Erschreckend ist bei diesem Buch insbesondere, wofür sich der zweifelsohne große - und von mir sehr geschätzte - Radrennfahrer Jan Ullrich hier hergegeben hat. Das Buch grenzt vom Erzählstil her an eine Zumutung; ein Umstand, der wohl Hagen Boßdorf wie auch dem teils fragwürdigem Lektorat gleichermaßen zuzuschreiben ist. Der ARD-Sportchef Boßdorf hatte bereits bei der letzten Tour de France gezeigt, daß ihm die Balance zwischen Geschäftssinn und journalistischer Distance völlig abging (nämlich als er Jens Voigt vom CSC-Team ob seiner Verfolgungsarbeit zu Ullrich brandmarkte; damals war die ARD noch T-mobile Co-Sponsor). Dieses Buch hier ist unerträgliches Gewäsch aus Kindheitskitsch in der DDR - ideologische Kontexte werden völlig ausgeblendet - und ständigen Wiederauferstehungsmythen, die ebenfalls platt überzeichnet sind. Schließlich weiß man von Boßdorf, daß dieser im Stasi-Wachregiment gedient hat - da haben sich zwei Typen gefunden: Der Eine als herausragender Sportkader, der Andere als herausragender Parteikader.
Als großer Radsport-Freund kann ich nur raten: Bloß nicht kaufen! (Dann eher die home-story in der der "Bunten" lesen - viel schlechter ist die nämlich auch nicht.)
Ich jedenfalls kann allen Interessierten nur "Wieder im Rennen" von Andreas Burkert empfehlen.