Hier rücken die geniale Malerin Gabriele Münter und ihre Bedeutung in den Vordergrund!
Gabriele Münter ist meine Lieblingsmalerin.
Eingefleischten Kandinsky-Fans wird es nicht immer gefallen, daß er nicht so gut wegkommt, wie gewöhnlich, z.B. wie bei seiner 2. Frau Nina, deren Biographie nun wirklich durch und durch Parteinahme ist.
Fein herausgearbeitet das, meiner Meinung nach, teilweise parasitäre - geistig, seelisch und auch praktisch - aber nicht unübliche Verhalten eines Künstlers gegenüber Frauen.
Immerhin, an Münters Begabung habe Kandinsky stets geglaubt und sie durchaus gefördert.
Von der damals ungewöhnlichen "Wilden Ehe", in Künstlerkreisen zwar nicht selten, profitierte vor allem der Mann. Münter wäre fast an der Situation zerbrochen, besonders als sich diese unsichere Partnerschaft in der langen Auflösungsphase befand.
Jedoch trieb die ständige Reibung aneinander, die beiden zu ihren besten malerischen Werken, zumindest in den Anfangsjahren ihrer Beziehung.
Münter überstand die schwersten Zeiten, 1. und 2. Weltkrieg, konnte sich allmählich auch von ihrer zeitweiligen Verbitterung lösen. Trotzalledem blieb sie fast durchgehend schöpferisch in einem langen fruchtbaren Künstlerleben.
Die Jahre Ende 19., Anfang 20. Jh. waren schwierig für die bespöttelten "Malweiber". Nebenbei erfährt man auch noch einiges über die anderen Künstler um den "Blauen Reiter".
Ich kenne und liebe dieses Buch bereits seit Jahren, viele Male aus unserer Stadtbibliothek geliehen. Immerschon wollte ich es mir kaufen. Endlich ergriff ich die Chance und erstand günstig ein neuwertiges Exemplar. TB, schwarz-weiß bebildert, zusätzlich Farbtafeln.
Diese Biographie eines Künstlerpaares ist differenziert und feinfühlig geschrieben, aber nicht sentimental. Für die Malerei sollte man sich aber schon interessieren, sonst könnte es sein, daß man an den vielen Informationen darüber, keine Freude hat. Mir aber ist alles gerade passend, informativ und kurzweilig, ich habe nie genug davon, bei rund 800 Seiten!
Und wie der Titel verspricht - "Gabriele Münter und Wassily Kandinsky" - sie an erster, er an zweiter Stelle! Ob solche Wertung beabsichtigt war, spielt für mich keine Rolle. Münter wird nicht nur schmeichelhaft dargestellt, sondern vielschichtig.