Am Anfang war die Gaggia!
Nach einen achtjährigen Intermezzo mit einem Vollautomaten. Inklusive der ersehnten Kaffeevollkaskoversichrung: Das heißt, Knöpfchen drücken und der Espresso/Kaffee/Cappuccino etc. kommt idiote sicher zum Vorschein. Nach Jahren in denen man sich mit Brüheinheiten, Heizspiralen und Bauanleitungen beschäftigte. Und >netten< Menschen die man jährlich kennenlernte, in irgendwelchen Reparaturbetrieben, die einen glaubhaft versichern wollten, dass man zu wenig Kaffee trinken würde, denn der Vollautomat funktioniert ja nur wenn man am Tag 50 Tassen zubereitet. Oder der unendlichen Zeit die man damit verbrachte, den Vollautomaten nach einer Anweisung aus dem Internet zu zerlegen, zu reinigen und wieder zusammenzubauen. Um nach vier Monaten das gleiche Prozedere wieder und wieder zu starten. Und irgendwann fragt man sich: > Das kann doch nicht alles gewesen sein!? Ich will doch nur einen guten Espresso trinken und keine Ausbildung zum Vollautomatenmechaniker absolvieren!<
Und so landet man zwangsläufig wieder am Anfang. Siebträger. Gaggia oder Saeco das war die Frage. Nach stöbern, begutachten und einlesen, haben wir uns für einen Gaggia Nero und eine Kaffemühle von Saeco (Lux) entschieden. Die nun in unserer Küche optisch ein schönes Ensemble bieten.
Zur Nero: Eine neue- alte Welt tut sich auf. Und diese macht einfach Spaß. Man geht anders an die Sache ran. Auf der Suche nach dem perfekten Espresso. Dem Kick diesen >selbst< mit eigener Hände Arbeit zu erzeugen. Man wird zum Puristen und lässt den Vollautomaten weit hinter sich. Ein Junkie des Espressos.
Die Nero, wirkt wertig. Das Styling ist klassisch elegant. Immerhin wird diese so oder >Baby< ähnlich, seit rund 20 Jahren gebaut. Ein Griff an den Nero Siebträger und zum Beispiel die alternative Saeco Aroma wirkt wie ein billiger Abklatsch. Stabil und robust der Nero Träger. Das Sieb ist zwar fest fixiert und am Anfang findet man es nervig, dieses immer mit den Fingernägeln rauszuziehen beim wechseln, aber beim späteren Abklopfen macht dieser Umstand wirklich Sinn. Leider gibt es kleine Wehrmutstropfen bei der Bedienung, die man einfach akzeptieren muss. Der Ein und Ausschalter ist an der Rückseite angebracht, ist dämlich denn da hat er eigentlich aus der Bedienung heraus nichts zu suchen und gelegentlich vergisst man die Maschine wieder auszuschalten. Und das nachtropfen der Düse beim Milchschäumen! Die Blende an der Frontseite ist sehr anfällig gegen Kratzer. Nach ein paar Tagen hatte diese sich schon gelöst. Und nun ist Sie hoffnungslos unansehnlich. Leider ist eine Ersatzbeschaffung über gaggia mit dem Kauf eines Trabi in der DDR zu vergleichen. Das Teil gibt es offiziell noch nicht, ist nicht gelistet, Beschaffung nicht möglich! Fast schon Peinlich die Angelegenheit, wenn man mit den Leuten von Gaggia spricht! Habe in der Zwischenzeit mir eine Blende beim >Blechner< aus Edelstahl poliert machen lassen. Eigentlich müsste ich auf Grund dieser Sache nur drei Sterne ..aber lassen wir das!
Aber unter uns, das entscheidende ist der Kaffee und der Schaum, das entstehende Produkt also.
Man braucht Zeit, nach ungefähr sechs Minuten Vorlauf und Wartezeit ist die Gaggia bereit zum finalen Akt.
Und der Indikator eines guten Espressos, das perfekte Crema kann angestrebt werden. Mit ein bisschen Übung, das heißt das Thema >stampfen< und wie stelle ich den Mahlgrad der Mühle ein, ist von größter Bedeutung, kann das Crema aller feinst geschafft werden. Ebenfalls wichtig, wer hätte es gedacht: Die Kaffesorte! Wir haben die Gaggia im Betrieb ohne besonderen >Crema Siebträger< und ja das Ergebnis kann unter Umständen außerordentlich sein. Der Espresso ist oft nahe dran am Perfekten und das mit alles im >Eigenbau<. Welch ein Genuss. Und falls ein Kaffe gewünscht wird. Kein Problem, Humpentasse drunter gestellt und los geht es. Was rauskommt ist ein außergewöhnlich guter Kaffee.
Wer morgens einen Cappucino wünscht, wird überrascht sein, das Aufschäumen funktioniert sehr geräuscharm und der resultierende Schaum, bei Verwendung der richtigen Milch mit entsprechender Temperatur kann überragend sein.
Fazit: Ja das ist es! Das Leben rund um den Espresso macht wieder Spaß! Wenn ich heute durch den Mediamarkt streife, durch kilometerlange Regale mit überteuerten Vollautomaten, und mit einem Ohr der Beratung der Möchtegern >Fachberater< folge, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Jeder muss und soll seine Erfahrung machen, aber eine Espressovollkasko wird es einfach nicht geben. Deshalb zurück zur Zukunft! Und die Gaggia Nero ist eine sehr gute Alternative zur teureren Baby bei gleicher Technik. Wir haben es nicht bereut, einen Schritt zurück und drei nach vorne zu gehen!