Keine Frage, "Gangs of New York" ist zweifellos ein oft zu Unrecht unterschätztes und übertrieben kritisiertes Historien-Epos, das vor allem durch seine Bildgewalt, seine faszinierende Visualität, beeindruckt. Große visuell beeindruckende Bilder auf die Leinwand bringen - das kann Scorsese wie sonst vielleicht nur noch Francis Ford Coppola und Sergio Leone.
Hervorzuheben ist vor allem die Darbietung von Daniel Day-Lewis, der mit seiner ungeheuren Präsenz, mit der er in jeder einzelnen Szene brilliert, und seiner ausdrucksstarken Mimik hier in "Gangs of New York" und einige Jahre später dann auch in "There will be blood" an die großen Darbietungen eines Robert De Niro oder Al Pacino erinnert.
Und auch Leonardo DiCaprio zeigt hier in seiner ersten Zusammenarbeit mit Meisterregisseur Martin Scorsese eine überzeugende Leistung, die den Anfang für eine Reihe weitere gelungene und sukzessive überzeugendere Darbietungen in folgenden Filmen wie "Aviator", "Departed" und "Blood Diamond" bilden sollte.
Und trotzdem wurde "Gangs of New York" von der Filmkritik äußerst kritisch aufgenommen und trotz seines großen finanziellen Erfolgs, bis dahin der größte in Scorseses Karriere, als Flopp betrachtet. Der Grund für diese mit Sicherheit übertriebene Kritik ist vielleich, dass der Film die hohen Erwartungen, die man in dieses Langzeitprojekt Scorseses setzte, nicht erfüllen konnte. Der Filme reicht nicht heran an Scorseses Meisterwerke, die man wohl nicht aufzählen muss.
Denn "Gangs of New York" ist sicher nicht ohne Schwächen. So ist der Film mit einer Spieldauer von über 2,5 Stunden doch recht lang geraten; vor allem dafür, dass die Geschichte linear erzählt wird und die Charaktere teilweise nicht an Tiefe gewinnen können. Die Besetzung von Cameron Diaz war schlicht und einfach ein Fehlgriff. Vor allem im Zusammenspiel mit DiCaprio ist sie nicht überzeugend, da dieser ihr schauspielerisch einfach zu überlegen ist. Deshalb funktioniert die Liebesbeziehung zwischen DiCaprio und Diaz nicht wirklich und kann schon gar nicht als zweiter Handlungsstrang fungieren.
Doch trotz allem bleibt "Gangs of New York" ein episches, bildgewaltiges, monumentales, teilweise fesselndes und trotz aller Längen eigentlich selten wirklich langweiliges Historien-Epos, das man wirklich gesehen haben sollte.
Ein überragender Schauspieler, der hier eine der bestenn Darbietungen seiner Karriere zeigt, Daniel Day-Lewis, und einer der immer überzeugender wird und so langsam dann wirklich mal einen Oscar verdient hätte, Leonardo DiCaprio, versammeln sich hier unter der Regie des großen Martin Scorsese - allein das macht den Film zu etwas Besonderem.
Bei der Oscarverleihung ging der Film allerdings trotz 10 Nominierungen leer aus. Dies ist dann doch unverständlich, wenn man bedenkt, dass die Trophäen fast allesamt an "Chicago" gingen. Das ist zwar ein schöner Film, aber, wie Michael Ballhaus, der ja mal wieder maßgeblich für die grandiosen Bilder in Scorseses Film verantwortlich war, es treffend formuliert hat: Während Chicago ein Jahr nach der Preisverleihung vergessen war, wird man "Gangs" noch in 30 Jahren schauen.
Ich halte "Gangs of New York" also zwar nicht wie mein Vorrezensent für ein Meisterwerk, kann diese Meinung aber durchaus nachvollziehen, da auch ich den Film trotz einiger Kritikpunkte bedenkenlos weiterempfehlen kann.