Mit genau 1127 Seiten bietet Gangster, Opfer, Detektive" nicht nur ein beeindruckendes Format, sondern auch einen erschöpfenden Überblick zu einem der beliebtesten Literaturgenres. Informationen in Hülle und Fülle, von den ganz großen Namen der Kriminalliteratur bis zu weniger bekannten, aber nichtsdestoweniger erwähnenswerten Schriftstellern, von den beliebtesten Spürnasen zu den eigenwilligsten Figuren, von verschiedenen Traditionen des Krimis zu besonders hervorstechenden Krimitypen, werden dem Leser in mal kurzen und auf den Punkt gebrachten, mal umfangreichen und themenübergreifenden Texten an die Hand gegeben. So hat man am Ende nicht nur ein umfassendes Bild zur Geschichte des Kriminalromans und zu seinen hervorstechendsten oder bemerkenswertesten Vertretern, sondern hat unterschiedliche Perspektiven und Richtungen kennengelernt, die das Genre so vielseitig und - entgegen seinem Ruf, reine Unterhaltungsliteratur zu sein - teilweise sehr komplex machen. Die Texte besprechen ausführlich Romaninhalte, Autorenbiografien, historische Aspekte und Interpretationen separat oder im Zusammenhang, und selbst Leser, die bisher noch nicht allzu oft mit dem Krimigenre in Berührung gekommen sind und wenig Vorwissen haben, werden so manchen sehr lesenswerten Artikel für sich entdecken und damit vielleicht auch die Lust, den Krimi für sich zu entdecken.
Dabei wagt es Jochen Schmidt, neben der Vorstellung zahlreicher Autoren und ihrer Werke sowie den geschichtlichen Abrissen, den Interpretationsansätzen und Analysen auch seine eigene Meinung einzubringen. Mit der nötigen Distanz und, bei Kritik, glaubhaften Argumenten und passenden Beispielen geht Schmidt an einzelne Werke heran, scheut weder direkte Worte noch die negative Besprechung anerkannter Romane und Autoren, die in den Bestsellerlisten vertreten waren. Der Leser bekommt nie eine bestimmte Meinung aufgezwungen, sondern lediglich eine gegenläufige Sichtweise angeboten; Schmidt verpackt seine Ansichten stets scharfsinnig, aber nie unangemessen.
Dem unbedarften Leser kommt es sehr entgegen, dass den einzelnen Artikeln neben sorgfältig gewählten Titeln und Untertiteln, die sowohl Themenschlagwörter als auch Autorennamen beinhalten, auch ausgewählte Bibliografien beigegeben sind, damit der eigenständigen Nachforschung und gegebenenfalls geweckter Leselaune nichts mehr im Wege steht.
Freunde der Kriminalliteratur, ob sie intellektuelles Rätselraten oder knallharte Tätersuche, skurrile Detektivfiguren oder gnadenlose Schnüffler, gemütliche Regionalkrimis oder atemlose Großstadtthriller bevorzugen, kommen mit Gangster, Opfer, Detektive" voll auf ihre Kosten. Mut zur subjektiven Meinung und ein umfangreicher Überblick, der keine Wünsche offen lässt, macht dieses Nachschlagewerk zur Pflichtlektüre für alle Hobbykriminologen.