Die Vielzahl nichtlinearer Effekte, die sich beim Weg in die Heißzeit ergeben, läßt offenbar James Lovelock in seinem Buch Gaias Rache. Warum sich die Erde wehrt" zweifeln, daß die jetzige Industriezivilisation Bestand haben könnte. Faktoren wie das Global Dimming", also Luftverschmutzung, die uns über das bereits angestaute Potential an Klimawandel hinweggetäuscht hat, oder die gigantischen Methaneisvorräte, die bei einer Erwärmung freigesetzt würden, verweisen darauf, es wird eine finale Geisterfahrt werden. Es zeigen sich immer mehr positive Rückkopplungen, die den Erwärmungstrend erheblich zusätzlich anfeuern. Durch die Übernutzung weiter Teile der Biosphäre durch den Menschen, ist ihre Fähigkeit zur Selbstregulation der Temperatur bereits sehr angeschlagen.
Zwar setzt auch Lovelock auf die erneuerbaren Energien um diese Entwicklung abzubremsen, aber vor seiner eigenen Haustür sollten möglichst keine Windräder stehen. Der Geothermie und Gezeitenkraftwerken u.ä. mißt er Bedeutung zu. Keinen Fettnapf läßt er aus, um die Kernenergie anzupreisen als Klimaalternative, obwohl bei der Förderung des Urans und der Produktion der Brennelemente und ihrer Entsorgung auch erhebliche CO2-Emissionen entstehen. Der vielfältige Mix an Krankheiten, der infolge der Tschernobylkatastrophe entstanden ist bei der Bevölkerung in den stark kontaminierten Gebieten, scheint ihm völlig entgangen zu sein. Die Opferzahlen sollte man darüber hinaus nicht bei der internationalen Atomenergiebehörde abfragen, dies sind jene Zahlen, die die WHO nutzt. Ich denke, hätte es 2006 im schwedischen AKW in Forsmark geknallt, wäre in wenigen Jahren das Ende der meisten AKWs besiegelt gewesen. Auch bei einzelnen anderen Argumentationen stößt es einem unbehaglich auf.
Leider beschäftigt er sich nur auf wenigen Seiten damit, wie die heutige Welt sich auf ihren Untergang vorbereiten müßte. Man hätte mehr Substanz vermuten können anhand seines Artikels im Independent" vom 16.1.2006. Den Gedanken, daß sich der hohe Norden, Sibirien etc. als Areal einer neuen Zivilisation erweisen könnten, den teile ich. Andererseits ist es wahrscheinlich, die klimatischen und ökologischen Einschläge fallen so aus, daß dies nur noch auf gehobenen Steinzeitniveau gelingt. Darüber hinaus ist zu befürchten, daß auch hier Übernutzung in sensibler Umgebung zum Kollaps führen könnte. Zu berücksichtigen ist, nur 0,5 bis maximal 2 Milliarden Menschen wären so zu retten. Die Mehrheit wird diesen selbstverschuldeten Klimacrash nicht überleben. Wichtig ist ihm, daß das Wissen der heutigen Kultur in langlebigen Büchern gesichert wird, alles was computergespeichert wurde, ist definitiv verloren. Dieselbe Überlegung findet man in meinem Band Republik der Falschspieler" in meinem Requiem zur Zivilisation. Einige Gedanken widmet er auch, wie die Überhitzung der Erde durch Stoffaustrag in der hohen Atmosphäre oder andere Maßnahmen verzögert werden könnte. Damit muß man sich intensiv beschäftigen, freilich so, daß unliebsame Nebenwirkungen gering bleiben.
Siehe auch:
Carl Amery: Die Botschaft des Jahrtausends
Rudolf Bahro: Logik der Rettung
Hermann Scheer: Energieautonomie
Herbert Gruhl: Himmelfahrt ins Nichts
Marko Ferst u.a.: Wege zur ökologischen Zeitenwende