Die erste und längste Phase des Umgangs mit brutaler Gewaltausübung war Leugnung ( die Unfähigkeit zu Trauern). Dann kamen immer mehr unwiderlegbare Darstellungen, dass viele dabei waren, mitgemacht haben und mindestens davon wussten. In diese Phase fällt auch die Doktorarbeit von Browning, die dann als Buch erschien und, in Anlehnung an die Auffassung von Hannah Arendt, den bezeichnenden Titel trägt: Ganz normale Männer. Gerade die Entdämonisierung ist das Bedrohliche. Schon Hannah Arendt wurde dafür gescholten, dass sie das Böse durch Entdämonisierung näher an jeden einzelnen heranrückte. Eichmann war eben kein Monster, sondern potentiell der nette Nachbar von nebenan. Inzwischen hat es weitere Studien gegeben,insbesondere vom Erinnerungsforscher Harald Welzer zur Frage, wie aus normalen Männnern Massenmörder werden konnten. Je sozialpsychologischer der Ansatz, desto mehr wird man den Strukturen eine wichtige Steuerungsfunktion zuweisen. Browning mühte sich in seiner Studie, Differenzierungen vorzunehmen, nicht alle zu willigen Vollstreckern ( Goldhagen) zu erklären,sondern auch die zu beschreiben, die sich widersetzten. Nach den neueren Studien, die die umfassende Bereitschaft zur Anpassung zu belegen scheinen, ist man neugierig, mehr zu erfahren, aufgrund welcher " Ausstattung" Menschen sich denn weigerten, diese Greueltaten mitzumachen. Religiöse Bindungen ? Andersgeartete Wertmaßstäbe des Nicht-Handelns oder schlicht mangelnde Entschlossenheit ? Inzwischen gibt es fast eine Beweislastumkehr: der Mitmacher ist die Normal-Rolle, was macht den Verweigerer aus ? Das war nicht die Aufgabe von Brown vor fast zwanzig Jahren, aber diese Frage wäre heute zu stellen, denn Anpassungsbereitschaft und Folgewille ist ja nicht erloschen, sondern wird auch heute praktiziert. Deswegen gibt es ein besonderes Erkenntnisinteresse daran, unter welchen Bedingungen Menschen gegenüber Zumutungen immun bleiben ? Das Buch von Browning trägt nach wie vor dazu bei, über die Frage des Mitmachens nachhaltig zu reflektieren. Gerade erschien der Film von Vilsmaier, der letzte Zug,Abtransport der letzten Juden von Berlin nach Auschwitz. Jede Menge Menschen haben das mitbekommen und daran mitgewirkt.Auch Vilsmaier zeigt uns beide Seiten-Grausamkeit und Mitgefühl-. Darüber lohnt intensives Nachdenken !