Mit dem letzten Album von Marc Almond, "Stardom Road", war ich nicht wirklich glücklich. Dann bin ich aber mehr oder weniger zufällig auf dieses musikalische Kleinod gestoßen: Michael Cashmore (Current 93) hat zwei Gedichte des britischen Dichters Count Stenbock (1860 - 1895) vertont. Die Musik ist rein akustisch und nicht elektronisch verstärkt. Es dominieren die Instrumente Klavier, Akustikgitarre, Harfe, diverse Flöten und Geigen. Die Melodien sind bei beiden Stücken ruhig und wunderschön und fallen völlig aus dem gängigen Rahmen heraus; die Komposition ist exzellent. Wer auf Vergleiche steht: Enya passt am ehesten in die Richtung und ist doch Lichtjahre von dieser Schönheit entfernt. Die Stimme von Marc Almond passt wunderbar zu der gewählten Instrumentierung, weil er hier ausdrucksstark und doch unangestrengt singen kann.
Die Gestaltung dieser "Maxi-CD" ist ebenfalls erwähnenswert: Neben dem ästhetisch gemachten Cover gibt es ein sehr schönes Booklet aus hochwertigem Papier, in dem die (homoerotischen) Texte beider Gedichte abgedruckt sind.
Das einzige, worüber ich mich nach dem Hören geärgert habe war, dass Marc Almond und Michael Cashmore nur diese zwei Gedichte vertont haben; davon hätte ich mir ein ganzes Album gewünscht.