Wer erinnert sich nicht an die begeisterte Feierstimmung bei der legendären Sommermärchen-WM 2006 oder vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika, als alle mit Jogis Jungs mitfieberten. Volle Fanmeilen und schwarz-rot-goldene Fahnenmeere, wohin das Auge blickte. Und auch jetzt freuen sich viele schon wieder auf die Deutschlandparty" während der Europameisterschaft. Nun hat endlich jemand einmal das Phänomen des neuen deutschen Fußballpatriotismus" wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Die Autorin Dagmar Schediwy hat von der WM 2006 über die EM 2008 bis zur WM 2010 Deutschlandfans auf Fanmeilen interviewt. So wollte sie unter anderem wissen, was ihre Interviewpartner mit dem Tragen von Nationalsymbolen verbinden, was für sie am Fußballevent das Schönste war , was für sie ein deutscher Titelgewinn bedeuten würde, was sie von Nationalspielern mit Migratonshintergrund halten und was nach dem Ende der Events psychisch an seine Stelle tritt. Die sehr ehrlichen Antworten und Dialoge sind spannend zu lesen und rücken manches gerade, was an Mystifizierungen zu diesem Thema im Umlauf ist. Obwohl ursprünglich als Dissertation im Fach Sozialpsychologie verfasst, ist das Buch nie wissenschaftlich abgehoben, weil die Autorin einen sehr gut lesbaren, schwungvollen Schreibstil hat und auch komplizierte Theorien einfach auszudrücken weiß. So erfährt man einiges darüber, warum Fußball eine so große Anziehungskraft für viele Menschen hat, was den Fußballevent von anderen Events unterscheidet und was die spezifische Struktur der Fanbeziehung ist. Eine gelungene Studie, die den Leser die Fußballmeisterschaften noch einmal miterleben lässt und sie gleichzeitig intellektuell durchdringt.