Was in dem Buch steht ist korrekt, sorgfältig und übersichtlich. Ärgerlich ist allerdings, das geradezu nichts drin steht, was nicht auch in den Standardinformationen der drei beschriebenen Institutionen erläutert ist - und die kosten nicht 28 Euro, sondern sind gratis zu beziehen. Dass das Buch zur Hälfte aus Nachdrucken von unausgefüllten (!) Originalformularen besteht, ist nicht nur ökologisch bedenklich. Das vorliegende Buch taugt also nur für diejenigen, die diese Materialen in gebundener Form haben möchten.
Es ist geradezu unverschämt, wie wenig spezifisches Wissen verarbeitet wurde. Alle Fragen die für Künstler wirklich interessant werden, wenn sie erstmal den benannten Organisationen beigetreten sind, werden nicht mal angeschnitten. Für die Interessen von Konzertveranstaltern und Tonträgerherstellern ist das Buch NOCH unergiebiger!
Nur ein paar Anregungen:
- Was muss ich bei Vertragsgestaltungen beachten, damit maximale GVL-Erträge erzielt werden? (Stichwort Abzug für Produzenten, Anteile Dritter usw.)
- Wie kriege ich GVL-Ausschüttungen für Einnahmen aus Staaten, für die es keine Gegenseitigkeitsvereinbarungen mit der GVL gibt, z.B. USA?
- Wie kann ich aktiv darauf hinwirken, dass ich bei der GEMA die Wertung "E" erhalte?
- Wie werde ich ordentliches Mitglied der GEMA, wenn ich voraussichtlich nicht ohne weiteres auf den erforderlichen Umsatz komme?
- Wie komme ich an Gelder aus den sogenannten "Töpfen" der GEMA?
- Was für Fördermöglichkeiten bieten GEMA und GVL? Was genau leisten die Sozialfonds der beiden?
- Gibt es internationale Alternativen? Also z.B. statt GEMA zur SACEM?
- Wie kann ich als Komponist nur bestimmte Nutzungen durch die GEMA vertreten lassen und z.B. die Sparte mechanische Vervielfältigung ausklammern?
- Ein Kapitel "Verlagsverträge" und deren Auswirkung auf die eigenen GEMA-Bezüge wäre ja auch toll, aber ich verlange zu viel, anscheinend.
und und und......
Dazu gibt es NICHTS. Der Untertitel "... zum optimalen Ergebnis" suggeriert ja eigentlich genau, dass die oben aufgeworfenen Fragen beantwortet werden! "Optimales Ergebnis" heißt aber bei Scholz anscheinend überhaupt Mitglied werden.
Das entscheidende Problem ist letztlich die Praxisferne des Autors, der sich darauf beschränkt, einfach nur Verwaltungsvorgänge zu beschreiben, ohne Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen (ja ja, Musik-Journalist und -Funktionär ist er, aber weder professioneller Musiker noch Jurist noch im Musikmanagement - da fehlt einfach das einschlägige Expertenwissen).
Also: besser das Geld gespart und einfach die Infomaterialien direkt von GEMA, GVL und KSK bezogen. Ausfüllhilfe - auch telefonisch - bieten die nun wirklich alle!