Könnte man Schweiß hören, müsste man nach dem Genuss von Gangs" die Kopfhörer waschen. And So I Watch You From Afar mit Teil zwei ihres Instrumental-Irrsinns. Es gibt im Post-Rock grob gesprochen zwei Arbeitsweisen: die erste erzeugt die Energie ihrer Musik an der Reibungsfläche von weitgehender Entschleunigung einerseits und der unmerklich anziehenden aber stetig und bedrohlich wachsenden Lärmbelastung andererseits. Musik, die sich zwischen diesen Polen bewegt, lebt von der Subtilität und der schleichenden Vereinnahmung des Hörers, der sich plötzlich und unerwartet inmitten eines Sturmes wiederfindet, obwohl doch eben noch die Sonne schien. Es gibt aber auch die andere Spielart instrumenteller Musik, die von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, dass es dreckig enden wird. Es sollte klar sein, dass man sich in einen Mosh-Pit schwerlich hineintasten kann, sondern alles was man hat, hineinwerfen muss, um sich anschließend treiben zu lassen. And So I Watch You From Afar kreieren ihre Musik auf diese Art und Weise. Die Nord-Iren haben mit ihrem selbstbetitelten Erstling anno 2009 schon für offene Münder gesorgt, angesichts solch kompromisslos-energetischer Gitarren-Musik. Unglaublich tight und auf den Punkt aggressiv formulierten sie ihr musikalisches Anliegen, das aber jenseits von purem Gefrickel lag. Und so viel sei versprochen: dieser Ansatz liegt auch im Jahr 2011 den wahnwitzigen Brechern der Belfaster zugrunde. And So I Watch You From Afar – Gangs (Album-Performance bei den Bandwidth-Sessions) "BEAUTIFULUNIVERSEMASTERCHAMPION". Wer sein Album mit solch einem Song-Titel in Großbuchstaben eröffnet, pfeift auf Tief-Stapelei. Es geht zur Sache und dementsprechend mit einem furztrockenen "Hey!" auch schon kopfüber hinein in das neueste Instrumental-Abenteuer. Nach den ersten gehämmerten Akkorden bricht der Song nach 20 Sekunden bereits ab, um erstmals filigranen und verspielten Gitarren-Linien Platz zu machen. Gefühlte fünf Breaks später ist der Opener gerade mal eineinhalb Minuten alt und im gleichen Tempo geht es weiter. Im weiteren Verlauf des Stücks finden sich dann noch Hall-befrachtete Gitarren-Wände und Tapping-Finger-Übungen aus dem Metal-Grundkurs. In diese ersten knapp sechs Minuten packen ASIWYFA bereits alles, was sie auszeichnet: Energie, Spiellaune und eine extrem eng angebundene Rhythmusfraktion, vor der man den Hut ziehen muss. Sie schnürt letzten Endes alles zusammen, was die Melodie-Führer so an Eskapismus betreiben. Nicht nur das, Drums und Bass verstehen es über die gesamte Spielzeit, mit unvermittelten Dynamik-Wechseln die Spannung oben zu halten und werden somit zum elementaren Bestandteil der Stärke dieser Platte. Kritische Geister könnten anmerken, dass mit dem Opener bereits alles gesagt ist und der Rest sich in Variationen der gleichen Turn-Übung genügt. Doch diese Sichtweise verkennt, dass das Quartett seine bewährte Formel immer wieder gekonnt in neue Kontexte setzt. Als zentrales Stück ließe sich an dem Punkt noch das zweigeteilte "Homes" anführen. Mit dem kurzen und verspielten "Ghost Parlor KA-6 to..." wird ins allumfassende 9-Minuten-Epos "...Samara To Belfast" übergeleitet. Verträumte Klanglandschaften finden hier genauso Platz wie halsbrecherische Math-Rock und Post-Hardcore-Ausbrüche. In diesem Song beweist sich zu jeder Minute die Stärke dieser Band: immer wieder im richtigen Moment mit druckvollen Gitarren-Arrangements um die Ecke zu stürmen, sodass der Hörer gar nicht dazu kommt, von Ödnis und einfallslos-repetitivem Post-Rock-Einerlei zu faseln. Diese vier jungen Herren wissen, dass sie vor allem mit einer Sache überzeugen können: mit ansteckender Spielfreude. Und die stellen sie über eine Dreiviertelstunde erneut auf höchstem Niveau unter Beweis. Fasten your seatbelts, please!
Visions August 2011
Platte des Monats - August 2011!