Als Rucksacktourist gilt Australien mittlerweile als "Place to be", in Italien war schon nahezu jeder Deutsche und Mallorca wird im Volksmund sogar schon als 17. Bundesland betitelt. Was aber ist mit China? Ein Land, das ein wenig einem Mythos gleichkommt. Jeder kennt aufregende Geschichten darüber, aber kaum einer hat es je gesehen.
Es sollen wohl viele Menschen dort wohnen. Kleine Menschen mit schwarzen Haaren und schmalen Augen. Und sie lachen und fotografieren immer. Außerdem essen die dort nichts außer Reis. Und Hund. Achja und die Olympischen Spiele waren da noch. Diese wurden allerdings überschattet von weltweiten Protesten gegen die chinesische Regierung, die eigentlich ein weltoffenes Bild einer gastfreundlichen Bevölkerung mit "Wir schaffen alles" - Mentalität bieten wollte. Der Schuss ging allerdings in die andere Richtung und so bleibt trotz allem immer noch ein fader Beigeschmack von missachteten Menschenrechten, Medienzensur und eben Reis mit Hund.
Matthias Kluckert, der 4 Jahre lang in der Hauptstadt Peking studierte und das Land bereiste, lernte eine völlig neue Kultur und Mentalität kennen. Zusammen mit seinem chinesischen Freund Thomas Tang, der ebenfalls studienbedingt aus der chinesischen Provinz in eine völlig fremde Metropole zog, veröffentlichte er ein Buch mit den kuriosesten Begegnungen und irrwitzigsten Erlebnissen.
Die beiden führen den Leser an der Hand durch ihr Studentenleben, durch nervenraubende Behördengänge, vorbei an absurden Verordnungen und Regeln. Sie ziehen ihn durch TV-Castings, Vorlesungen an der Universität und durch Karaoke-Bars hindurch bis auf die Toilette. Dort nämlich gibt es kein Toilettenpapier und die Tür lässt sich nur in eine Richtung öffnen. Einmal eingeschlossen kommt man dann nur noch durch fremde Hilfe ins Freie.
Eine meiner Lieblingsgeschichte ist die des Kaffeeautomaten an der Uni. Dieser ist ein koreanisches Fabrikat und funktioniert daher nicht mit chinesischen Münzen, sondern eben nur mit koreanischen. Verspürt man also die Lust auf einem Kaffee, stellt man sich in die Schlange vor den Automaten und händigt den passenden Geldbetrag einer eigens angestellten Dame aus, die genau eine koreanische Münze zum Bedienen des Automaten besitzt. Sie wirft diese ein, der Automat brüht den Kaffee. Danach schließt sie den Automaten wieder auf, holt die Münze heraus, schließt wieder ab und bedient den nächsten Wartenden. Wie deutlich effektiver sie arbeiten könnte, wenn sie statt einer Münze gar zwei hätte?
Was für Matthias Kluckert für eine begrenzte Zeit zu einem Abenteuer wurde, ist für Thomas Tang allgegenwärtig und schlicht Normalität. Und so ist es umso erstaunlicher, mit wie viel Humor und Gelassenheit sie die Situationen beschreiben, die es in einer westlichen Kultur so nie geben würde. Ich kann mich am Ende des Buches nicht entscheiden, ob mich dieses Land und die Menschen nun abschrecken oder glühend neugierig machen. Ich denke aber, es ist die Neugier, gepaart mit etwas gesellschaftlich anerzogenem Ordnungsdenken. Und dieses versuche ich gerade noch abzulegen.