Die Videospielumsetzung zu George R.R. Martins Fantasy Epos "Das Lied von Eis und Feuer" wurde in der Fachpresse nicht gerade mit Lobhymnen überschüttet. Auch hier auf Amazon sind die positiven Meinungen eher verhalten. Deshalb muss ich hier mal eine Lanze für "Game of Thrones" das Videospiel brechen.
Vielleicht 1-2 Sätze zu meiner Person:
Ich selbst bin Anfang 30 und zocke solange ich denken kann. Bevorzugtes Genre war und ist das RPG. Angefangen bei den ersten Final Fantasy und Elder Scolls Teilen, bis hin zu aktuellen Titeln wie The Witcher oder Skyrim. Ich mag mir also die Dreistigkeit erlauben und mir in diesen Genre eine gewisse Fachkenntnis zuschreiben.
Aber nun zurück zum Thema:
In Game of Thrones stehen zwei Personen im Vordergrund. Der eine ist Ser Mors Westford, ein echt harter Hund und ein Mann für's Grobe. Nachdem Mors einen Befehl seines Lehnsherren verweigert hat, beschloss er das Schwarz anzuziehen und ein Bruder der Nachwache zu werden, jene tapferen Männder an der großen Mauer, die das Land vor den Schrecken des Nordens beschützen. Der zweite Hauptcharakter ist Lord Alester Sarwyck. Eigentlich der Thronerbe von Flussrath, verließ Alester die Sieben Königslande nach der großen Rebellion von Robert Baratheon und wurde ein Priester des Gottes R'hllor. Doch als sein Vater völlig überraschend stirbt, macht sich Alester auf den Weg zurück um sein rechtmäßiges Erbe anzutreten.
Dem Spieler gleich zwei Hauptcharaktere vorzusetzen, ist für Rollenspiele eine echte Seltenheit und dient in den meisten Spielen nur dazu, einen Koop-Modus zu rechtfertigen. Anders in Game of Thrones. Als Rollenspiel ist es ganz klar auf die Singleplayer-Erfahrung ausgelegt und so wechselt man in jedem Kapitel zwischen Mors und Alester hin und her. Was am Anfang etwas merkwürdig anmutet, wird im Laufe des Spiels zum echten Vorteil. Nicht nur das sich die beiden Herren ganz unterschiedlich spielen, man bekommt am Ende vieler Kapitel auch noch einen schönen Cliffhanger vor die Nase gesetzt. Will man wissen wie es mit Mors weitergeht, muss man sich durch das Kapitel mit Alester kämpfen. Das ist ein sehr guter Kniff um den Spieler bei der sprichwörtlichen Stange zu halten und ihn dauerhaft zu motivieren. Denn der größte Pluspunkt von Game of Thrones ist die großartige Story, man möchte immer wissen wie es weitergeht.
Wer die fantastische Serie von HBO kennt und/oder die Bücher von George R.R. Martin gelesen hat, weiß ziemlich genau was ihn storytechnisch in dem Spiel "Game of Thrones" erwartet: Eine Story voller Intrigen, Wirrungen und Wendungen. Die Mitarbeit des Buchautors ist diesmal nicht nur eine hole Phrase, sondern man merkt Game of Thrones an sehr vielen Stellen die Zusammenarbeit an. Da wären zuerst die Dialoge, die zu den besten gehören, was ich je in einem Videospiel hören durfte. Sie sind ebenso geschrieben wie in den anderen Medien und hier wird wirklich kein Blatt vor dem Mund genommen. Fäkal- und Gossensprache ist hier genauso an der Tagesordnung, wie wohlgewählte und bedeutungsschwangere Reden. Das fängt die Atmosphäre der Vorlage(n) perfekt ein und auch wenn die Gespräche und Diabloge mit den NPCs einen sehr hohen Spielanteil haben, werden diese nie langweillig und man folgt gebannt jeder einzelnen Silbe.
Das gleiche gilt in ähnlicher Weise für die Charaktere. Hier gibt es nirgendwo stereotypen, keine weißen Ritter oder schwarze Hexenmeister. Alle Charaktere, denen man in Game of Thrones über den Weg läuft sind grau und haben ihre eigenen Vorstellungen von Moral und Stärke. Auch die beiden Hauptcharaktere Mors und Alester sind keine Strahlemänner. Mors ist zwar im Herzen ein guter Kerl und ehrbahrer Mann, seine Methoden sind aber hart und äußerst brutal. Alester dagegen würde alles tun, um seine Heimatstadt zu retten und den Thron zu besteigen. So hat jeder Charakter seine eigenen Motivationen und vertrauen kann man als Spieler grundsätzlich Niemanden.
Das hat natürlich große Auswirkungen auf die Story. Diese beginnt etwas schleppend, sorgt aber mit einer schnell ansteigenen Spannungskurve dafür, das man vor dem Bildschirm gefesselt wird. Die ständigen Handlungswechsel und Wendungen sorgen für offene Münder und für die eigentlich Sogwirkung die das Spiel ausmacht. Man will einfach Jederzeit wissen, wie es weitergeht und fiebert regelrecht dem großen Finale entegegen. Doch auch davor gibt es etliche Höhepunkte in der Handlung.
Dabei hat der Spieler hohen Einfluss auf bestimmte Abläufe innerhalb der Geschichte. Durch verschiedenste Gesprächsoptionen, wie man es aus Bioware Titeln wie Dragon Age oder Mass Effect kennt, kann der Spieler Personen so beeinflussen, das das Spiel in eine andere Richtung verläuft. Am Ende muss man sich sogar für eines von zwei möglichen Enden entscheiden. Klasse.
So Überragend die Story ist, so viele Macken hat das Kampfsystem. Grundsätzlich laufen die Kämpfe in Echtzeit ab, man kann das Geschehen aber Jederzeit pausieren, um seinem Charakter und den Partymitgliedern bis zu 3 Befehle zu erteilen. Die Zeit läuft dabei in Zeitlupe weiter, man muss sich also bei der Vergabe der Befehle ein bisschen sputen. Die Balance ist dabei das eigentliche Problem. Zwar sind die Gegner nicht sonderlich intelligent, greifen aber immer in der Überzahl an. Während unsere Party maximal 3 Mitglieder beinhaltet, werden wir nicht selten von doppelt so vielen Gegnern verprügelt. Im normalen Schwierigkeitsgrad endet das sehr häufig mit dem Tod des Spielers, was sehr frustrierend ist. Der leichte Schwierigkeitsgrad dagegen ist zu einfach und die Kämpfe werden zur anspruchslosen Routine. Also beißt man lieber auf dem normalen Schwierigkeitsgrad die Zähne zusammen. Das bietet dem Spieler genügend Gelegenheiten die vielen Fähigkeiten auszuprobieren, die man mit seinen beiden Waffenbrüdern Mors und Alester erlernt.
Die Fähigkeiten werden über ein Ringmenü eingesteuert, was überraschend komfortabel funktioniert. Wie oben schon erwähnt, spielen sich Mors und Alester grundlegend anders und beide haben unterschiedliche Fähigkeiten. Das führt zu einem weiteren Problem in der Balance des Kampfsystems. Einige Fähigkeiten sind einfach übermächtig und andere Fähigkeiten bringen absolut nichts. Verskillt man sich, kann es also sein, das man sich sehr lange mit schwachen Attacken durch die Gegner prügelt muss und das ganze zur Zereissprobe wird. Hat man dagegen schnell die übermächtigen Fähigkeiten identifiziert, setzt man quasi nur noch diese ein (mit geringen Ausnahmen) und die Kämpfe werden wieder zum anspruchslosen Geknüppel.
Das ganze ist sehr schade, denn das Charaktersystem ist wirklich gut gelungen. Zu Beginn wählt man jeweils für Mors und Alester eine von drei unterschiedlichen Klasse. Mors kann zum Beispiel ein Lehnsritter werden, der sich besonders gut auf defensive Manöver versteht. Alester dagegen kann den Weg des Wassertänzers einschlagen. Dann verzichtete er komplett auf mittlere und schwere Rüstung, bekommt aber Boni auf Wendigkeit und Schnelligkeit. Je nachdem welchen Weg man geht, schaltet man unterschiedliche Talentbäume frei. Bei einem Levelauftstieg bekommt man 2-3 Punkte, die man frei investieren kann. Hierbei muss man sagen, das man in Game of Thrones im Vergleich zu anderen Rollenspielen relativ selten eine neue Stufe erklimmt. In der Regel beendet man das Spiel mit Level 15, bei Level 16 ist dann aber auch endgültig Schluss. Trotzdem bekommt man genügend Punkte um sich in den Talentbäumen auszutoben. Im Spielverlauf kommen noch zwei weitere Talentbäume hinzu. Einer für die Spezialisierung der jeweils gewählten Klasse und ein weiterer für die speziellen Eigenschaften von Mors bzw. Alester. Alester greift auf die Macht seines Gottes R'hllor zurück, womit er zum Einen Gegner und seine Waffen in Brand stecken kann und zum Anderen sich oder seine Verbündeten heilen kann. Mors dagegen setzt voll auf seinen treuen Kampfhund und kann ihm besondere Befehle erteilen. Rollenspieltypisch gibt es die typischen Attribute wie Stärke, Ausdauer und Glück und Skillpunkte für die unterschiedlichen Waffen- und Rüstungsarten im Spiel.
In den Tests der großen Magazine(z.B. Gamepro) wurden die sehr kleinen Schauplätze negativ hervorgehoben. Ja, es stimmt die Schauplätze in Game of Thrones sind recht klein. Es gibt keine offene Spielwelt wie in Sykrim und die Areale sind sogar noch kleiner und limitierter als bei Dragon Age. Für erkundungsfreudige Spieler ist Game of Thrones also die falsche Wahl. Nachdem ich hunderte von Stunden in Himmelsrand verbracht habe, war ich aber froh über ein Spiel, was mich mal wieder etwas an die Hand nimmt und führt. Sicherlich gibt es auch optionale Nebenmissionen, diese sind aber immer relativ schnell erledigt, so das man sich wieder auf die Hauptstory konzentrieren kann. Weiterhin wurden die verwinkelten Orte und die Karte kritisiert. Man würde sich aufgrund der Architektur der Schauplätze ständig verlaufen und man müsste alle 2 Minuten auf die Karte schauen. Meiner Meinung nach, stimmt das so nicht. Man hat im Display oben rechts eine Mini Map, die mit einem Pfeil den Weg zum nächsten Questziel anzeigt. Natürlich kann man nicht schnurstracks der Richtung des Pfeils folgen, sondern muss manchmal um Ecken gehen oder verschlungenen Pfaden folgen.
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