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Galizien: Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina (insel taschenbuch) [Taschenbuch]

Martin Pollack
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

23. Juli 2001 insel taschenbuch (Buch 2747)
Wer kennt heute noch Galizien? Wer weiß noch, wo es liegt — oder besser, wo es lag? Denn Galizien gibt es nicht mehr. Es ist von der Landkarte verschwunden. Sein westlicher Teil gehört heute zu Polen, sein östlicher zur Ukraine.Joseph Roth, der vielleicht beste Kenner dieser Welt, aber auch viele andere Schriftsteller entstammen jener Gegend. Der jüdische Witz war hier zu Hause und die chassidischen Wunderrabbis, die im »Städtel« die uneingeschränkte Macht darstellten. Martin Pollack lädt den Leser ein zu einer Reise in diese faszinierende und verlorengegangene Welt, beginnend im jüdisch-ukrainisch-polnischdeutsch besiedelten Ostgalizien über die Bukowina - der Heimat Paul Celans und Rose Ausländers —, wo noch Rumänen, Ungarn, Slowaken, Armenier, vor allem aber Zigeuner sich unter das Völkergewirr mengten, bis nach Lemberg, der Hauptstadt des Kronlandes Galizien. Zeitgenössische Photographien ergänzen dieses Reisebuch in die Vergangenheit.

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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus einem unbekannten Land 7. September 2010
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Galizien und die Bukowina, die beiden fast vollkommen vergessenen Landschaften Osteuropas, erstreckten sich von den heute südostpolnischen Städten Tarnow und Przemysl bis nach Tschernowitz in der Südukraine. Es war eine multikulturelle Welt aus Ruthenen (Ukrainern), Polen, Juden, Deutschen, Rumänen, Zigeunern aber auch so kleinen Völkern wie Lemken, Bojken und Huzulen, die im 19. Jahrhundert in einem einzigen Reich vereinigt war - der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Politisch maßgeblich waren die Polen, die seit 1861 eine innere Autonomie zur Polonisierung Galiziens nutzten, um von hier aus in der Epoche der polnischen Teilung die Wiedererstehung Polens voranzutreiben. Ein geradezu babylonisches Sprachengewirr beherrschte diese Region, notdürftig konturiert, durch das verwaschene Armeeslawisch und durch Deutsch, die Sprache der Gebildeten, an die sich vor allem die Juden zur Abgrenzung von Polen und Ukrainern orientierten. Geprägt waren diese Landschaften von einer schreienden Armut - die Landwirtschaft war nicht nur rückständig sondern auch noch durch hohe Bevölkerungszuwachse belastet, was zu ethnischen Spannungen und schließlich zu Auswanderungswellen nach Amerika und ab den Achtziger Jahren auch nach Mitteleuropa führte. Im Mittelpunkt dieses Wandels stand die jüdische Bevölkerung, teilweise ergriffen von orthodox-chassidischen Bewegungen, teilweise fortschrittlich, gebildet und deutschfreundlich gesinnt. Sie waren vorwiegend im Bildungswesen, im Handel und Geldverleih beschäftigt und wurden, wie Reymont in seinem monumentalen Werk Die Bauern" zeigt, geduldet aber nicht geliebt.... Lesen Sie weiter... ›
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52 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So fern, so nah : Galizien 18. Februar 2003
Format:Taschenbuch
In dem halben Dutzend Kaffeehäuser, die die Kleinstadt Stryj um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert aufzuweisen hat, liegen „polnische, ruthenische, jiddische, deutsche und ausländische Zeitungen" auf. Mithin sind Polnisch, Ruthenisch bzw. Ukrainisch, Jiddisch und Deutsch keine fremden Idiome, sondern Landessprachen. Im selben Zeitraum wird im „Kaiser-Café" am Elisabethplatz in der 80.000 Einwohner zählenden Stadt Czernowitz nicht nur echtes Pilsner vom Fass ausgeschenkt, sondern es liegen gar, sage und schreibe, einhundertsechzig Tageszeitungen auf - „die Czernowitzer waren geradezu fanatische Zeitungsleser". Stryj und Czernowitz stehen für Galizien und die Bukowina, zwei Länder, die bis 1918 zum Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gehörten. Ohne einige der dort gebürtigen Dichter - auch wenn etliche erst in der Zwischenkriegszeit zu schreiben anfingen, zu einer Zeit also, da Galizien wieder zu Polen gehörte und die Bukowina Rumänien zugeschlagen worden war - wäre die deutsche Literatur um einiges ärmer : Gemeint sind nicht nur Joseph Roth und Paul Celan, sondern auch Rose Ausländer und Soma Morgenstern, oder etwa Karl Emil Franzos und Manès Sperber. Derweil in der Gegend von Drohobycz fieberhaft nach Erdöl gebohrt wurde, lebten in den Waldkarpaten solche eigentümliche Völker wie die Lemken, die Bojken und die Huzulen, anderswo auch noch Ungarn, Slowaken, Armenier, Lipowaner und Zigeuner, und während in Österreich-Ungarn die Juden noch nicht einmal 4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, stieg ihr Anteil in besagten, ehemaligen Kronländern auf gut 10 Prozent, um mancherorts, in den sogenannten Schteteln, gar 90 Prozent zu erreichen.... Lesen Sie weiter... ›
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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Imaginäre Reise durch eine verschwundene Welt 16. April 2002
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wo liegt Galizien? Sogar geografisch ist die Frage nicht eindeutig zu beantworten, denn Galizien gibt es zweimal. Historisch fiel die Antwort bislang ebenso schwer, aber dank dieses Büchleins fällt sie leichter. "Galizien" schildert mit sanften, aber niemals seichten Worten, was wir alles verloren haben, indem wir zuließen, dass eine der heterogensten Kulturlandschaften - im Grenzdreieck von Mitteleuropa, dem Balkan und der russischen Weite - für immer zerstört wurde.
Insofern schwingt auf jeder Seite des Buches Wehmut mit - eine Wehmut, die jedoch frei ist von Anklage oder Resignation. Indes lässt sie Heimweh aufkommen, nach einem untergegangenen Land, das ich nie besucht habe - und leider nicht mehr besuchen kann.

Stilistisch und sprachlich ist "Galizien" eine eher kurzweilige Lektüre, die - im besten Sinne - einem zeitgenössischen Baedecker enstammen könnte.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bloodlands 30. Juli 2011
Von B. Babbe VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Bei jedem Lesefortschritt war ich mehr beeindruckt. Ich las von einer bunten Welt von Völkerschaften in Galizien, in der Bukowina, die eigentlich gar nicht zusammenpassten, die dennoch in der Regel gut miteinander lebten - wenigstens einigermaßen gut - und die fast vollständig ausgelöscht wurden. Pollack gelingt es, mit vielen klug gewählten Zitaten an eine außerordentlich vielschichtige Lebenswelt zu erinnern in einem Zipfel unseres Kontinents, der inzwischen einfach vergessen worden ist. Gegen Ende meiner Lektüre begegneten mir die Besprechungen von "Bloodlands", und die unerhörte, unbegreifliche Absurdität der Vernichtungsmaschinerien von Hitler und Stalin erschütterte mich wieder und wieder. Bestimmt auch deshalb das Vergessen. Pollack verliert darüber kein Wort, und ich denke, das ist nicht schlecht. "Bloodlands" und "Galizien" zusammen zu denken, das kann ohnehin nicht ausbleiben. Und warum gerade dieses Buch lesen? Pollack einnert mit seinen Zitaten an eine Vielzahl von Dichtern, Denkern, Romanisten, Journalisten, Feuilletonisten, die nicht mehr für jeden zugänglich sind und die vielleicht auch nicht immer leicht zu lesen sind. Hier haben sie ihren Raum und ziehen in eine verlorene Welt hinein. Eine ohne Einschränkungen zu empfehlende Lektüre.
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