Gangster No. 1 war der erste Film, in dem ich Paul Bettany je sah - und wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Paul Bettany heute mein Lieblingsschauspieler ist.
1968. Gangster arbeitet für Freddie Mays, dem Butcher von Mayfair. Er mag seinen Job: das Geld, die Anzüge, die Macht. Und Gangster ist gut in dem, was er tut. Wer nicht rechtzeitig seine Schulden bei Freddie Mays bezahlt, bekommt Besuch von Gangster und Gangster ist nicht zimperlich. Doch bald schon reicht es ihm nicht mehr, nur für die Nummer Eins zu arbeiten - Gangster trachtet selbst nach dem Chefplatz auf dem Ledersofa. Als sich die Gelegenheit ergibt, ergreift er sie, räumt sowohl seinen Boss als auch dessen Rivale Lennie Taylor aus dem Weg und katapultiert sich selbst an die Spitze.
Paul Bettany spielt den jungen Gangster, Malcolm McDowell sein älteres Ego. Und beide sind meiner Meinung nach Idealbesetzungen. Schon allein der Blick von Paul Bettany lässt einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Die Kaltblütigkeit, die er seiner Figur verpasst, die absolute Undurchschaubarkeit - genialst! Den von Bettany und McDowell verkörperten Gangster möchte ich nicht zum Feind haben ... zum Freund aber auch nicht. Denn man weiß nie, wie lange er noch dein Freund ist oder ob er nicht vielleicht schon längst deine Vernichtung geplant hat. Und er ist so verdammt cool!
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich den Film schon gesehen habe, aber ich könnte ihn mir jeden Tag aufs Neue ansehen. Der Film hat einige so geniale Szenen ... "I'll never let you go. Why? Because I love you ..."
Ja, der Film ist blutig. Sehr blutig. Aber man kann nun mal keinen gewalttätigen Gangster ohne Gewalt porträtieren. Die Gewalt ist nötig, um das Wesen von Gangster richtig verstehen zu können. Und es reicht dabei nicht aus, ihn in einer Szene mit einer Pistole in der Hand zu sehen und in der nächsten Szene Zeuge zu werden, wie er einen Teppich mit Füßen aus der Hintertür trägt. Das mag in anderen Filmen gehen, aber Gangster funktioniert so nicht. Man muss sehen, WIE Gangster die Gewalt anwendet, welche Werkzeuge er benutzt, seine Emotionen bei der Ausübung der Gewalt.
Zu dieser DVD selbst kann ich nicht wirklich was sagen, da ich die UK-Import Version besitze. Sollte diese DVD aber zusätzlich zur deutschen auch die englische Fassung enthalten, dann kriegt sie ein dickes Plus von mir, denn den Film muss man sich einfach im Original ansehen, sofern man des Englischen mächtig ist. Der starke Londoner Akzent gehört einfach dazu.
Fazit: Nichts für schwache Nerven und schon gar nicht für Leute, die kein Blut sehen können. Aber unbedingt sehens- und empfehlenswert für Leute, die der Bandenkrieg und das Gangsterleben im London der sechziger Jahre interessiert und die nicht gleich vom Stuhl kippen, wenn bei einer Mordszene der Kameramann mal draufhält anstatt sich wegzudrehen.