Nach ein paar anderen Espressomaschinen bin ich vor einem Jahr bei Gaggia gelandet. Inzwischen habe ich schon zwei Gaggias, da sich zu der "Coffee Classic" in Edelstahl noch eine "Espresso" im Kunststoffkleid (aber mit annähernd gleicher Technik bis auf das fehlende Magnetventil) gesellte. Generell halte ich die Coffee Classic für wirklich gut verarbeitet und mag ihre Optik sehr. In jedem Fall gehört zu so einer Maschine aber eine Kaffeemühle, da Espresso aus der Vakuumpackung für Siebträgermaschinen viel zu grob gemahlen ist. Sparen Sie nicht bei der Mühle, erst teurere Exemplare ab etwa 100 Euro mit Scheibenmahlwerk sind in der Lage, entsprechend feines Mehl zu erzeugen. Omas Mühle mit Schlagmahlwerk (Messer) ist leider nicht geeignet. Sehr lecker in der Coffee Classic schmeckt uns der Segafredo Selezione Oro, den wir mit einer Gaggia MDF-Mühle selbst mahlen. Der hohe Pumpendruck der Mashine erfordert fein gemahlenes und leicht angepresstes Pulver, belohnt dafür aber mit schöner goldbrauner Crema. Der Spruch "Espresso wie beim Italiener" trifft hier wirklich zu, und ich habe schon in manchem Eiscafe schlechteren Cappuccino getrunken.
Mein "Vorredner" schreibt, er sei vom Pflegeaufwand und der Reparaturanfälligkeit nicht so angetan. Gerade in diesen Punkten möchte ich widersprechen. Generell ist eine Siebträgermaschine, ob von Gaggia oder nicht, leichter zu pflegen als der Vollautomat. Der Kaffeesud und das Pulver kommen hier nur mit dem (außenliegenden !) Brühkopf und dem Siebträger in Berührung. Diese Teile müssen, da Espresso mit der Zeit klebriges Kaffeefett hinterlässt, bei jeder Maschine regelmäßig gereinigt werden. Dazu nimmt man beide Teile mit drei Schrauben ab (Kreuzschraubendreher, Inbus 5mm erforderlich). Macht man dies alle 1-2 Wochen, ist die Reinigung mit etwas Spülmittel ein Kinderspiel und dauert mit Ab- und Anschrauben höchstens 5 Minuten. Nur, wenn längere Zeit keine Reinigung stattfand, benötigt man spezielle Reinigungsmittel und -methoden. Grund ist, dass dann der Brühkopf mit der Maschine verklebt und nur gewaltsam zu entfernen ist. Bei besonders hartnäckiger Verschutzung kann der Brühkopf verstopfen, was man mit einem Defekt verwechseln könnte. Wer sich etwas Gutes tun will, tauscht den Brühkopf aus Alu für 22 Euro gegen ein baugleiches Messingteil aus und kauft für weitere 3 Euro einen "Blindfilter". Der Messingbrühkopf ist beständig gegen Kaffeefettlöser. In den Blindfilter, der statt des Siebs in den Siebträger kommt, füllt man einen halben Teelöffel Kaffefettlöser. Nun kann man durch so genanntes "Rückspülen" auch letzte Rückstände ohne Mühe entfernen. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist EspressoXXL, dort sind neben Ersatzteilen auch Reinigungsmittel und die genaue Anleitung zum Rückspülen erhältlich. Lohn der kleinen Mühen ist stets leckerer Espresso, denn natürlich leidet der Geschmack, wenn die Maschine schmutzig ist.
Im Vergleich dazu durchläuft der Kaffeesud bei Vollautomaten, aber auch Maschinen wie der Jura Subito das gesamte Gerät. Ich musste unzählige Male meine privaten Maschinen fast komplett zerlegen, weil die schmutzige Brühe bis in den hintersten Winkel gelangt war. Die Reparaturanfälligkeit bei Vollautomaten ist fast schon beängstigend, und ich empfehle jedem Interessenten derartiger Maschinen, zunächst die Erfahrungsberichte der möglicherweise leidgeprüften Besitzer zu lesen.
Und wenn tatsächlich an der Coffee Classic etwas kaputt geht? Der Austausch aller Komponenten ist nach Abnahme des Deckels (vier Kreuzschrauben) auch für Laien leicht durchführbar. Alle Teile sind einzeln per Bestellung erhältlich.
Ich kann nur an alle Espressomaschinenbesitzer apellieren, regelmäßig das Gerät zu reinigen. Entgegen manchen Herstellerbeschreibungen ist kein Gerät völlig wartungsfrei, und ebenso, wie man seine Kaffeetasse nach Gebrauch abwäscht, sollte man es auch mit den Teilen halten, die der Kaffee sonst noch durchfließt. Dann muss man sich weniger über den Service ärgern und hat mehr Freude am Espresso :-)