"Gerhard Wendland? Kenn' ich, das war doch so'n alter Schlagerschnulzer aus den 50ern, oder?"
Mit diesem weit verbreiteten, aber höchst einseitigen Denkschema aufzuräumen, ist Sache dieser brandneuen CD im Universal'schen JazzClub. Schon die ebenfalls sehr zu empfehlende "
Swinging Evergreens (Jazz Club)" ließ erahnen, zu was Wendland abseits deutschen Karo-Einfach-Schlagers fähig war. Nun also mit vorliegender CD die ultimative Würdigung des bisher unbekannten 'Crooners' Wendland. Denkt man auf den ersten Blick, dass JazzClub und Gerhard Wendland nicht zusammenpassen könnten, so wird man beim ersten Hören feststellen, dass es sich um eine unglaubliche Bereicherung der überraschenden Art handelt. Hier sind sage und schreibe 24 Titel aus den Jahren 1964 - 1980 versammelt.
Stilistisch geht es sehr vielfältig zu. Den Löwenanteil bilden sowohl adaptierte Standards wie "Only Make Believe I Love You", "Close To You", "Narcissus", "The Touch Of Your Lips", "Till" oder "Ah, But It Happens", als auch damals populäre Songs wie "The Shadow Of Your Smile", "This Guy's In Love With You" oder "Rossana". Darüber hinaus gibt es da einige Neufassungen bekannter deutscher Melodien wie "Marianne's Melody", "Nachts ging das Telefon" oder eben das titelgebende "Ganz leis erklingt Musik".
Stellen die erwähnten Titel für sich genommen schon Garantieposten für einen unterhaltsamen Hörgenuss dar, so sind es die wundervollen Arrangements hochtalentierter Musikmeister, die hier nochmals draufsatteln. Leute wie Dieter Reith, Willy Hoffmann, Joe Pleé, Bert Grund oder Boris Jojic - wie man ließt, sprechen wir hier von einigen der besten Arrangeure deutscher Zunft in dieser Zeit - wussten einfach, worauf es ankommt: sie umrahmen Wendlands voluminöses Timbre mit groovigem Bass, swingenden Drums, flirrenden Streichern, Jimmy-Smith-Orgeln, Wes-Montgomery-Gitarren und verfertigen für den 'Crooner' Gerhard Wendland die vielleicht besten Arrangements, auf denen dieser im Laufe seiner langen Karriere gesungen hat - das hat richtig Klasse.
Da passt einfach alles: Wendland selbst hat genug Raum für seine technisch perfekten und stilistisch unverwechselbaren Vokalpartien (noch dazu kann er es sich leisten, tontechnisch sehr 'direkt' aufgenommen zu werden - d.h., jede Nuance seiner fein abgestimmten Interpretationen ist klar erhörbar), allerdings ist das Orchester dennoch sehr präsent und ständig ein ausgemachter Hinhörer. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen und die CD mehrmals hintereinander hören ... denn es ergeben sich immer wieder neue Facetten und Überraschungen, die den Hörer begeistern. Dabei Favoriten zu finden ist natürlich jedermanns persönlicher Geschmack, für mich gehören "So wie ich", "Ganz leis erklingt Musik", "Kein Tag tut mir leid" und "Nachts ging das Telefon" zu den Highlights - nicht nur dieser Platte, sondern generell innerhalb des Wendland-Gesamtwerkes.
Erschienen im schmucken Artwork und plüschigem Rosa-Farbton offeriert die perfekt remasterte Scheibe (mit einem sehr persönlichen und dennoch augenzwinkernden Begleittext den Musik- und Wendlandkenners Jürgen Koppelin) endlich eine bisher zu Unrecht viel zu selten gewürdigte Seite des Gerhard Wendland - die des stilsicheren Grandseigneurs, des fantastischen Vokalinterpreten, eines der letzten 'echten' Gentlemen des deutschen Schlager- und Unterhaltungsmusikbusiness.
Es wäre wünschenswert, dass sich die Eingangsfrage in Zukunft so lesen könnte:
"Gerhard Wendland? Kenn' ich, das war doch dieser hippe Easy-Listening-Crooner aus den 60ern, oder?"