Drei Jahre lies sich LL Cool J nach seinem völlig missratenen "Phenomenon" Zeit, bis er 2000 mit dem wenig zurückhaltenden Titel "G.O.A.T." sein Comeback feierte. Wenn man sich schon das Recht herausnimmt, sich als den Größten aller Zeiten zu betiteln, sollte auch etwas Zählbares dabei herauskommen. Nun, gut ist diese Scheibe allemal, ein Werk, das großartig in die Geschichte eingehen wird jedoch auf keinen Fall. Neben bekannten Producern wie Rockwilder, DJ Scratch oder Trackmasters, nahm LL auch die damaligen großen Stars um Ja Rule, Method Man, Redman, DMX, Snoop Dogg oder Xzibit mit ins Studio und produzierte sein bis heute letztes wirklich überzeugendes Album.
Im Gegensatz zu seinen meisten anderen Alben, ist "G.O.A.T." sehr abwechslungsreich und bietet neben etwas typischem N.Y.C. Rap auch den gewohnten R'n'B-Flavor, aber auch einiges an härteren und bouncenden Tracks. Rockwilder's erste Produktion "Imagine That" erinnert von den pumpenden Bässen und den Elektro-Sounds etwas an das ebenfalls von ihm gebastelte "Da Rockwilder" von Method Man und Redman, bekommt aber durch Sängerin LeShaun seine gewisse R'n'B-Note. Ein wirklich toller Track, bei dem James Todd Smith seine lyrische Stärke als Ladies Love voll ausspielen kann. Komplett anders ist der Canibus-Diss "Back Where I Belong". Von tiefen Pauken- und Bassschlägen, sowie Kirchenglocken begleitet, zeigt sich Uncle L von seiner harten Seite. Highlight ist hier jedoch ganz klar Ja Rule, dessen tiefe und kratzige Stimme perfekt zum Instrumental passt und eine aggressive und energiegeladene Stimmung entsteht. Cool, leicht funky und sehr entspannt ist die Rap-Session von Def Jam's größten Stars um die Jahrtausendwende. Mit dabei: LL Cool J, Method Man, Redman und DMX. Neben ein paar Funk-Elementen dominiert hier besonders eine kraftvolle Melodie, die die Rhymes der vier sehr gut unterstreicht, wobei besonders LL und Meth herausstechen. Leider passt bei diesem Album nicht alles so gut wie hier. Ab und an leistet sich LL Cool J auch den ein oder anderen Totalausfall, was richtig nervige Nummern wie "LL Cool J" oder "Farmers" zur Folge hat. Da skippt man doch lieber gleich zu solchen Meisterwerken wie dem Lovesong "This Is Us" zusammen mit Carl Thomas weiter. Trotz des straffen Beats geht der R'n'B-Flavor nicht verloren, was auch an LL's Lyrics liegt, vor allen Dingen aber an Carl Thomas' grandiosem Refrain, der ein echter Ohrwurm ist und sofort zum Mitsingen verführt. Ähnliches gilt für "You And Me", das allerdings etwas gefühlvoller rüberkommt und mit Kelly Price eine Frau als Feature bietet. Überraschend tiefgründig zeigt sich Ladies Love Cool James auf "Homicide", einem düsteren und Gänsehaut verursachenden Banger, der sich mit der harten Realität der Straße befasst. Vor Allem lyrisch ist dies eines der letzten großen Highlights, das uns LL in den letzten 15 Jahren geboten hat. Dass LL auch Freunde in Los Angeles hat, hört man auf dem Smash "You Can't Fuck With Me", bei dem Snoop Dogg, Jayo Felony und Xzibit als Features parat stehen. Das Instrumental ist verdammt hart, schon fast brachial und donnert ohne Rücksicht auf Verluste aus den Speakern. Alle vier spitten hier echt klasse Rhymes, am Überzeugensten ist Xzibit, wobei man sagen muss, dass die anderen ihm in nicht viel nach stehen. Das Highlight von "G.O.A.T." ist zweifelsohne der absolute Mördertrack "Queens Is". Es bietet den dunklen und genialen QB-Style, was bei einem Produzenten wie Havoc und einem Gast wie Prodigy auch nicht verwunderlich ist. Ich glaube, ich habe seit "Mama Said Knock You Out" keinen besseren Song mehr von LL gehört. Nach dem selbstverliebten "The G.O.A.T.", welcher richig gut bounced, erreicht man die drei Bonus Tracks, für die man wirklich dankbar sein kann. Den Anfang macht hier "Ill Bomb", welches offiziell von Funkmaster Flex feat. Big Kap & LL Cool J stammt. New York typische Beats und Scratches treffen hier auf einen MC in Form von Cool J, der sich trotz seiner langen Karriere hier auf seinem absoluten Höhepunkt befand. Nach dem leider weniger gelungenen "M.I.S.S. I" (feat. Case) endet "G.O.A.T." mit dem wieder richtig starken "Shut 'Em Down". Schnelle und harte, dennoch etwas dumpf klingende Bässe, dazu eine angenehme Hintergrundmelodie und dazu ein LL der die Reime so elegant und faszinierend spittet, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Wirklich ein würdiges Ende für ein Album mit dem Titel "G.O.A.T.".
Nicht ohne Grund schoss diese Platte sofort von 0 auf 1 in den Charts. Es hat einfach klasse und ist wirklich hochwertig produziert. Und so können neben den ausführlich angeführten Tracks auch das fröhliche "Take It Off", das knochenharte "Can't Think" und Telefonsex-Nummer "Hello" voll und ganz überzeugen und fügen sich nahtlos in das sehr abwechslungsreiche Gesamtbild, das den ein oder anderen Ausfall sehr gut kompensiert, ein. Da es wie gesagt LL's letztes wirklich gutes Werk ist, ist "G.O.A.T." nicht nur den Fans von Ladies Love Cool James zu empfehlen, sondern allen, die auf hochwertigen New York Hip Hop um das Jahr 2000 stehen.