Das Multikulturelle ist längst Teil unseres Lebens, und dass asiatische Samples sich gut mit Beatbox und Scratches vertragen, irritiert niemanden mehr. Asian Dance - ein schöner Bastard. Früher wäre so etwas unter Ethnopop gelaufen, aber Ethnopop ist nur was für die Toleranten. Asian Dance dagegen ist was für Trendsetter, die eine Sitar hören, weil sie cool klingt, und nicht, weil man mit ihr Solidarität ausdrückt. Dass das Asian Dance spielende Spaceport Orkestra Of Benares seine Heimat in Oberbayern hat, ist da nur eine weitere Skurrilität im irrwitzigen Eintopf dieses Genres. Bollywood-Soundtracks, House, krautige Elektronik - klingt alles irgendwie zusammen, passt alles. Irgendwie. Eklektizistisch, aber schwer in Ordnung. (fis)
Das Label über die CD
Spaceport Orkestra Of Benares, das sind Andreas Kraus und Tobias Ott. Auf der Jagd nach russischen Soundtracks und sowjetischem Vinyl pendelt Andreas Kraus zwischen seiner bayerischen Bergheimat und seiner Wohnung am Kosmonauten-Boulevard in St.Petersburg. Andreas ist zuständig für alle Tasten im Spaceport-Tower. Der Drumcomputer läuft zu selbst eingespielten Percussion-Loops. Ornamentale indische Tonfolgen gehen eine Symbiose mit minimalistischen Basslinien ein. Tabla, Ghatam, Maultrommeln, Kalimba, Vibraphon, Dulcimer, Harmonium, Bandecho, Hallspiralen. Am Studiohimmel hängen Geigen: keine Sammlerstücke - alles wird auch intensivst genutzt. Spaceport braucht in seinem Studio vor allem für eines immer wieder Raum: Bassfrequenzen aus den Urtiefen des Dub, die auch die Fensterscheiben von King Tubby und Prince Far I zum Scheppern gebracht hätten. Dazu ein tiefer Griff in Tobias´ Sample-Schatzkiste - Resultat musikalischer Expeditionen nach Indien und Afrika. Vor Jahren spielte Tobias Ott als DJ in München übrigens in erster Linie Dancehall-Reggae. Seine Faszination für gebrochene Beats entwickelte sich schließlich in den 80er Jahren nach und nach durch Konzert-besuche von Hip-Hop-Veteranen wie Grandmaster Flash & The Furious Five, Whodini, Kurtis Blow...
Spaceport Orkestra Of Benares machen keinen Allerwelts-Abtanzsound mit modischem Indien-Touch. Das indische Element bei Spaceport hat Substanz: Tobias hat 15 Jahre lang nordindische, hindustanische Klassik (Tabla) bei Shankar Lal studiert. Auf dem Karnataka College of Percussion, Bangalore, bildete er sich in südindischer, karnatischer Klassik (Ghatam) aus. Den Brückenschlag zwischen Benares und Breakbeats kann er bestens erklären: Die 16 Knöpfe seines Analog-Sequencers entsprechen nun mal den 16 Zählzeiten der beliebtesten indischen Tala: Teental. Ehe Tobias seine weiten musikalischen Umlaufbahnen zog, unter anderem auch am Schlagzeug einer Trip-Metal Band oder bei Embryo, Oregon und Chris Karrer (Amon Düül), spielte er zehn Jahre lang die abendländische Geige. Nicht bloß fahles Zitat mit bisschen Klassikeinschlag: beim Spaceport Orkestra wird der Introitus zu Mozarts Requiem zum neuzeitlichen Tribut an die ersten Helden des Weltraums.
(Popup Records)