Seit mehr als 50 Jahren kann man die Abenteuer des coolen FBI-Agenten Jerry Cotton als Romanheft am Kiosk kaufen und der offensichtliche Jerry-Cotton-Fan Martin Compart hat diesem Idol unzähliger Leser aus mehreren Generationen nun ein faszinierendes Denkmal gesetzt.
"G-man Jerry Cotton" ist die spannend und anhand wunderbarer Archivbilder auch visuell total gelungen erzählte Geschichte eines Mannes, den es in Wirklichkeit nicht gab. Zumindest nicht im realen Leben, was aber vielen Lesern über die Jahre hinweg verborgen blieb. Selbst das amerikanische FBI hatte einen bedauernden Musterbrief für Anfragen nach seinem" Agenten Jerry Cotton vorbereitet, der auf entsprechende Nachfragen mit der Unterschrift von J. Edgar Hoover selbst versandt wurde.
Für die zusammengetragenen Fakten darf man Martin Compart und für die vorzügliche Buchgestaltung dem Lübbe-Verlag wirklich danken. Letzterer hat mit der Herausgabe dieses sehr umfassenden Überblicks zu Jerry Cotton der Kunstfigur, die für den wirtschaftlichen Verlagserfolg maßgebend war, nun auch ein zwischen zwei Buchdeckel gebundenes Denkmal gesetzt.
Ohne die Groschenhefte um Jerry Cotton (und natürlich noch so manch andere Groschenromane auch) wäre der Aufbau des Gustav Lübbe Verlages, der heute erfolgreich in der deutschen Literaturlandschaft tätig ist, undenkbar gewesen.
Hinter den Cotton-Romanen stecken seit jeher mehrere Autoren, Lohnschreiber kann man hier mit einer gewissen Berechtigung sagen, die hinter "ihre" Romanfigur zurücktreten und mit ihrer Autorenschaft im Dunkeln bleiben. In keinem Romanheft nämlich wird der Autor benannt und so sind für den persönlichen Ruhm wenig Chancen gegeben, für ein gutes finanzielles Auskommen hingegen schon.
In dem gut 200-seitigen Buch, dem auch eine bisher nur in Fortsetzungen in der BRAVO erschienene Jerry-Cotton-Geschichte erstmals als eigenes Heft beigegeben ist, kann man den Weg des sympathischen Agenten von Mitte der 50er Jahre bis heute verfolgen, lernt Interna aus dem Groschenromanbereich kennen, blickt auf die Verfilmungen der 60er Jahre mit George Nader und auf die aktuelle Verfilmung mit Christian Tramitz, lernt den Erfinder der Cotton-Figur Delfried Kaufmann kennen und erfährt wahnsinnig viel Neues oder auch schon Bekanntes, das in dieser einheitlichen Geschlossenheit noch niemals beieinander gestanden hat.
Für den Fan und für jeden Interessierten an dem Phänomen Jerry Cotton liegt mit dem G-man-Buch ein toll gestaltetes und liebevoll aufgemachtes Nachschlagewerk vor, das vor innerer Spannung in den Händen schier zu zerbersten droht.