QUALITÄT
An der Verarbeitung der Countdown II gibt es Gore-typisch absolut nichts auszusetzen, die Qualitätsstandards und -kontrollen sind weiterhin sehr hoch. Ich hatte mir die Hose nach der ersten Fehlbestellung im Fachhandel genauer angesehen, in mehreren Größen und Farben probiert, erster Abgleich mit dem Online-Handel: man kann sie nach Foto und Größentabelle bestellen, soll heißen: sehen tatsächlich so aus wie abgebildet, satte Farben und tiefschwarze Applikationen und die Maße stimmen auch - zumindest mal die der Innenhose...
GRÖßEN UND SCHNITT
Als sonst typischer XLer brauche ich bei Gore die XXL, was aber in Ordnung geht, weil's auch so in der Größentabelle steht.
In XXL sitzt dann die Innenhose perfekt, aber die Shorts kommt als echtes Zelt daher. Unter dem passgenauen Bund geht es viel zu luftig weiter, alles schlabbert und suggeriert - gefühlt wie optisch - einen unifarbenen Schottenrock.
Super sitzt dagegen die Shorts der Größe XL, im Stehen okay und im Sattel einwandfrei - nur klemmt einem die XL-Innenhose alles ab, wie Kompressionswäsche der extremen Sorte.
Ideal ist also die XXL-Innenhose und die Shorts in XL, habe ich in der Kombi probiert und alles saß wie angegossen. Leider ist sie so nicht erhältlich, vielleicht wird's bei Gore mal Zeit für die Einführung des Baukastenprinzips oder für eine neue Brille für den Produktdesigner (gibt's auch hier auf Amazon...).
MATERIAL UND FEATURES
Da wird's heikel und man kann sich wie immer über Sinn und Unsinn streiten:
Extrem leichtes und solides Material, das an den entscheidenden Stellen verstärkt und mit ultraflachen, versetzten Nähten hervorragend verarbeitet wurde - und das beim Fahren lautstark an der Innenhose reibt! Im Geländestress oder Stadtverkehr eher zweitrangig, verwandelt sich die Shorts in ruhigerer Umgebung oder auf Tour in eine absolut unerträgliche Nervensäge - so laut wie eine Plastik-Regenhose, vielleicht bin ich aber auch nur zu empfindlich...
Die hintere Tasche reicht gerade so für Handy und Schlüssel, hat aber einen hochwertigen Reißverschluss. Die vorderen Taschen sind viel zu weit (s.o.), toll um mal bequem die Hände reinzustecken, um alle Gegenstände darin hätte ich aber Verlustängste. Das gleiche bei den seitlichen Taschen, der Atmungsaktivität zugute wurde die Innenseite zum Oberschenkel hin nur in Mesh ausgeführt. Sehr kleine Dinge verabschieden sich sofort, feuchtigkeitsanfälligen Sachen gefällt's da auch nicht und wie lange "scharfkantige" Gegenstände, z.B. Schlüssel, bei der bereits erwähnten Reibung für den Weg nach draußen brauchen, wollte ich nicht testen.
Spitzenklasse hingegen: das Sport Man Sitzpolster, endlich mal keine Windel sondern ein relativ schmales und gut gedämpftes Polster, mit dem man wohl nicht nur längere Strecken fahren, sondern auch mal mehr als hundert Meter angenehm laufen kann.
Der Bund hat einen ziemlich dehnbaren Gummizug (Gürtel also definitiv unnötig) und auch die Abschlussgummis der Innenhose sind angemessen flexibel.
FAZIT
Geschmäcker und Figuren sind verschieden, aber von einer Shorts dieser Marke und Preisklasse hätte ich dann doch mehr erwartet. So toll die Qualität und die Praxistests in "unabhängigen" Fachzeitschriften auch ausfallen: die lausige Größenzusammenstellung und der mangelhafte Stauraum kosten die Countdown II den ersten Stern. Die immense Geräuschkulisse den zweiten. Ob die restlichen drei noch für einen Kauf reichen? Entscheidet selbst...