In meinen Augen die gelungenste Aufarbeitung DES Traumas der neueren australischen Geschichte. Zum Hintergrund: Eine schlecht vorbereitete und selbst für Maßstäbe des 1. Weltkriegs besonders kaltschnäuzig mit großen eigenen Verlusten kalkulierte Entlastungsoffensive der Ententemächte wird statt einem erhofften Spaziergang zur militärischen Katastrophe. Zu den laut Foch "zum Verbrauch" bestimmten Truppen im Kampf gegen die mit Deutschland verbündete Türkei gehören große Kontingente australischer Soldaten, die erst recht bedenkenlos geopfert werden, da sie ja aus den "Kolonien" stammen.
Auf das Schlachtfeld kommen die beiden Hauptdarsteller erst zum Schluss. Vorher nimmt sich Weir viel Zeit für die Entwicklung der erst konkurrierenden Freunde, die sich für den Krieg in Europa freiwillig melden, und lässt immer wieder Nebenfiguren das Absurde des bevorstehenden Einsatzes auf den Punkt bringen (Australier kämpfen in der Türkei gegen Deutschland?). Der lange Weg zum Schlachtfeld bietet viel Raum für die Entwicklung der Figuren und der noch junge Mel Gibson zeigt hier schon, dass er das Zeug zu einem großen Schauspieler hat. Aus der Schlacht (den Schlachten) bekommen wir nur kurze Ausschnitte, aber das ist nicht wichtig, da hier kein Abriss der Schlacht geboten werden soll und eine Abfolge von Gemetzeln nicht nötig ist, um das sinnlose Umbringen aufzuzeigen. Implizit stehen neben dem Bekenntnis gegen den Krieg zwei Fragen im Raum, die zum Zeitpunkt des Films in AUS überaus kontrovers diskutiert wurden: War die Teilnahme Australiens im 1. WK. richtig? Wenn ja, können wir je akzeptieren, wie damals unsere Väter, Brüder und Söhne auf die Schlachtbank geführt wurden? Hier ist der Film eine eindeutige Stellungnahme Weirs.