In "Ganz allein" steht ein Leuchtturm auf einem sehr überschaubaren Felsen mitten im Meer. Darin lebt - wie der Titel schon sagt ganz allein - ein zirka 50-jähriger von Geburt an entstellter Mann. Sein Vater hat vor seinem Tod mit einem Fischer einen Deal ausgehandelt: Der Fischer verwaltet das Geld für den Sohn treuhändisch und stellt jede Woche Lebensmittelkisten am Kai des schroffen Felsen ab. Den Leuchtturmbewohner hat er nie zu Gesicht bekommen - denn dieser hat noch nie einen Fuß auf das Festland gesetzt, geschweige denn Gäste im Leuchtturm empfangen. Als dieser Fischer einen neuen Helfer an Bord hat, stellt dieser einige Fragen - und versucht, mit dem Felsenbewohner Kontakt aufzunehmen.
Auf mehr als 350 schwarzweißen Comic-Seiten schildert Christophe Chabouté das Schicksal des einsamen Leuchtturmbewohners. Sein Strich ist irgendwo zwischen Jeff Smith (was die Hintergründe angeht) und Baru angesiedelt. Ungewöhnlich für eine Comic-Publikation ist auch, dass nur eine Onomatopöie - also ein Soundword wie Peng! Baff! Klirr! - verwendete wird: Bumm. Dieses Geräusch entsteht immer dann, wenn der Entstellte sein Lexikon aufschlägt, um ein beliebiges Wort herauszusuchen und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Und gerade in diesen Momenten wird die Lektüre von "Ganz allein" zu einem großen Genuss. Nachdem der Leuchtturmbewohner noch nie von seinem Felsen gekommen ist, kennt er natürlich viele Dinge allenfalls aus der Schilderung seiner schon lange verstorbenen Eltern. Was er zu dem jeweiligen Stichwort imaginiert ist in seiner wahrhaftigen Naivität ganz großes Kino. Vom Schluss, der wirklich wunderbar passt und diese Graphic Novel hervorragend zu Ende bringt, sei an dieser Stelle nichts verraten. Diesen Band müssen Comic-Interessierte auf jeden Fall für sich selbst entdecken. Eine der besten Comic-Veröffentlichungen in diesem Jahr bisher.
Diese gebundene Ausgabe wurde in Deutschland gedruckt.