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Günter Wallraff
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (27 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1. Januar 1985
Günter Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wurde mit einer deutschsprachigen Auflage von über 4 Millionen und Übersetzungen in mehr als 30 Ländern nicht nur weltweit einer der sensationellsten Bucherfolge, sondern entwickelte auch eine »durchschlagende politische Wirkung« (Süddeutsche Zeitung). Elf Jahre nach seinem ersten Anlauf in der Ausländerrolle erlebte Günter Wallraff 1984 bundesdeutsche Wirklichkeit aus einer Perspektive, die Deutschen sonst nicht zugänglich ist, und machte Erfahrungen, die eher an das südafrikanische Apartheitsregime erinnern als an den vielgerühmten demokratischen Rechtsstaat.In seiner Rolle als Türke Ali Levent war er unter anderem Hilfskraft in einer Filiale von McDonald’s, Leiharbeiter auf einer Großbaustelle sowie bei einem Arbeiterverleiher bei Thyssen/Duisburg und Versuchskaninchen bei einem Medikamentenversuch. Er erlebte, wie Türken buchstäblich als »der letzte Dreck« angesehen und behandelt werden, gebraucht nicht nur als »Lückenbüßer« der wirtschaftlichen Konjunktur, sondern vor allem als Billigarbeitskräfte für jeden Zweck, für dreckigste und gefährlichste Arbeiten.Trotz gesundheitlicher Schädigungen, trotz aller Menschenverachtung und Demütigungen, die er zu spüren bekam, erfuhr Günter Wallraff in seiner Ali Levent-Rolle auch Positives, ihn Aufbauendes: die Solidarität und Freundschaft seiner Kollegen. Anders als während seiner Arbeit in er BILD-Redaktion (Der Aumacher), wo er sich vollständig verleugnen mußte, war er immer auch ein Stück er selbst, auch wenn er seine Identität nicht preisgeben durfte.Das Echo auf die Veröffentlichung seiner Erfahrungen in dem Buch Ganz unten (Oktober 1985) war unvergleichlich groß. Fernsehen und Presse nahmen sich des Themas Leiharbeit engagiert an und übten dadurch Druck auf Politiker und Unternehmer aus. In Nordrhein-Westfalen haben zahlreiche illegale Leiharbeitsfirmen Besuch vom Staatsanwalt bekommen, entsprechend sind auch gerichtliche Verfahren eingeleitet worden.Um Ausländern wirksam helfen zu können, richtete Günter Wallraff den Hilfsfonds »Ausländersolidarität« ein. Für ein in Duisburg geplantes Wohnmodell, in dem Ausländer und Deutsche zusammen leben werden, stiftete er den Großteil seiner Honorare.

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Dunkle Kontaktlinsen, ein schwarzes Haarteil und gebrochenes Deutsch reichen aus, um das Ausmaß der beruflichen und gesellschaftlichen Diskriminierung zu erfahren, die Millionen sogenannter Ausländer täglich widerfährt. Zwei Jahre lang (von 1983 bis 1985) war Günter Wallraff Ali Levent, ein Türke, der kein Türkisch spricht. In seiner Odyssee durch die Arbeitswelt fängt er zu sieben Mark die Stunde in einem Reitstall bei Köln als "Drecksarbeiter" an, wird bald des Diebstahls bezichtigt und kündigt wegen der andauernden Repressalien. Auf einem Bauernhof wird er wie ein Nutztier gehalten, darf nicht in die Stadt, um den Hof nicht in Verruf zu bringen. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, nimmt er jede Arbeit an. Er besucht Kneipen -- wo ihm Haß und Ablehnung entgegenschlagen -- und den politischen Aschermittwoch der CSU: Als Türke Ali Levent wird er von den "gemütlichen" Bayern zwar nicht zum Bier eingeladen ("Geh, schleich dich, aber hurtig!" -- "Wißt ihr net, wo ihr hiegehört?"), als angeblicher Vertreter des türkischen Faschisten-Chefs Türkes ("Tod allen dreckigen Juden, kommunistischen Hurensöhnen und griechischen Hunden!") bekommt er jedoch von Franz-Josef Strauß persönlich einen unterschriebenen Bildband ("Für Ali mit herzlichem Gruß"). Man muß eben unterscheiden zwischen erwünschten und unerwünschten Ausländern, wie es ein CSU-Politiker kürzlich formulierte.

Bei einem Fußball-Länderspiel verleugnet Wallraff alias Levent seine Scheinexistenz, da er sonst um sein Leben fürchten muß -- Neonazis grölen "Sieg heil", "Deutschland den Deutschen", "Türken raus" und werfen "Ali" Zigaretten ins Haar und gießen ihm Bier über den Kopf, obwohl der plötzlich Hochdeutsch spricht und nur noch die deutsche Mannschaft anfeuert. Als Bulettenbrater bei McDonald's sieht er zu, wie mit Toilettenputzlappen die Tische gewischt werden bzw. mit dem Grillschaber ein Klo gereinigt wird. Als Illegaler auf der Baustelle arbeitet er zehn Stunden am Tag unter ständigen Diskriminierungen und Ausgrenzungen und miserablen Arbeitsbedingungen. Er bemüht sich als bekehrungswilliger Moslem um die katholische Taufe, doch nur ein Priester in einer abschüssig gelegenen armseligen Dorfkirche gibt ihm den Segen -- unter Scheinargumenten versuchen die übrigen Pfarrer, ihn desto heftiger abzuwimmeln, je höher sie in der kirchlichen Hierarchie stehen. Beim Arzneimittelversuch stellt "Ali" am eigenen Leib fest, daß Marktzwänge auch Menschenversuche möglich machen.

Und seine schlimmsten und ausführlichsten Erfahrungen sammelt Wallraff als Lohnsklave, als Leiharbeiter bei Thyssen, vermittelt durch eine dubiose Vermieterfirma, die den Großteil seines Lohns einsackt und ihn unter erbärmlichen Bedingungen tage- und nächtelang schuften läßt. Die Schichten seiner Kollegen dauern bis zu 72 Stunden lang -- ohne Schlaf. Seine Gesundheit leidet aufgrund des ständig eingeatmeten Drecks, und er sieht sich gezwungen, mit einer List zum Chauffeur des Chefs der Leiharbeiterfirma aufzusteigen, wo er den Alltag eines modernen Sklaventreibers aus erster Hand beobachten kann.

Ganz unten ist erschütternd, es ist bewegend und sehr aufschlußreich. Spannend und provokant schildert Wallraff Praktiken, die normal und gängig waren und es teilweise heute noch sind, beschreibt eine Gesellschaft, in der die Diskriminierung in Wirtschaft, Medien und Politik fast schon institutionalisiert ist. Wer sich abseits einer Medienberichterstattung, die zumindest teilweise mit Fug und Recht als tendenziös bezeichnet werden kann, über die tatsächliche Arbeits- und Lebenswelt "ganz unten" informieren will, der muß dieses Buch gelesen haben. --Erik Möller

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Ganz unten
OA 1985 Form Reportage Epoche Gegenwart
In Ganz unten berichtet Günter Wallraff von seinen Erfahrungen als angeblicher türkischer Arbeiter, als der er sich in Betriebe einschlich, um die Arbeitswelt von innen zeigen zu können. Wallraff verdeutlicht, wie mit türkischen Arbeitern umgegangen wird, die sich gegen Ausbeutung oft nicht wehren können.
Inhalt: 1983 verkleidet sich Wallraff als türkischer Arbeiter Ali Levent Sigirlioglu und hält diese Rolle zwei Jahre lang durch. Er arbeitet als ungelernte Hilfskraft bei McDonald’s, auf einer Großbaustelle und in einer Leiharbeiter-Kolonne. Bei verschiedensten Gelegenheiten – etwa auf einer CDU-Feier, auf der er sich als türkischer Abgeordneter ausgibt, oder bei dem Versuch, sich katholisch taufen zu lassen – erlebt er hautnah, dass Türken beschimpft, bedroht und nicht akzeptiert werden.
Seine erste längere Anstellung hat Wallraff bei McDonald’s. Er bekommt einen sehr geringen Stundenlohn und muss unter Zeitdruck sowie ohne Sicherheitsvorkehrungen zwischen siedendem Frittierfett und Heizplatten arbeiten. Auf dem Bau verrichtet er Schwerstarbeit, wird ausgelacht und von den »Kollegen« schikaniert. Schlimmer noch ist die Situation bei einem Subunternehmen, das für Thyssen und das Atomkraftwerk Würgassen Arbeiter zur Verfügung stellt. Keiner der Arbeiter hat Papiere oder ist sozial- und krankenversichert, der Lohn ist gering. Im Atomkraftwerk werden die Arbeiter gefährlich hohen Strahlendosen ausgesetzt; bei Thyssen muss Wallraff bei Minusgraden, ohne Schutzkleidung und ausreichendes Gerät festgefrorene Schlacke entfernen. Viele Arbeiter werden gezwungen, Doppel- oder Mehrfachschichten zu fahren; Unfälle wegen Übermüdung werden von den Vorarbeitern in Kauf genommen. Wehren können sich die Arbeiter nicht – einige sind illegal in Deutschland, andere von der Ausweisung bedroht.
Struktur: In 13 Kapiteln erzählt Wallraff von seinen Erlebnissen als Arbeiter, der sich »ganz unten« in der Hierarchie befindet, und bezieht auch Berichte anderer Arbeiter ein. Hinter all diesen Geschichten steht die moralische Autorität des Autors, der sich den oft unmenschlichen Bedingungen selbst unterworfen und unter ihnen gelitten hat. Überdeutlich ist aber auch der moralische Zeigefinger; aus jeder Zeile spricht die Entrüstung, mit der Wallraff Mitgefühl beim Leser zu wecken versucht.
Wirkung: Das Buch verkaufte sich in nur sechs Wochen 1,6 Millionen Mal. Von seinen Gegnern wurde Wallraff als »sozialistischer Hetzer« beschimpft, bespitzelt und mehrfach verklagt. Wallraffs Buch hatte jedoch auch positive Folgen: Thyssen stellte die meisten Leiharbeiter fest ein, in der Öffentlichkeit wurden die Praktiken der Subunternehmer bekannt, gesetzliche Bestimmungen und Sicherheitsvorschriften wurden verschärft. Auch im Ausland wurde Ganz unten zu einem großen Erfolg. Der Verlag publizierte in Deutschland zusätzlich eine türkische Ausgabe. G. Pa.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Man kann sich oft nicht vorstellen, wie so etwas in heutiger Zeit noch möglich ist. Günter Wallraff hat eine düstere Dokumentation über das Leben als Ausländer in Deutschland zum Besten gebracht, unter Risiko seiner Gesundheit. Auch wenn das Buch schon in den 80er Jahren erschienen ist, behandelt es eine Problematik, die bis heute brand(!)aktuell geblieben ist. Interessant auch die Dokumentation der kläglichen Versuche diverser Großunternehmen (u.a. auch McDonalds), die Veröffentlichung dieses Buches zu verhindern.
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22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das wahre Gesicht der Gesellschaft 30. August 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wer mit der die Behandlung ausländischer Arbeitskräfte betreffenden Verfahrensweise der Industriekonzerne nie so ganz einverstanden war, wird in diesem Buch viel Bestätigung finden. Die in diesem Buch angeprangerte Schikanierung ausländischer Mitarbeiter ist oft an der Tagesordnung, das gilt für MC Donalds, die vielen Baustellen oder große Stahlproduzenten wie Thyssen, die alle in diesem Buch nur Stellvertreter ihrer Branchen sind. Die Doppelmoral in unserem Land zum Thema Ausländer ist Grund genug für aufkommende Übelkeit. Diese verstärkt sich nach der Lektüre des Buches von Wallraff noch. Auch wenn in letzter Zeit immer mehr Gerüchte aufkamen, daß der Autor angeblich selbst erlebte Geschichten von anderen erleiden ließ, ändert das nichts an der Tatsache, daß eine tiefe Unmenschlichkeit auch in hochentwickelten Industrienationen wie bei uns in Deutschland auf der Tagesordnung steht. Das sollte den Leser sensibilisieren, jeden Funken dieser schrecklichen Krankheit zu löschen. Denn schließlich besteht jedes für Verbrechen verantwortlich gemachte System nur aus Menschen, die diese mit mehr oder weniger Verantwortungsbewußtsein ausüben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen GENIAL! 21. Juli 2006
Von E. Nguyen
Format:Taschenbuch
Auch wenn dieses Buch von Günter Wallraff heute nicht mehr ganz zeitgemäß ist (viele Themen sind überholt), so ist es doch ein Meisterwerk! Ohne die eigene Würde, die eigene Gesundheit oder sonst irgendein eigennütziges Motiv zu berücksichtigen, hat sich Günter Wallraff in dieses düstere Abenteuer gestürzt um aufzuzeigen wie es wirklich ist (war)! Dies nenne ich Zivilcourage PUR und Günter Wallraff hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich in Deutschland für ausländische Mitbürger einiges geändert hat (wenn auch beiweitem nicht alles und niemals genug)!

Man muss Wallraffs politische Meinung nicht teilen um seinen Mut und sein fast heldenhaftes Engagment zu bewundern. Ich habe das Buch das erste Mal 1985 noch zu Schulzeiten gelesen und in den seitdem vergangengen 20 Jahren möchte ich GANZ UNTEN in meinem Bücherregal nicht missen, wenn auch nur, um es immerwieder mal rauszuholen und und sich selbst wieder etwas mehr auf den Boden zurück zu holen. Um über Missstände zu lesen, die man zu Glück niemals selbst miterleben musste, um sich selbst gegen auftauchende Vorurteile zu ermahnen und nicht zuletzt um den Idealismus der 70er und 80er Jahre zu missen, den diese Gesellschaft heute so gut wie verloren hat.
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Die neuesten Kundenrezensionen
4.0 von 5 Sternen So aktuell wie eh und je, allerdings hatte ich mehr erwartet.
Das Buch ist ein fantastischer Beitrag zur Integrationsdebatte und sollte Pflichtlektüre für jeden Deutschen sein. Lesen Sie weiter...
Vor 10 Monaten von Peter Panski veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert
Wer etwas über die Behandlung von Ausländern in deutschen Großfirmen erfahren möchte, ist auf genau das richtige Buch gestoßen. Lesen Sie weiter...
Vor 12 Monaten von Mog veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Immer etwas fehlte mir
Ich hatte viel über das Buch gehört und wollte es nun auch selbst lesen. Wallraff schafft es das Thema wirklich GUT umzusetzen. Lesen Sie weiter...
Vor 19 Monaten von Milchbubi veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Aufklärungsunterricht über das Leben als ausländischer...
Das buch war wohl zurecht einer der größten Erfolge der deutschen Verlagsgeschichte. Die Leute wollten wissen, was der verkleidete Wallraff in den Niederungen der... Lesen Sie weiter...
Vor 20 Monaten von Ingmar veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Stoff zum Nachdenken
Ich glaube kaum, dass sich viel in der Zwischenzeit geändert hat und gerade deshalb ist das Buch noch sehr aktuell.
Veröffentlicht am 10. März 2011 von Nikko
5.0 von 5 Sternen damals wie heute aktuell
sehr selbstlose und aufopfernde arbeit mit erschreckenden enthüllungen der systematik im kapitalismus der 80er jahre. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 26. Februar 2011 von theo
4.0 von 5 Sternen gut geschrieben
Sollte jeder mal gelesen haben. Sehr interessantes Buch, teilweise etwas spröde, was jedoch eher am Thema, als am Autor liegt. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Januar 2011 von stevie-o
2.0 von 5 Sternen Vorhersehbarer Text
Günter Wallraff hat in diesem Buch Mut bewiesen, weil er sich mit Größen wie Thyssen direkt angelegt hat. Allerdings ist "Ganz unten" nicht gut geschrieben. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. November 2010 von Frank Hertel
4.0 von 5 Sternen Sehr informativ
Mein Mann war von dem Buch begeistert. Aber danach mochte er nicht mehr bei McD essen. Da das Buch vor einigen Jahren geschrieben wurde, haben sich hoffentlich viele Zustände... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 28. Oktober 2010 von Jessy
5.0 von 5 Sternen Integration?
Thilo Sarrazin muß dieses Buch lesen. Er wird dann es verstehen, warum viele nicht integriert werden.
Seit 1985 hat sich in diesem Land immer noch nichts geändert. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 24. Oktober 2010 von Bürger
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