Nicht immer lohnt es sich, die Ausgabe der Reihe "GEO Epoche" zu kaufen, der eine DVD beiliegt. Aber in diesem Fall kann ich dazu nur raten. Denn der 90minütige Dokumentarfilm, der von France 2 in Auftrag gegeben und unter der Federführung vom Norddeutschen Rundfunk gedreht wurde, korrigiert ein allzu einseitigen und der Geschichte wenig entsprechendes Bild von Ludwig XIV. Die Drehbuchschreiber Jacques Dubuisson und Michel Fessler sind der Versuchung nicht erlegen, den Prunk der damaligen Zeit zu personalisieren. Auch wenn sie Ludwig XIV in etlichen Szenen ebenfalls als machtbesessenen Regent auftreten lassen, vergessen sie doch nie, dass Versailles vor allem ein Projekt der Machterhaltung war. Diesen wichtigen Aspekt hat Doris Kolesch in ihrem ausgezeichneten Buch "Theater der Emotionen. Ästhetik und Politik zur Zeit Ludwigs XIV." detailliert und äußert anschaulich herausgearbeitet.
Versailles als goldener Käfig für den widerspenstigen Adel, in dem gefährliche und aufmüpfige Konkurrenten vom König kontrolliert werden konnten. Natürlich bestreiten auch die bekannten Biographen des Sonnenkönigs nicht, dass er mit seinem Mammutprojekt die Staatskasse überforderte und einem Land letztlich einen schlechten Dienst erwies. Aber sie weisen zu Recht auch auf die politischen, gesellschaftlichen und psychologischen Rahmenbedingungen hin, die solche Exzesse ermöglichten und zum Teil sogar provozierten.
Frank Otto, der das Konzept des Heftes erarbeitete, legte bei der Auswahl der einzelnen Beiträge das Gewicht auf journalistische Vielfalt. Daher finden kommt auch eine Giftaffäre zur Sprache, die im 17. Jahrhundert ganz Paris bewegte, schließlich zur Verhaftung, Folterung und Hinrichtung einer Frau führte. Da die Spur der Fahnder bis zum Hof des Sonnenkönigs Spuren führte und der Artikel spannend geschrieben ist, kann ich die Aufnahme dieser Geschichte verstehen. Ähnlich spektakulär ist die Story vom Mann mit der eisernen Maske, die ja auch verfilmt wurde. Aber beide Beiträge tragen zum Verständnis von Frankreichs Aufstieg zur Weltmacht und der Person Ludwigs XIV. nicht allzu viel bei.
Kommt Ludwigs Finanzminister, Jean-Babtiste Colbert, im Film noch ziemlich gut weg, zeigt ihn Martin Paetsch in seinem Beitrag als vom Volk gehassten Geldeintreiber, dem es primär um den eigenen Ruhm und die Sicherung seiner Macht geht. Weitere Themen im Heft sind: Die Fronde-Aufstände, Molière als Hofkomödiant, die verlustreiche Mississippi-Expedition des französischen Abenteurers Robert Cavalier de La Salle, die Hugenottenverfolgung und natürlich die zahlreichen Kriege. Wie von dieser Reihe gewohnt, sind alle Beiträge mit Bildmaterial, das nicht immer leicht zugänglich ist, reich illustriert. Schade finde ich nur, dass die Literaturtipps zu den einzelnen Beiträgen dürftig und nicht immer die besten sind.
Mein Fazit: Interessiert mich ein Thema dieser Reihe, kaufe ich jeweils die Ausgabe mit der beigelegten DVD, obwohl ich auch schon Nieten gezogen habe. In diesem Fall hat sich das Risiko gelohnt. Denn der eineinhalb Stunden lange Film über Versailles, den Traum Ludwig XIV., ist ebenso unterhaltsam wie informativ. Auch wenn die Drehbuchschreiber eher ein geschöntes Bild des Sonnenkönigs zeigen.