Überfliegt man kurz die Überschriften in Elke Naters neuem Buch "G.L.A.M.", so weiss man sofort: Hier geht es um die wesentlichen Dinge im Leben. Körperpflege, Anstand, Mode, Würde, Abschied - so heissen nicht die Kapitel, sondern die einzelnen Tagebucheintragungen, aus denen sich der lose Band zusammensetzt. Dabei erscheinen die Texte von Frau Naters skizzenhaft, weil sie meist in der Andeutung stehenbleiben, ihre Aussagen nicht überstrapazieren und ihren wahren Kern zunächst verbergen. Die Einfachheit und Schlichtheit der Sätze überrascht. Doch die Autorin beschreibt sehr gekonnt das Gefühl der Zerrissenheit zwischen Heim- und Fernweh, der Sehnsucht des Künstlers nach dem Ausbruch, aber auch nach der Heimat. Neben kurzen Aphorismen enthält das Buch auch Fotografien, die die Autorin auf ihrem Jo-Jo-gleichen Weg zwischen Berlin und Bangkok gemacht hat, auf Flughäfen oder in den Strassen. Dabei ergänzen sich Fotografien und Texte zu einem "Reisebuch", das wegen seines angenehm leichten Stils zu gefallen weiss. Elke Naters ist mit "G.L.A.M." das geglückt, was Rainald Goetz immer wieder versucht hat: Ein Buch zu schreiben, das man nicht von vorne bis hinten durchlesen muss, sondern in dem man wie in einem englischen Hochglanzmagazin ein wenig herumblättert, je nach Laune nur die Bilder betrachtet oder auch mal ein paar Sätze liest. Dabei ist das Buch keinesfalls oberflächlich: Es beschreibt zwar viel Oberfläche, jedoch ergründet sich dahinter eine wunderbare Melancholie, die den aufmerksamen Leser zwar kurz, aber tief und nachhaltig berühren wird.