Damit hatten wohl die wenigsten Fans gerechnet: Ronnie Montrose (leider am 3. März 2012 verstorben), reaktivierte 2000 seine zweite Band Gamma, und zwar mit Ausnahme des (der) Keyboarder(s) in der Besetzung von 2 und 3, und legte nach 18 Jahren Pause ein 4. Album vor.
Mit "Darkness to Light" geht es gut los. Ruhige Passagen mit dem neuen Orgler Edward Roth wechseln sich ab mit Heavy-Parts, in denen Ronnie sein typisches Gitarrenspiel zelebriert. Und Supersänger Davey Pattison klingt immer noch wie anno 1979-82. "Love Will Find You" ist eher belangloser Poprock, aber mit einem schönen Gitarrensolo von Mr. Montrose. "Resurrection" hat die von mir (in der Rockmusik) so ungeliebten Bläser (überhaupt nicht Gamma-mäßig), trotzdem auch ein schönes Saxofonsolo von Edgar Winter, dessen Weggefährte Ronnie einst war. In Zeiten von so unbekömmlichen Fertiggerichten wie "Mr. Saxobeat" ein echter Gourmet-Schmaus! Auch "Oh No You Don't!" hat die (zu vielen) Bläser. Geht flott ab, und Edgar liefert sich ein gelungenes Duell mit Ronnie. Beide Songs entfernen sich aber schon extrem vom gewohnten Gamma-Sound. "Bad Reputation" liefert im Mittelteil wieder die bekannte Gamma-Atmosphäre, die die ersten drei Alben so einzigartig machten. Leider eben nur im Mittelteil!
"Last Man On Earth" ist wohl der beste Song von 4. Er beginnt mit einem von Keys untermalten Gitarrenpart und geht dann in einen Blues-Rhythmus über, der besonders wegen Daveys Gesang Erinnerungen an das fantastische "Voyager" von 2 aufkommen läßt, ohne freilich qualitativ mithalten zu können. Ungewohnt klingt die Akustikballade "The Only One", die eher zu Bob Seger passen würde. In "Out of these Hands" slidet sich Ronnie ausführlich durch einen Song, der auch von Deep Purple stammen könnte. "Prayers", wieder ungewöhnlich für Gamma, ist eine folkige Akustiknummer mit Streichern. Paßt eher in die frühen 1970er. Auch der letzte Song, "The Low Road Home", ist akustisch mit einem gewissen Led Zep - Touch. Fein, aber irgendwie nicht Gamma!
Sehr durchwachsen, das letzte Werk dieser Band. Gelegentlich fühlt man sich an die guten alten Zeiten erinnert, andere Male vor den Kopf gestoßen. Fazit: Mithalten mit den drei Klassikern von 1979-1982 kann die Nr. 4 nicht, aber hörenswerte Songs enthält es auf jeden Fall.