Im vorliegenden Band geht es vorwiegend um die Eroberungszüge Nazideutschlands, denen sich das faschistische Italien am 10. Juni 1940 dann anschloss. Dem Pazifikkrieg werden zwei, wenn auch erfrischend kritische Essays, gewidmet.
Die behandelten Themen sind in gewohnter Geo Epoche Qualität dargestellt.Bild und Textteile wechseln sich wechselseitig ab, so dass der Leser/Betrachter an die Themen gefesselt wird. Mir bislang teils unbekannte Bilder waren für mich eine Bereicherung.
Kleinere Ungenauigkeiten sind mir aufgefallen: Bilderklärungen hätten exakter sein können. Seite 19, die dargestellten Sowjets tragen keine Winterbekleidung, daher stehe ich der Bildunterschrift kritisch gegenüber, Seite 47, die dargestellten Typen sind Panzer 38t, PzKampfwagen II und III, auf Seite 145 britische Matilda Mark II, auf Seite 146 ist der dt. Jagdflieger Hans-Joachim Marseille bei seinem 48. Luftsieg über eine brit. Hurricane abgebildet.
Angefangen wird mit der Vorgeschichte des Krieges. Der Weg in die zweite europäische Katastrophe nach Versailles 1919 wird gut verständlich beleuchtet.
Der Polenfeldzug wird minutiös geschildert, die Entwicklung dahin mit Anschluß Österreichs, München 1938, Annexion der Resttschechei und der Appeasementpoltik der Alliierten wird mit einbezogen.
"Flucht über Wasser" bei Dünkirchen beschreibt den ganzen Westfeldzug und nicht nur die Absatzbewegung über den Kanal.Das letzte Bollwerk England Mitte 1940 bis Mitte 1941 zeigt den verzweifelten Überlebenskampf der britischen Inseln und wird mit der Person Winston Churchills verknüpft. Ein Bericht über die Luftschlacht um England schließt sich an. Dann folgt ein Essay über das besetzte Frankreich/Paris, der für mich in Text und Bild sehr eindringlich und aufschlussreich war.Die größeren Texte werden von kleinen Schilderungen über die Operation "Weserübung", die Besetzung Dänemarks und Norwegens sowie die Geschichte der Bismark eingerahmt. Terrorkrieg beleuchtet den Ostfeldzug gegen die Sowjetunion, Hitlers "Weltanschauungskrieg". Hier wird auch auf die verbrecherische Vernichtung der Zivilbevölkerung eingegangen. Ein Bericht über das Lied von Lili Marleen behandelt die Sehnsüchte der Soldaten, und zwar beider Seiten. Die Codebrecher von Brenchley Park folgen, die Dechiffrierexperten der Briten, die es schafften, den Code der Enigma zu knacken und so den Briten unschätzbare Vorteile verschaffte. Die U-Boote, von denen Churchill einmal äußerte, er hätte in der Atlantikschlacht die einzige Befürchtung den Krieg zu verlieren, werden im Artikel "Jäger im Weltmeer" behandelt.Dann kommt die Reportage über Pearl Harbor, die sehr interessant ist und auch fast vegessene Aspekte über die Rolle von Roosevelt aufwirft.Die Gegenoffensive, das beginnende US-amerikanische "Inselspringen" wird im Anschluss dargestellt.Dann kommt noch der afrikanische Schauplatz, in den Deutschland durch seinen Verbündeten Mussolini hereingezogen wurde und seinen fähigen General Rommel entsendete. Den Abschluss bildet sinngemäß Stalingrad, der allgemein als Wendepunkt zumindest des europäischen Krieges gilt. Strategisch sehe ich aber eher die verlorene Schlacht um Moskau als Wendepunkt. Psychologisch mag die Niederlage bei Stalingrad die Umkehr des Krieges markieren.
Besonders herausheben will ich noch die Artikel zur Planung und Durchführung des Völkermordes. Selten habe ich auf so wenig Seiten eine so präzise und einprägsame Darstellung gelesen. Vor allem der Beitrag "Ganz normale Männer" wie auch das Vorwort Seite 3 machen betroffen und werden mir lange im Gedächtnis bleiben.
Gestört hat mich die Weglassung jeglichen Kommentars zur Expansion des Sowjetreiches. Stalin marschierte am 17. Sept. 39 in Polen ein, er führte den Winterkrieg mit Finnland 39/40 und besetzte das Baltikum und Bessarabien.
Warum erklärte Großbritannien/Frankreich eigentlich nicht dem Sowjetdiktator den Krieg? Nach dem Beistandspakt hätte das doch erfolgen müssen. Oder warum waren eigentlich die Briten 1940 in Norwegen so schnell vor Ort. Vielleicht weil sie selbst Norwegen strategisch nutzen wollten? Natürlich Fragen, die nicht ohne weiteres zu beantworten sind. Zu diskutieren wären sie aber.
Insgesamt eine ordentliche Leistung von Geo Epoche bei einem sehr umfangreichen Thema. Wegen der angesprochenen Unterlassungen drei Sterne.