Die Gestaltung des Covers verspricht es, in den Heften wird oft darauf Bezug genommen: GEO nimmt für sich in Anspruch, als "grüne" Zeitschrift zu gelten. Aber beim kritischen Lesen kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass sich das grüne auf einen sehr engen Umkreis des Endverbrauchers beschränkt, während "Gegebenheiten" eines industriellen Denkens, das mehr und mehr droht, mittelfristig das Überleben der Menschheit in Frage zu stellen, weitgehend unkritisch akzeptiert, ja sogar vermittelt werden.
So fand man im November 2011 unter dem Heftthema "Und was essen wir morgen" zwar durchaus interessante Statistiken, welche die Brisanz der Situation untermauern, und auch die Probleme, die insbesondere in weniger reichen Ländern längst existenzieller Art sind, ansprechen. Aber behandelt werden fast ausschließlich angebliche Lösungsansätze, die in ihrem Technologiewahn kritisch betrachtet nichts anderes versprechen als noch ineffizienter hergestellte Nahrungsmittel mit noch größerem Potential, die Gesundheit der Menschen zu ruinieren.
Kein Wort zu der wirklich brisanten Thematik, ob die laut WHO inzwischen 10-30 mal höheren Krebsraten der "Industrienationen" nicht weitgehend auf industriell hergestellte und verarbeitete Nahrungsmittel mit Belastungen durch Agrarchemie, Umweltverschmutzung, Zugaben und Giftstoffen in den Kunststoffen von Folien, Blistern und Flaschen zurückzuführen sind.
Während dieser WirkungsKomplex kritischen Verbrauchern längst zumindest unter-bewusst sein dürfte, wird mit schon boshafter Verleugnung der Tatsachen immer noch behauptet, durch Chemie würde kostengünstiger produziert - dabei beweisen die eigenen Statistiken eindrucksvoll das Gegenteil. Der weltweite, ungeheure Preisanstieg bei Lebensmitteln führt unzweifelhaft vor Augen, dass wir heute teurer und ineffizienter produzieren denn je. Wer nicht an Sterntaler glaubt, muss sich ja auch darüber im Klaren sein, dass irgendjemand schließlich die Milliardengewinne der Agrar- und Chemieindustrie bezahlten muss.
Das alles ist nicht gerade neu. Bereits in den 70er Jahren wurde in - damals noch echten - ökologischen Magazinen vorgerechnet, dass eine Kuh auf der Weide rund 10-mal wirtschaftlicher Fleisch und Milch produziert als eine mit Industriefutter hochgezüchtete Stallkuh. Neu ist nur der unbeirrbare Zynismus, mit der Verbraucher inzwischen auch von angeblich ökologisch eingestellten Medien für dumm verkauft werden. Man könnte fast meinen, die hohe Krebsrate in den Industrieländern, Fettsucht, Unfruchtbarkeit und die "beliebten" Altershirnkrankheiten gehören zur übergeordneten Planung von Politik und Industrie.
Dies war nur ein Beispiel. Nicht alles, was man in der "grünen" GEO findet, genügt diesem Schema. Es gibt auch ausgewogene, sogar kritische Stimmen, und man findet viele interessante Berichte aus einem breiten Spektrum, bei denen informierte und intelligente Leser schließlich nicht auf die sanfte Gehirnwäsche hereinfallen müssen. Insofern ist ein solches Heft immer noch informativer und interessanter als der seitenlange, aber - was Fragen angeht, die den Menschen wirklich betreffen - inhaltsfreie Politklatsch eines "roten" Nachrichtenmagazins.
Jury 3* A0958 13.5.2012eg