Die Bolena zählt zu meinen liebsten Werken. Diese Oper hat alles, was man sich nur wünschen kann. Es gibt gloriose Koloraturen zu hören, atemberaubende Spitzentöne, herrliche Dramatik und zerreißende Elegie und Melancholie. Edita Gruberova versteht es auf einmalige Weise den Charakter der gemarterten Königin auszuleuchten und verleiht der Rolle die nötige Tiefe. Ihre stimmlichen Fähigkeiten sind famous und sie ist den Anforderungen dieser Wahnsinnspartie uneingeschränkt gewachsen! Unvergleichlich sind ihre großen Arien, die beide mit dem dreigestrichenen es gekrönt werden und den Zuhörer in frenetisches Staunen versetzen, so sehr, dass man aufspringen möchte um ihr für die grandiose Leistung (vor allem im Finale des ersten Aktes und zum Ende der großen Wahnsinnsarie) stürmischen Beifall zu spenden.
Ihre Partner sind teilweise sehr mittelmäßig, was den Wert der Aufnahme etwas mindert. Speziell José Bros hat eine sehr dünne Stimme. Er wirkt neben der Gruberova zeitweise profillos und stimmlich kann er neben ihr nicht bestehen. Eine gute Figur macht weiterhin Delores Ziegler mit ihrem warmen und feurigem Mezzo von schöner Höhe und unbändiger Intensität. Insgesamt eine gelungene Aufnahme, deren Einzigartigkeit durch mittelmäßig gute Sänger verloren geht.
Elio Boncompagni dirigiert mit viel Schwung und Elan. Er stellt das Orchester in den Hintergrund und beeinflusst somit nicht das sängerische und darstellerische Geschehen. Weiterhin empfehlenswert sind die Aufnahmen mit Elena Souliotis und der Live - Mitschnitt mit Maria Callas in der Titelrolle. Hier stimmt dann auch das sängerische Umfeld der Primadonnen und lässt keine Wünsche offen!