Die Stärken dieses Heftes liegen in einem gelungenen Mix aus Bildern und guten Texten, die die aktuelle Glücksforschung gekonnt skizzieren. Besonders beeindruckt haben mich die Bilder am Anfang des Heftes, die unterschiedlichste Glücksmomente zeigen. Dabei sind die zweiten Sieger kennzeichnend für unsere Gesellschaft: ich habe kein glückliches Gesicht darin entdeckt. Ebenso sind die pelzumrankten Frauenportraits von St. Moritz wenig einladend oder seelisch zufrieden gestimmt. Sehr wohl dagegen ein 80+ Paar auf den Seiten 8-9, die lebenslangen Zusammenhalt, Sinnhaftigkeit und Zusammengehörigkeit symbolisieren.
Wichtiger als das Zufallsglück ist das selbst geplante, durch den eigenen Willen beförderte. Denken, arbeiten, anteilnehmend und helfend leben - das scheinen die Zutaten für nachhaltiges Lebensgück zu sein. Es ist die Kunst, seine ureigensten Talente zu entfalten und ihnen gemäß zu leben, aber auch im Rahmen einer ethisch orientierten, anständig kooperativen Lebensweise aktiv zu handeln.
"Menschen mit festem Partner sind meist glücklicher als Singles. Was allerdings, wie Forscher herausgefunden haben, zum Teil daran liegt, dass glückliche Menschen ohnehin leichter einen Partner finden." (S 144) Ab Seite 62 wird die Geschichte der positiven Psychologie beschrieben, die Eigenwirksamkeit dieser wissenschaftlichen Ergebnisse sind keine Zufälle, sondern der Mut, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sich von negativen Fesseln und Hierarchiegefängnissen zu befreien. Dabei geht es nicht darum, nur grinsender Smiley zu sein, sondern in Balance mit negativen Gefühlen eine stärkere Hinwendung zum selbst-machbaren Glück zu finden.
Interessant diese generellen persönlichkeitsbestimmenden Faktoren, die u.a. die Berufwahl determinieren: Neurotizismus, Verträglichkeit, Offenheit, Extraversion und Gewissenhaftigkeit. (S 50) "Wer bodenständig ist und sich an Bewährtes hält (Beamter), muss nicht unglücklich sein - aber bessere Chancen auf viele Glücksmomente haben vermutlich all jene, die aufgeschlossen sind gegenüber Neuem."(z.B. Fotoreporter, S 55)
Eine gelungene Landkarte bzw. Topografie aktueller Glücksforschung mit einer Vielzahl von Querverweisen bzw. Literaturempfehlungen. Sehr zu empfehlen.