Ich lebte selbst sieben Jahre in Kamerun und habe daran auch herrliche Erinnerungen, ein wundervolles Land... wenn man es mit den Augen des Autors betrachtet! Das Landleben fern weg von den brodelnden Hauptstädten kann süß und angenehm sein, wenn man sich vor allem die soziale und materielle Distanz wahren kann. Der Kameruner zieht gemeinhin die Städte vor, um den ewigen lebensgefährlichen Zauberspielereien, den ständigen Vergiftungen ganzer Familien und dem autoritären Regimes des Dorfchefs zu entgehen. Nicht das es all das in den Städten nicht geben würde, aber die Möglichkeiten, sich zu entfalten sind dort ungleich größer. Von meinen vielen kamerunischen Freunden wollte jedenfalls niemand mehr in den Busch zurück!
Der beschriebene Bamileke-Stamm, der sich wieder in einige Unterstämme gliedert, ist von ganz anderer Natur als die übrigen ethnischen Gruppen des Landes. Sie werden als die, um einen netten Ausdruck zu gebrauchen, Geschäftsleute Kameruns angesehen, leben im hochgelegenen Grasland Westkameruns oder sind in leitenden Positionen vor allem in Douala zu finden.
Als ich selbst 1978 Ewondo lernte, mit Bulu zusammen die Sprache des Südens, wurde mir schon größte Vorsicht gegenüber den Bamilékés eingeimpft. Trotz aller Reminiszenzen der Restkameruner sind gerade die "Bamis" ein sehr farbenfrohes Völkchen mit einer eigenen Geschichte und sind auch anderen Kulturen gegenüber sehr offen und freundlich! Das kann man nicht von allen Gruppierungen behaupten, die Spannungen zwischen den zehn großen ethnischen Gruppierungen sind gewaltig. Der Autor hat hier meines Dafürhaltens eine rosarote Brille aufgesetzt und bringt die großen Problematiken des Landes, die da wären galoppierende Verarmung eines Großteiles der Bevölkerung, politische Unruhen gegen das Regime von Paul Biya, eine regelrechte Bevölkerungsexplosion und eben diese Spannungen zwischen den Gruppierungen!
Reiner Ru-mohr gibt trotzdem einen interessanten Einblick in die Kulturen des Landes und vermittelt ein herziges, touristisch sehenswertes Land!