Unter all den in Deutschland erscheinenden Magazinen, die dem interessierten Laien auf populärwissenschaftliche Weise geschichtliche Themen näherbringen wollen, ragt meiner Meinung nach GEO-Epoche durch seine Fundiertheit und die gelungene Mischung aus Erzählung und Blick auf die Strukturen heraus. Einzig der etwas abgehackte Satzbau mag den einen oder anderen Leser sicherlich stören.
Auch das Themenheft über Australien ist im großen und ganzen ausgewogen und bietet reichhaltige Informationen über die Geschichte des Fünften Kontinents. Zudem eignet es sich wegen der leserorientierten Darbietung (leicht verständliche Texte und eine Vielzahl an Photos und Karten) auch sehr gut für Schüler, um etwa Referate vorzubereiten oder sich grundlegendes Wissen anzueignen.
So wird in einem Artikel unter dem Titel "Frühgeschichte: In einem Land vor unserer Zeit" beispielsweise ausführlich auf das kulturelle Erbe der Aborigines eingegangen, wobei besonders die Mythen der Tjukurpa, der "Traumzeit", behandelt werden, die uns Europäern eine Vorstellung von der fundamentalen und faszinierenden Andersartigkeit der Denkweise und Vorstellungswelt der Aborigines vermitteln. Zeit ist in dieser Kultur nicht linear, sondern fast nietzeanisch als ewiges Sein (eben nicht "Wiederkehr", deshalb nur "fast nietzeanisch") des Gleichen verstanden.
In einem anderen Artikel erfahren wir von den Anfängen europäischer Siedlungen - anhand des Beispiels der berühmten Strafkolonie Botany Bay. Diese von Cay Rademacher verfaßte Darstellung zeichnet sich vor allem durch ihre Liebe zum narrativen Detail aus. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Europäer Australien nach seiner Entdeckung anfangs buchstäblich links liegen ließen, weil sie das Gefühl hatten, dass sich eine Besiedlung dieses Kontinents nicht lohne.
Ein weiterer hervorragender Artikel handelt von den Männern, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Durchquerung des im Innern weitgehend unbekannten Kontinents machten. Der Verfasser beschäftigt sich hier detailreich mit der gescheiterten Expedition von Robert O'Hara Burke und William John Wills im Jahre 1860, die sich in einem Wettbewerb persönlicher und territiorialer Eitelkeiten mit dem Schotten John McDouall Stuart befanden.
Ein ebenfalls sehr ausführlicher Artikel befaßt sich mit dem Schicksal der "Stolen Generations", d.h. der Aborigine-Kinder, die im Zuge einer rassistischen australischen Bevölkerungspolitik ihren Familien entrissen wurden, um sie zwangsweise nach den Maßstäben der europäischen Gesellschaft zu assimilieren.
Weitere, zum Teil kürzere, Artikel behandeln unter anderem die Erforschung der australischen Küste im frühen 17. Jahrhundert, den Goldrausch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die australische Staatsgründung, die Entstehungsgeschichte der "Flying Doctors" sowie die Situation der Ureinwohner im Australien der Gegenwart. Insgesamt kann man sagen, dass ein repräsentativer Längsschnitt durch die Geschichte dieses Kontinents geboten wird, wobei mir als einziges Desiderat noch ein Artikel über die Einwanderungsgeschichte Australiens einfallen würde.