oder Gottsucher?" enthält, jedoch noch keinen Schopenhauer-Artikel. Ein solcher wäre zugleich eine Gelegenheit, das vedische vom buddhistischen Gedankengut abzugrenzen.
Andere überraschend aktuelle Themen, nach acht grundlegenden Anfangskapiteln, kann ich nur gerade nennen: Unsichtbare Einflüsse auf das Weltgeschehen aus der geistigen Welt; Kornkreise als Zeichen des anstehenden Wandels; eine Erklärung der Entstehung des Menschen jenseits von Darwinismus und Kreationismus; ein Plädoyer für den Vegetarismus; der gefährliche wissenschaftliche Bluff von synthetischem Leben; die Ideologie der neuen Weltordnung durch "Moneypulation". All diese Themen mögen manche Risi-Leser schon aus seinen früheren Werken kennen, doch noch nicht so griffig und kurz, wie es diese Sammlung von Einzelthemen erlaubt und fordert.
Meine Vorbehalte von Seiten eines professionellen abendländischen Philosophen und Theologen habe ich in der Besprechung des Buches "Der radikale Mittelweg" (auch bei Amazon) schon angedeutet. Risi kennt die abendländische Philosophie nicht ebenso gut wie die vedische. Wenn er etwa von Gott als "Individualität" oder "absolutes Sein und Bewusst-Sein mit Willen und Liebe" spricht (24), wünscht man sich als Abendländer eine Herleitung aus dem Vermögen des Menschen (jener endlichen Form von Individualität) zur Selbstreflexion und zugleich mehr erkenntnistheoretische Reflexion. Die seherisch geschaute vedische Seinsmetaphysik befriedigt die neuzeitlichen Ansprüche an ein begründendes Philosophieren nicht.Risi berücksichtigt eher die Naturwissenschaften als die Philosophie, die bei Platon, mehr als in der aristotelisch-mittelalterlichen Tradition, besonders aber als "deutscher Idealismus" sehr vieles mit der vedischen Sicht gemeinsam hat, vor allem den Abweis des heute allein als "wissenschaftlich" geltenden, im Grund pseudowissenschaftlichen Materialismus. Doch solch ein Hinweis auf einseitige Orientierung am vedischen Denken kommt von jemand, der abendländisch geschult ist. Die vollendete denkerische Begegnung zwischen Indien und Mitteleuropa steht noch aus. Armin Risi könnte einen Riesenbeitrag dazu leisten, wenn er sich ebenso ernsthaft auf abendländisches Denken einließe. Nicht allein für Fachleute, sondern für jedermann, besonders für den existentiell nach "ganzheitlicher Spiritualität" Suchenden.