Aus der Amazon.de-Redaktion
Von seinem erstaunlichem 1846er-Prolog bis hin zu den infernalen Straßenschlachten von 1863, bemüht sich der Film, das Bild eines anständigen New Yorks des 19. Jahrhunderts zu korrigieren und die Stadt als Hexenkessel der Straßenschlachten darzustellen. Die Feindseligkeit nimmt Gestalt an in einer Geschichte von Vergeltung zwischen dem Irisch-Amerikaner Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) und dem schonungslosen Mörder seines Vaters und Kopf der "Nativist"-Bande, Bill "der Schlächter" Cutting (Daniel Day-Lewis) -- so genannt wegen seines tödlichen Talents im Umgang mit Messern.
Vallons Rache ist nur zum Teil überzeugend; die Rolle ist mit DiCaprio nicht optimal besetzt, und Cameron Diaz als Vallons diebische Geliebte treibt in einem Film dahin, in dem wenig Platz für eine Frau zu sein scheint. Trotz dieser Schwächen kommt Scorseses Können durch seine Verbindung von persönlichen und politischen Entwicklungen auch diesmal wieder voll zur Geltung. Hier wird amerikanische Geschichte mit Blut geschrieben -- unerschrocken, authentisch und höchst spektakulär. --Jeff Shannon
Video Jakob Kurzinhalt
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Moviemans Kommentar zur DVD: Das Epos um die Vorherrschaft in New York hat Starregisseur Martin Scorsese zwar mit viel Blut und Schweiß und Geld umgesetzt, läßt bei den Europäern aber einen etwas trägen und langmütigen Eindruck aufkommen. Zuviel wird in düsteren Kellern bei Kerzenschein palavert, jäh unterbrochen von unnötig bluttriefenden Gemetzeln. Für den Amerikaner sicher eher ein Stück Geschichtsunterricht, aber von der alten Welt aus betrachtet, eher überbewertet, ja sprechen wir es ruhig aus: etwas langweilig.
Bild: Das hell ausgesteuerte Bild kann auch in den vielen dunklen Kerzenszenen noch eine bedeutende Anzahl Details und Graustufen abbilden, ohne dass dabei die Konturschatten verloren gehen. Der Bildeindruck ist stets klar und wird nur gelegentlich von geringem Grieseln durchzogen (00.09.03). Der ein wenig zu hoch gezogene Kontrast läßt zwar viele Bilder sehr plastisch und fast glänzend erscheinen, aber auch helle Knöpfe an dunklen Uniformen sichtbar nachziehen (00.44.18). Die Kompression ist nahezu rückstandsfrei gelungen und auch die Schärfe stellt selbst in Totaleinstellungen noch kleinere Details in Hintergründen dar. Ein sehr gutes Mastering!
Ton: Der von Musik bestimmte Surroundeinsatz wird oft und gern von Gemurmel der Leute in Innenräumen vitalisiert. Der "Dabei sein"- Eindruck wird dabei erfolgreich vermittelt und läßt den Zuhörer tief in das akustische Geschehen eintauchen. Die Dialoge sind dabei leicht belegt und höhenarm, von einem echten Manko zu sprechen wäre hier jedoch ungebührlich. Die Kampfszenen sind reich gesättigt mit Kampfgeschrei und klingenden Messern, bei genauem Hinhören auch in Splitsurround zu orten. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Was Scorsese und seine Autoren Jay Cocks, Steven Zaillian und Kenneth Lonergan in zweieinhalb Stunden Bilderflut auf die Netzhaut brennen, ist eine packende, klaustrophobisch-düstere Geschichtslektion. Diese wird mit Atmosphäre und Figurenzeichnung frei nach Charles Dickens, einem Rachedrama zwischen griechischer Klassik und Shakespeare und einer Lovestory so zuschauerfreundlich verkauft, wie es das Thema eben zulässt. 'Gangs of New York' bietet die Randsteinperspektive zu 'Zeit der Unschuld', Scorseses berauschender Salontour durch die vornehme, aber giftige New Yorker Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. So komplettiert sich das Bild vom Entstehungsprozess dieser Metropole, die den der ganzen Nation spiegelt. Wie an der Siedlungsgrenze, die Daniel Day Lewis als Falkenauge in 'Der letzte Mohikaner' durchstreifte, bildet sich aus Chaos und Gesetzlosigkeit durch Gewalt die Zivilisation.
Scorseses Film beginnt 1846, als durch die Hungersnot in Irland der Strom der Einwanderer exponential anstieg, und endet 1863 mit den blutigen Aufständen, die das ungerechte Einberufungsgesetz im Bürgerkrieg auslöste. Ergänzt wird dieser Rahmen durch einen visuellen Epilog, der das New York von gestern in die Skyline vor der Tragödie der Zwei Türme übergehen lässt, für die sich im Finale Anspielungen erkennen lassen. Der Zuschauerköder für dieses ambitionierte und komplexe Porträt von Korruption, Rassenhass, Immigrantenverachtung und multiplem Überlebenskampf irgendwo zwischen Sergio Leone ('Es war einmal in Amerika') und Michael Cimino ('Heaven's Gate') ist die vergleichsweise simple Lebens- und Liebesgeschichte von Amsterdam Vallon (DiCaprio).
Diese beginnt mit einem neobabylonischen Prolog, einem Blick auf ein hölzernes Labyrinth, das über mehrere Etagen bis unter die Erde mit irischen Immigranten gefüllt ist. Dann öffnet sich die Türe und gibt den Blick frei auf die 'Five Points', ein von Armut und Gewalt beherrschter Bezirk an der Lower East Side, in dem sich die Gangs der 'Natives', die 'Einheimischen', mit den ' Dead Rabbits', den verhassten Iren, eine Schlacht um die Vorherrschaft liefern. Bei dem Gemetzel stirbt auch Vallons Vater (Liam Neeson), der Anführer der Rabbits, durch das Messer von Bill the Butcher (Daniel Day Lewis), der fortan mit Grausamkeit, aber auch einem bizarren Ehrenkodex das Gebiet kontrolliert. 16 Jahre später kommt Amsterdam zurück, um Rache für den Mord an seinem Vater zu nehmen. Unerkannt gewinnt er durch Instinkt, Kampflust und explosivem Zorn die Sympathie des charismatischen Monstrums, das seinen Rücken auch durch Kontakte zur Politik schützt. Erzählt wird also eine Geschichte über Väter und Söhne, über Loyalität, Verrat und Amsterdams Liebe zur Taschendiebin Jenny (Cameron Diaz), die für Ruhepausen im Hauen und Stechen sorgt, aber über das Judasmotiv auch den Plot vorantreibt. Um diesen vergleichsweise einfachen Kern gruppieren sich die großen Themen aus dem Scorsesekatalog: der Glaube als Gewissensmacht, das Modell von Schuld und Sühne, die Reinigung durch Gewalt.
Wer die mehrteilige, vor ein paar Jahren auf den Dritten Programmen ausgestrahlte TV-Dokumention über das alte New York verfolgte, sieht diese Welt hier in bewegten und bewegenden Bildern auferstanden. Es ist ein Fresko mit Ballhaus-Perfektion (Kamera) und traumhafter Ausstattung von Dante Ferretti, der wie schon für Fellini in Cinecitta zaubern durfte. Und es ist das Comeback von Oscarpreisträger Lewis, der diesen Film dominiert und von der Mimik bis hin zum stelzenhaften Gang eine Figur kreiert, die wie ihr Umfeld unvergesslich bleibt. kob.