"Game Generations" behandelt im ersten Kapitel die Entstehungsgeschichte des Videospiels und zählt bedeutende Klassiker auf, bietet im zweiten Kapitel eine Reihe von Interviews mit teils mehr, teils weniger bekannten Entwicklern, im dritten drei "Star-Portraits" (wieso die nicht einfach mit im zweiten Kapitel enthalten sind, ist mir einigermaßen unklar), das vierte ist ein Pseudo-Interview mit Lara Croft, im fünften und sechsten geht's um Retro-Entwicklungen neuerer Zeit (wobei mir auch hier wieder die Aufspaltung in zwei Kapitel nicht ganz einleuchten will), und das siebte schließlich behandelt die Edutainment-Sparte.
Richtig gut und informativ sind von alldem eigentlich nur die Interviews, der ganze Rest wirkt irgendwie recht inkompetent.
Das erste Kapitel ist einfach nur komisch. Komisch, dass Magdans das Mega Drive für die erste Konsole von Sega hält. Komisch, dass er behauptet, erst mit der 32-Bit-Prozessorgeneration seien Sound und Musik für Spiele wichtig geworden (!). Komisch, dass er meint, "Command & Conquer" und "Heroes of Might and Magic" (!!!) seien die ersten Echtzeitstrategiespiele gewesen. Komisch, dass er Klassiker wie "Zak McKracken and the Alien Mindbenders", "Cool Spot" und "Morrowind" noch nicht einmal richtig schreiben kann. Komisch, dass solche Legenden wie "Bomberman", "Civilization", "Warcraft" (ohne "World of") oder "Rebel Assault" entweder überhaupt nicht oder nur als Randnotiz erwähnt werden. Komisch, dass jemand mit so wenig Ahnung ein Buch über Videospiele schreibt. Man mag einwenden, die aufgelisteten Punkte seien kleinlich, ja haarspalterisch. Für jeden für sich genommen ist das sicher richtig, doch in der Masse betrachtet lassen sie mich an der Kompetenz des Autors zweifeln. Wodurch ich mich dann frage, welche anderen Fehler auf Gebieten, in denen ich mich nicht so gut auskenne, mir entgangen sind? An dieser Stelle verliert das Buch dann als Informationsquelle seine Daseinsberechtigung.
Diese hat es einzig und allein durch die Interviews. Denn die "Star-Portraits" befassen sich nicht wirklich mit Stars, das sogenannte Lara-Croft-Interview ist infantil, dümmlich und peinlich, das Retro-Kapitel ist zwar ganz nett, beschränkt sich aber auf wenige Beispiele und kratzt nur an der Oberfläche, und das Edutainment-Kapitel schließlich finde ich schlicht uninteressant. Unterm Strich bleibt Frank Magdans nur der (allerdings sehr große) Verdienst, all die informativen Entwicklerinterviews, mit teilweise wirklich großen Namen der Branche, zusammengetragen zu haben. Dafür gibt's auch die drei Sterne.
Schade nur, dass die Übersetzung aus dem Englischen oft so holprig ist. Wie überhaupt die Sprache eine weitere Schwäche des Buches ist. Neben Rechtschreibfehlern nervt die aufgesetzt wirkende "Kiddie-Sprache". Wieso muss z.B. ständig von "Games" die Rede sein, kann man nicht einfach "Spiele" dazu sagen? Und was sollen Kommentare wie "Cool!" oder "Obergeil!" in einem Buch, das ich auch nur halbwegs ernst nehmen soll? Falls das ein Versuch des Autors gewesen sein sollte, sich seiner vermeintlich flippigen Zielgruppe schamlos anzubiedern, hätte er über eben diese Zielgruppe erstmal gründlicher nachdenken sollen... Für geistig Fünfjährige hat das Buch nämlich zuviel Text, während reifere Leserschaft sich durch den Stil (oder Mangel desselben) dezent veräppelt vorkommen könnte.