beim Verlassen eines Gebäudes durch eine automatische durch Lichtschranken gesteuerte Tür darüber nachgedacht, dass diese Tür einfach zubleiben würde und Sie im Gebäude gefangen wären?
Nein? Dann sollten Sie Philip Kerrs "Game over" lesen! Wahrscheinlich würden Sie danach selbst beim Betreten eines Fahrstuhls ein wenig länger darüber nachdenken, wie so ein Teil überhaupt funktioniert.
In L.A. steht ein neues Hightech-Bürohochhaus kurz vor seiner baulichen Endabnahme. Es ist das modernste Gebäude seiner Zeit, komplett gesteuert über einen Computer. Über Sprachindentifizierung und Wärmesensoren weiß dieses Superhirn immer, welche Personen sich wo im Gebäude aufalten, wer rein und wer raus darf, er steuert die Klimaanlagen, die Reinigungsroboter, die Toilettenspülungen und empfängt seine Besucher mit einem dreidimensionalen Hologramm einer sprechenden Schönheit am Empfangstresen. Das Hightech-Hochhaus soll zum Prestige-Objekt des Star-Architekten Ray Richardson werden, auch wenn die Fengshui-Beraterin des Bauherrn einige Bedenken anzumelden hat. Der erste Tote, ein Programmierer, scheint noch einem Unfall zum Opfer gefallen zu sein, doch beim zweiten Toten muss man schon von Mord ausgehen. Bei der Generalprobe zur Überprüfung aller Gebäudefunktionen am Freitagabend, schließt der Computer plötzlich alle Ausgänge und kappt die Kommunikationswege nach außen. Was zuerst einfach nur ärgerlich für die knapp 20 Menschen im Inneren des Hochhauses erscheint, entwickelt sich schnell zu einem Horror-Sezenario, bei dem es am Ende ums nackte Überleben geht.
In rasantem Tempo führt Kerr seine Leser durch die Geschichte, ist dabei wenig zimperlich, aber stets glaubwürdig. Was mir wieder einmal nicht gefallen hat ist, dass Kerr sich auf zu viele Charaktere verstrickt, von allen weiß man ein bisschen was, aber nicht genügend um sich ihnen näher zu fühlen. Wieder gibt es keinen Protagonisten, mit dem man sich ereifern oder mit dem man mitfiebern könnte. Und so sind auch die ersten 50 Seiten wirklich abschreckend träge, vollgespickt mit Namen, die man sich echt nicht merken kann. Lesen Sie ruhig darüber hinweg, Sie bekommen die Personen sowieso noch näher vorgestellt, sobald die Türen des Gebäudes geschlossen sind. Dann entwickelt sich der Roman nämlich zu einem echten Pageturner, den Sie nicht mehr aus der Hand legen!