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Kundenrezensionen

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am 6. April 2005
Auf den ersten Blick ein unspektakuläres Buch, das trotz der Brisanz des gewählten Themas erstaunlich sachlich und emotionslos geschrieben ist. Dennoch lässt es den Leser nicht los, zu erfahren, wie völlig „normale" Männer, die weder sadistisch veranlagt noch als fanatische Nazis anzusehen oder besonders gravierenden psychosozialen Umständen ausgesetzt waren, zu Mördern wurden. Es macht Angst, dass es keinen rationalen Grund für die Hoffnung gibt, dass sich so etwas nie wiederholen kann. Die Geschichte hat dafür leider auch Beispiele geliefert. Eine ganz besondere Würdigung verdient in diesem Buch unbedingt auch die Auseinandersetzung mit Goldhagen („Hitlers willige Vollstrecker"). Der Autor beweist auf eindrucksvolle Weise, dass es unabdingbar ist, die Täter zu verstehen und ihre Motivation im Kontext mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der damaligen Zeit nachzuvollziehen, um sich diesem gespenstischen Phänomen, dass aus Durchschnittsmenschen Massenmörder werden können, nähern zu können. Dieses „Verstehen" hat nichts mit „Entschuldigen" oder „Relativieren" zu tun. Dem Autor diesen Vorwurf machen zu wollen, wäre absurd und ungerecht.
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am 5. Dezember 2006
Die erste und längste Phase des Umgangs mit brutaler Gewaltausübung war Leugnung ( die Unfähigkeit zu Trauern). Dann kamen immer mehr unwiderlegbare Darstellungen, dass viele dabei waren, mitgemacht haben und mindestens davon wussten. In diese Phase fällt auch die Doktorarbeit von Browning, die dann als Buch erschien und, in Anlehnung an die Auffassung von Hannah Arendt, den bezeichnenden Titel trägt: Ganz normale Männer. Gerade die Entdämonisierung ist das Bedrohliche. Schon Hannah Arendt wurde dafür gescholten, dass sie das Böse durch Entdämonisierung näher an jeden einzelnen heranrückte. Eichmann war eben kein Monster, sondern potentiell der nette Nachbar von nebenan. Inzwischen hat es weitere Studien gegeben,insbesondere vom Erinnerungsforscher Harald Welzer zur Frage, wie aus normalen Männnern Massenmörder werden konnten. Je sozialpsychologischer der Ansatz, desto mehr wird man den Strukturen eine wichtige Steuerungsfunktion zuweisen. Browning mühte sich in seiner Studie, Differenzierungen vorzunehmen, nicht alle zu willigen Vollstreckern ( Goldhagen) zu erklären,sondern auch die zu beschreiben, die sich widersetzten. Nach den neueren Studien, die die umfassende Bereitschaft zur Anpassung zu belegen scheinen, ist man neugierig, mehr zu erfahren, aufgrund welcher " Ausstattung" Menschen sich denn weigerten, diese Greueltaten mitzumachen. Religiöse Bindungen ? Andersgeartete Wertmaßstäbe des Nicht-Handelns oder schlicht mangelnde Entschlossenheit ? Inzwischen gibt es fast eine Beweislastumkehr: der Mitmacher ist die Normal-Rolle, was macht den Verweigerer aus ? Das war nicht die Aufgabe von Brown vor fast zwanzig Jahren, aber diese Frage wäre heute zu stellen, denn Anpassungsbereitschaft und Folgewille ist ja nicht erloschen, sondern wird auch heute praktiziert. Deswegen gibt es ein besonderes Erkenntnisinteresse daran, unter welchen Bedingungen Menschen gegenüber Zumutungen immun bleiben ? Das Buch von Browning trägt nach wie vor dazu bei, über die Frage des Mitmachens nachhaltig zu reflektieren. Gerade erschien der Film von Vilsmaier, der letzte Zug,Abtransport der letzten Juden von Berlin nach Auschwitz. Jede Menge Menschen haben das mitbekommen und daran mitgewirkt.Auch Vilsmaier zeigt uns beide Seiten-Grausamkeit und Mitgefühl-. Darüber lohnt intensives Nachdenken !
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am 11. April 2002
Christopher R. Brownings Buch ist alles andere als ein leicht erträglicher, schwungvoller Lesestoff, den man sich "zwischendurch" reinzieht. Brownings Buch ist eine genau ausgearbeitete, wissenschaftliche Studie, die sich mit den Vorgängen und Vorfällen in den Jahren 1942 bis 1944 in Polen befaßt, die nahezu unbeachtet blieben, bis sie für ihn und für Goldhagen interessant wurden. Browning geht strikt nach tatsächlichen Angaben vor, schildert eindrucksvoll, genau und erschreckend detailliert, aber ohne je ins Kitschige, Wertende oder Belehrende zu rutschen, die Bedingungen, Begebenheiten und Situationen rund um das Polizeibataillon 101, das mehr als wütend und zerstörend durch die Judenverfolgung und -vernichtung Polens raste. Allein, daß Browning auf die Aussagen aus den Verhörprotokollen und Gerichtsakten zu diesem Fall aus den 1960er Jahre angewiesen war, zeigt sehr deutlich wie unbeachtet und unbedeutend die Vorfälle in Polen bis dahin und bis heute behandelt werden.
Brownings Stellungnahme zu Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" (Goldhagen ist übrigens ein sehr guter Freund Brownings) hat völlige Berechtigung, bezeichnet Tatsachen und gibt eine gute Position zur unwissenschaftlichen Vorgehensweise Goldhagens zu dieser Thematik wider - eine Haltung, die ich großteils mit Browning teile.
Dieses Buch ist nicht nur wissenschaftlich absolut vorbildhaft, es sollte auch zum verpflichtenden Lesestoff in Oberstufen werden.
Sollte man sich dafür entscheiden dieses Buch zu lesen, sollte man sich unbedingt darauf einstellen, dieses Buch nicht als Bettlektüre zu benutzen (damit man nachher noch schlafen kann...) und eventuell im Vergleich Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" zu lesen. Die Unterschiede besonders in der Qualität wissenschaftlichen Arbeitens werden markant auffällig sein!
Absolut empfehlenswert!
Grausam genug zu wissen, daß Menschen zu Bestien werden können, hilfreich allerdings nachzulesen, wie grausam Menschen wirklich werden können!
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am 28. Februar 2004
Browning räumt in seiner fundierten, beeindruckenden Dokumentation auf mit dem Mythos vom "gerechten Krieg", vom "ritterlichen Kampf", von den Idealen "ehrenhaften Soldatentums".
Nicht nur der dazu ausgebildete Soldat sei zum Töten fähig, sondern jeder Mensch sei dazu veranlagt, insbesondere, wenn er sich von der Gemeinschaft (Kameradschaft) akzeptiert fühlt, durch die "segensreiche" Kulturdroge Alkohol enthemmt ist und "höhere" Ziele vorgegeben sind.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, daß sich nach der Dokumentation bis zu 20% dem Befehl zum infernalischen Massenmord verweigerten (ohne dadurch Schaden an Leib und Leben zu nehmen) und die Verachtung der Gemeinschaft als unmännlicher "Weichling" auf sich nahmen.
Diese haben meine besondere Hochachtung, zumal ich mir nicht sicher sein kann, wie ich mich selbst in einer vergleichbaren Situation verhalten hätte, zumal ich als Kriegsteilnehmer und Wehrmachtsangehöriger das "Glück" hatte, zwar in todbringende Kampfeinsätze, aber nicht in die beschriebenen unvorstellbaren Massenmorde verwickelt worden zu sein, die ich (wie die Mehrzahl der Kriegsgeneration) seinerzeit auch leider nicht geglaubt hätte!
Diese Massenmmorde, wie überhaupt der perfide raffiniert ausgeklügelte Holocaust (und weitere Unsäglichkeiten wie Hiroshima und Dresden), unterscheiden sich durch die Regierungsverantwortung von den vielfältig auf allen Seiten auch in der jüngeren Vergangenheit weiter vorgekommenen Unmenschlichkeiten im ausufernden, sich progredient brutalisierenden Kampfgeschehen.
Ein erschüttendes Zeugnis unseliger deutscher, aber auch der Menschheits- Geschichte, das man nicht so schnell wieder aus der Hand legt und das aus der Distanz eines amerikanischen Wissenschaftlers absolut redlich wirkt!
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am 4. September 2006
Die schockierende Geschichte von ganz gewöhnlichen Männern aus Hamburg und der Umgebung, die nahezu ausnahmslos zu Mördern wurden. Browning beschreibt nicht nur die so genannten „Säuberungsaktionen“ der Polizisten anhand der Aussagen, die die Täter zu Protokoll gaben, sondern beleuchtet auch die sozialen Hintergründe und die Entwicklung der Männer. Erst die schrittweise Beschreibung der Geschehensabläufe führt zu einer Entdämonisierung der Mörder und zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Tätern damals und den Menschen heute nicht so groß sind, wie man gerne annehmen möchte. Browning schafft es dabei auch, die selbst gebastelten Rechtfertigungsversuche der Mörder aufzuzeigen, die durch das arbeitsteilige Zusammenwirken erleichtert wurden. Besonders hervorzuheben ist, dass Browning sich ausführlich mit dem Werk Goldhagens auseinandersetzt und dabei das eigene Werk schlüssig verteidigt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch die unfassbaren Mordtaten ganz gewöhnlicher Männer mit einem Lichtkegel anstrahlt und aus den geschichtlichen Geschehnissen hervorhebt. Die beleuchteten Taten wirken als Mahnung der Geschichte, nicht zu vergessen, sondern bewusst auch heute menschenunwürdigen Verhaltensweisen entschlossen entgegenzutreten.

Rasmus Furth
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am 23. März 2014
Browning steckt sich ein interessantes Ziel, stellt eine extrem spannende Frage: Wie macht man aus "ganz normalen Männern" Massenmörder, die Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Dorf für Dorf Männer, Frauen und Kinder erschießen, jeden einzeln, tausende von ihnen. Und dann verbringt er den größten Raum des Buches damit, jede Menge Fakten anzuhäufen, die mich eigentlich gar nicht so sehr interessieren, die vor allem auch nicht helfen, diese Frage zu ergründen, die maßgeblich helfen würde zu verstehen, wie der furchtbare Genozid überhaupt stattfinden konnte. Er greift ein paar Einzelgeschichten heraus, vertieft sich in die schier undurchschaubare Nazihierarchie, und erst im buchstäblich letzten Kapitel kommt er auf den Punkt. Aber eigentlich auch nicht richtig, weil ihm einfach die Quellen fehlen. Am interessantesten ist fast noch die der Originalausgabe angehängte Auseinandersetzung mit Goldhagens Thesen, die er ganz überzeugend widerlegt. Aber auf seine eingangs gestellte Frage hat er meiner Meinung nach selbst keine überzeugende Antwort geben können.
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am 4. Januar 2013
Dieses Buch hat mich berührt und zeigt in aller Deutlichkeit die Grausamkeit des Krieges am Beispiel des Reserve-Polizeibataillons 101. Anhand von Ermittlungsakten recherchiert, zeigt der Autor detailliert den Wahnsinn und die Kaltblütigkeit dieses "Sonderauftrags" während des Zweiten Weltkrieges. Viele Passagen machen den Leser fassungslos, da man gar nicht glauben will, was seinerzeit passiert ist.
Ich kann jedem nur empfehlen, dieses Buch zu lesen.
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am 25. Dezember 2010
Das Buch gibt einen beeindruckenden Einblick darauf wie schnell und scheinbar skrupellos, normale Menschen zu kaltblütigen Mördern werden.

Es wird ebenfalls deutlich das es auch Zweifel und Widerwillen unter den potentiellen Tätern gab und nicht alle
willenlos den Befehlen folgten.

Auf der einen Seite bietet dieses Buch Geschichtsinteressierten einen guten Einblick auf die Geschehnisse, aus diesem
Blickwinkel und sicher biete es auch dem Psychologieinteressierten einen Einblick in eine Facette menschlicher
Abgründe.
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am 18. April 2009
Kein Zweifel, Christopher R. Browning hat mit diesem Buch ein sehr wichtiges Thema der 'breiten Öffentlichkeit' auf eingehende Weise zugänglich gemacht. Es liest sich gut, ist plausibel, für ein historisches Buch sogar: spannend!

Aber anders als in einigen der vorigen Rezensionen anklang, muss die wissenschaftliche Vorgehensweise doch als problematisch angesehen werden.

Einerseits der Umgang mit den Quellen: er geht doch sehr unkritisch mit diesen um und beruft sich teils auf schwammige Zeugenaussagen (die die Täter selbst waren!). Aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein angemessener Umgang kaum möglich ist, wenn man Ergebnisse und nicht nur Zweifel produzieren will. Insofern sei dies entschuldigt, die Verständlichkeit des Textes profitiert davon.

Andererseits sind es die Erklärungsansätze, die er liefert. Er reiht zig mögliche Erklärungsansätze scheinbar wahllos aneinander, ohne jedoch zu einem Punkt zu kommen. Diese Aufgabe sollte man wohl eher Soziologen oder Psychologen überlassen, Welzer (Täter: 2005) hat hier einen überzeugenden Ansatz geliefert. So macht man das.

Nun, in allem ist das Buch sicherlich eine lohnende Lektüre über ein wichtiges Thema mit nur wenigen trübenden Schwächen. Also: 4 Sterne
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am 18. November 2015
Eines der erschreckendsten Bücher über die NS-Massenmorde an jüdischen Männern Frauen und Kindern, gerade weil deutlich wird, in welchem Ausmasse Männer an diesen Morden beteiligt waren, die zuvor niemals als Nazis aufgefallen waren. Ein schreckliches Beispiel für falsch verstandene Kameradschaft und die wahnsinnige Überzeugung, das alles was der Staat tut rechtens ist.falsch verstandene den GFlauben an
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